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Standort mit Zukunft

Wenn Gottwald Schäfter im Oktober in den Ruhestand geht, steht sein Nachfolger schon Gewehr bei Fuß. Mit überwältigender Mehrheit wählte der Esslinger Gemeinderat den 40-jährigen Stephan Reichstein aus Rommerskirchen zum künftigen Wirtschaftsförderer. Damit nahm ein wochenlanger Bewerbungsmarathon ein relativ unspektakuläres Ende.

ALEXANDER MAIER

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ESSLINGEN Die Suche nach einem Nachfolger für den scheidenden Esslinger Wirtschaftsförderer Gottwald Schäfter war zur Nervenprobe geworden: Im Frühjahr hatte die CDU-Fraktion das erste Bewerbungsverfahren gestoppt, weil der Verwaltungsausschuss nur einen Bewerber ausgewählt hatte, der sich dem Gemeinderat vorstellen sollte. Mit ihrer Kehrtwende hatten die Christdemokraten für Verwirrung gesorgt, da sie im Verwaltungsausschuss dafür votiert hatten, mit nur einem Kandidaten in die Finalrunde zu gehen.

So hatte es im Juni eine zweite Bewerbungsrunde gegeben, in der sich 72 Kandidaten beworben hatten. Zehn stellten sich im Verwaltungsausschuss vor, der daraufhin zwei Kandidaten in den Gemeinderat schickte nachdem sich der Favorit der ersten Runde inzwischen bereits für eine andere Position entschieden hatte.

So gingen jetzt mit dem 39-jährigen Jan Miller aus Bremen und Stephan Reichstein zwei Kandidaten ins Finale, die sich erst in der zweiten Runde beworben hatten. Beide waren sich einig, dass der Standort Esslingen ein attraktives Pflaster für einen Wirtschaftsförderer ist.

Miller hatte zuletzt sieben Jahre lang als Projektleiter und Sprecher im Bremer Forum der Wirtschaft und Wissenschaft sowie als Geschäftsführer der dortigen Hanse-Projekt GmbH gearbeitet. Seit diesem Jahr ist er freiberuflicher Berater für Standortentwicklung.

Reichstein begann seine berufliche Laufbahn 1999 als Mediator für öffentliches Recht, Wirtschaftsrecht und Nachbarschaftsrecht. Derzeit ist er Wirtschaftsförderer im Wirtschaftsbüro der Gemeinde Rommerskirchen mit den Schwerpunkten Gewerbestandorte, Standortmarketing, Flächenvermarktung und Ansiedlungsbetreuung.

Mit einem schnörkellosen Auftritt überzeugte Stephan Reichstein die Esslinger Gemeinderäte derart, dass er auf Anhieb 38 Stimmen bei lediglich zwei Enthaltungen auf sich vereinte.

Kein übergestülptes ImageStephan Reichstein empfahl den Esslinger Gemeinderäten, für ihre Stadt ein authentisches Standortbild zu erarbeiten und nach außen zu vertreten, anstatt sich "irgendein Image von einer Marketingagentur überstülpen zu lassen". Esslingen biete "sehr, sehr vielversprechende Möglichkeiten" und habe bereits viele Weichen in die richtige Richtung gestellt. Der Standort habe eine gute Zukunft vor sich, die der neue Wirtschaftsförderer durch seine langjährige praktische Erfahrung konstruktiv mitgestalten möchte.

Einer dürfte sich über die Entscheidung des Gemeinderats besonders gefreut haben: Reichsteins Sohn, der seinem Vater den Wechsel ans Herz gelegt hatte, weil er durch den Umzug von Nordrhein-Westfalen nach Baden-Württemberg einige Wochen Ferien extra bekommt.