Lokales

Starke Hilfe in inflationärer Zeit

Vladimir Driga bringt den Dank des „Bündnisses“ und nimmt Spenden mit in die Ukraine

Vladimir Driga hat vor Jahren das „Bündnis für kinderreiche Familien“ in der Ukraine ins Leben gerufen. Seither pendelt er zwischen seiner Heimat und seinem „schwäbischen Stützpunkt“ Bissingen, um von hier Spenden an bedürftige Menschen in Rovno zu transportieren.

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richard umstadt

Bissingen. Gestern noch stand der weiße Transporter mit dem Autoanhänger vor dem Haus von Hilde und Josef Pötzl im Bissinger Deutelbronn. Heute ist Vladimir Driga mit dem Gefährt, voll bepackt mit Spenden, bereits wieder unterwegs in seine Heimat, die Ukraine. 1 600 Kilometer her, 1 600 Kilomter hin. Seit vielen Jahren fährt der 40-jährige arbeitslose Wasserkrafttechniker die weite Strecke von der ukrainischen Gebietshauptstadt Rovno ins schwäbische Bissingen, um hier all die Spenden für das „Ukrainische Bündnis für kinderreiche Familien“ im Kreis Rovno zu laden: Damen-, Herren- und Kinderfahrräder, Kleidung, Bettwäsche, Vorhänge, eine Nähmaschine, Spielsachen, Schuhe, Werkzeug und vieles mehr. Vor allem deutsches Geschirr und Töpfe „Made in Germany“ sind in Rovno gefragt, seit die Ukrainer feststellten, dass die gleiche Ware aus China zwar billig, aber nicht sehr langlebig ist.

Vladimir Driga ist von der Hilfsbereitschaft der Deutschen überwältigt und dankbar. Die Spenden bedeuten nicht nur für die vielen kinderreichen Familien im „Bündnis“ sowie für ukrainische Kinder- und Altenheime in Rovno und dem benachbarten Sarne eine große Erleichterung im beschwerlichen Alltag. Durch den von den Pötzls 2001 gekauften Transporter konnte sich Vladimir Driga inzwischen beruflich eine neue Existenz aufbauen. Er überführt nun bei seinen Hilfstransporten auch Autos aus Deutschland, die ukrainische Kunden per Internet kauften. Vor zwei Jahren konnte er sich dann ein Häuschen mit Stall und Scheuer in der Nähe von Rovno kaufen, in dem er mit Frau Natalie und den beiden kleinen Söhnen lebt. In dem zur Garage umgebauten Stall hat er genügend Platz, um die Spenden zu lagern, bevor sie verteilt werden. Die Fahrräder werden zuvor in einer kleinen Werkstatt in Rovno wieder auf Vordermann gebracht.

Trotz der langen Fahrten ist Vladimir Driga froh, seine Familie unterhalten und noch weiteren Menschen helfen zu können. „Wir haben eine Arbeitslosigkeit von rund 50 Prozent und eine Inflation von 17 Prozent. Benzin, Strom, Gas, Wasser und Abwasser, alles ist teuer“, sagt er, „und der Staat zahlt nur eine sehr kleine Sozialhilfe“. In dieser Situation bleibt vielen Ukrainern nichts anderes übrig, als sich mit mehreren Jobs über Wasser zu halten.

Wer dem ukrainischen Bündnis für kinderreiche Familien helfen will, kann Spenden bei Hilde und Josef Pötzl im Bissinger Deutelbronn 18 abgeben oder kann per Telefon unter 0 70 23/26 74 bitten, die Hilfsgüter abzuholen.