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Standort für drei Jahre gesichert

Lange, harte Verhandlungen gingen der Einigung voraus. Jetzt ist der Kirchheimer Siemens-Standort für drei Jahre gesichert. Allerdings sinkt die Zahl der Arbeitsplätze weiter, und zwar von derzeit 228 auf 175. Zudem muss die Belegschaft Einkommenseinbußen hinnehmen.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Als "schwierigste Siemens-Baustelle in Baden-Württemberg" bezeichnete Helmut Hartmann, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Verwaltungsstelle Esslingen, das Trafo-Werk in Kirchheim. "Wir sind froh, dass wir die Bestandssicherung für drei Jahre hingekriegt haben", lautet daher sein erleichtertes Resümee nach mehrtägigem Ringen mit der Geschäftsleitung, das auch von Arbeitsniederlegungen im Werk begleitet war.

Über Versetzungen, Altersteilzeit und Aufhebungsverträge soll die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jetzt auf 175 reduziert werden. Für 27 Beschäftigte sind nach Angaben der IG Metall bereits Regelungen vereinbart worden. Zur Standortsicherung gehört der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.

Die verbleibenden 175 Mitarbeiter müssen Einkommensabsenkungen in einer Höhe von etwa elf Prozent in Kauf nehmen. Erreicht wird dies durch Reduzierung von Prämienlöhnen, den Abbau übertariflicher Zulagen und wertgleiche Absenkungen bei den Angestellten.

Durch flexible Arbeitszeitkonten werde die Fertigungskapazität auf Höhe des heutigen Niveaus sichergestellt, teilte die Gewerkschaft weiter mit. Dies erfolge im Rahmen einer "begrenzten Mehrarbeit ohne Bezahlung", wobei höhere Kapazitäten durch Leiharbeiter beziehungsweise Neueinstellungen bewältigt werden müssten.

Von einem "ordentlichen Ergebnis" spracht gestern der Erlanger Siemens-Pressesprecher Dietrich Biester. Er wies darauf hin, dass die 35-Stunden-Woche im Kirchheimer Werk grundsätzlich weiter gelte und das tarifliche Urlaubsgeld sowie tariflich betriebliche Sonderzahlungen nicht gekürzt würden. Die Standortsicherung schließt Verlagerungsmaßnahmen in den kommenden drei Jahren aus.

Laut Pressemitteilung der IG Metall wurde weiter zwischen Siemens und der Gewerkschaft vereinbart, dass sechs Monate vor Ablauf der drei Jahre über eine Verlängerung der Standortsicherung verhandelt werden kann.

Helmut Hartmann betonte, dass mit dem aktuellen Ergebnis eine "standortspezifische Lösung ohne Eingriffe in den Flächentarifvertrag erzielt wurde". Das gesamte Einsparvolumen liegt nach seinen Angaben bei etwa 3,8 Millionen Euro pro Jahr. Im April dieses Jahres hatte der Siemens-Konzern von Einsparungen in Höhe von zunächst sechs, dann 4,5 Millionen Euro gesprochen, die notwendig seien, um die Schließung des Werks oder die Verlagerung nach Budapest zu umgehen.

Die Belegschaft im Kirchheimer Werk wurde bereits gestern am frühen Nachmittag, unmittelbar nach dem Abschluss der Verhandlungen, im Rahmen einer Mitarbeiterversammlung vom Ergebnis in Kenntnis gesetzt.