Lokales

Starke und gute Beziehungen statt Drill a la Supernanny

Ständig Zoff zu Hause? Für viele Teenager und ihre Eltern sind Streit, Zorn und Sprachlosigkeit an der Tagesordnung. "PEP4Teens" lautet die Antwort von Wilfried Veeser. Der Theologe und Familientherapeut aus Kirchheim bietet einen Erziehungskurs an, der auf positive Beziehungen, Werte und Respekt setzt.

BIANCA LÜTZ

Anzeige

KIRCHHEIM/DETTINGEN "Gebt nicht auf Teenager lassen sich erziehen", lautet die Botschaft Wilfried Veesers (Foto) an alle verzweifelten Eltern. Mit "PEP4Teens" hat der 49-jährige Kirchheimer ein alternatives Erziehungsprogramm entworfen, das sich ihm zufolge von dem hinterfragbaren Ansatz der Supernannys im Fernsehen wesentlich unterscheidet: Veesers ganzheitliche Methode geht nicht nur spezielle Situationen und Probleme an, sondern soll von Grund auf eine positive Beziehung zwischen Eltern und ihren Teenagern aufbauen. Zudem stehen nicht Drill und Strafe im Vordergrund, sondern Konsequenz und Wärme. "Dabei vertreten wir bewusst eine christliche Ethik", sagt Veeser, der Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde in Dettingen ist.

Bei einem Informationabend am morgigen Sonntag, 29. Mai, um 20 Uhr stellt der Familientherapeut gemeinsam mit dem Christlichen Buchcafe sein Erziehungsprogramm im Alten Gemeindehaus in Dettingen vor. Interessierte Eltern können sich dabei für Veesers "PEP4Teens"-Erziehungskurs anmelden, der am 5. Juni startet. Der Lehrgang der schon an anderen Orten erprobt wurde, nun aber erstmals in der Region stattfindet umfasst vier Seminarabende und vier Coachings, bei denen die Teilnehmer per Telefon beraten werden.

"Im Kurs wird trainiert was das Zeug hält", verspricht der Dettinger Pfarrer ein reichhaltiges Programm. Gemäß Veesers Konzeption geht es vor allem darum, Grundlagen zu vermitteln. "Spezielle Einzelfälle werden nicht diskutiert", betont er. Holger Seitz, Mitarbeiter im "PEP4Teens"-Team und Schwager Wilfried Veesers, fasst zusammen: "Das Coaching ist Hilfe zur Selbsthilfe."

Die Bestandteile und den Ablauf des Trainings hat Wilfried Veeser auch in einem Buch zusammengestellt, das im September beim Brunnen-Verlag erscheint. Der Titel: "PEP4Teens. Das Positive Erziehungs-Programm für Eltern mit Kindern zwischen 12 und 17". Eine Vorab-Version des Buchs bekommen die Teilnehmer des Trainings in Dettingen an die Hand gelegt.

Zu Beginn des Kurses steht eine Bestandsaufnahme an: Die Eltern sollen sich überlegen, welche Ziele sie für sich und ihren Teenager haben, welche Werte sie vermitteln wollen und wie schwer die Erwartungen umsetzbar sind. Anschließend geht es daran, Probleme und ihre genauen Ursachen zu identifizieren. Dazu gehört auch, dass Eltern ihr eigenes Fehlverhalten anerkennen oftmals ein schwieriger Prozess für die Erziehungsberechtigten. "Wir erleben oft, dass Eltern rebellieren, wenn sie sich ändern sollen", weiß Holger Seitz. Im Laufe des Trainings jedoch würden die Erwachsenen lernen, damit umzugehen: "Die Eltern verändern sich tatsächlich", ist Veesers Erfahrung davon profitiere meist nicht nur die Beziehung zu den Kindern, sondern auch zum Partner und zu Kollegen am Arbeitsplatz.

Schließlich erhalten Eltern durch das Programm eine Anleitung, wie sie Probleme lösen und Konflikte bewältigen können. Dazu gehört es auch, dass die Familie gemeinsame Konferenzen etabliert und Regeln vereinbart. Charakteristisch für das Positive Erziehung-Programm ist, dass es zwar feste Eckpunkte formuliert und sozusagen das methodische Handwerkszeug liefert, gleichzeitig aber "sehr viel Freiheit" zur eigenen Ausgestaltung und zur Anreicherung mit persönlichen Wert- und Glaubensvorstellungen lässt.

Ganz wichtig ist es Wilfried Veeser, klarzustellen, dass sein Programm Probleme nicht verhindert: "Es zeigt nicht den perfekten Lebensweg auf." Statt dessen biete es einen "realistischen Weg", Probleme richtig anzunehmen und gemeinsam zu lösen. Spannungen und Streit können dem Pfarrer zufolge mit "PEP" nicht verhindert werden. Das Programm soll durch den Aufbau einer starken Beziehung dazu beitragen, "durch eine heikle Zeit so durchzukommen, dass man auch danach noch Respekt und Wärme füreinander empfindet", legt der Autor dar.

Verschiedene Anstöße haben Veeser dazu bewogen, ein Erziehungsprogramm speziell für Teenager zu entwerfen. Einerseits signalisierten ihm seine Erfahrungen aus der psychotherapeutischen Praxis: "Es gibt riesige Erziehungsrückstände." Das Wissen, wie man mit Teenagern umgeht, sei den Menschen zu großen Teilen verloren gegangen, bedauert Veeser. Darüber hinaus sammelte der Pfarrer in der eigenen Familie jede Menge praktische Erfahrungen: "Ich habe selbst vier Kinder zwischen 16 und 20", erzählt er.

Das Buch ist Wilfried Veeser zufolge auch ohne gleichzeitigen Besuch eines Elterntrainings auf verschiedene Arten nutzbar: "Eltern können das Buch einfach nur für sich selbst lesen und die Übungen machen", schlägt er vor. Er könne sich auch vorstellen, dass sich befreundete oder bekannte Erziehungsberechtigte zusammentun und gemeinsam "trainieren". Für alle gebe es außerdem die Möglichkeit, eine Telefonberatung durch einen "PEP4Teens"-Trainer in Anspruch zu nehmen. Informationen dazu stehen auf der Homepage www.pep4teens.de zur Verfügung.

"Es gibt mittlerweile rund 150 Trainer", informiert Wilfried Veeser über "PEP4Teens": "Wir führen im gesamten deutschsprachigen Raum Elterntrainings durch." Anhand dieser Kurse war es auch möglich, die Vorab-Ausgabe von Veesers Buch mit noch mehr praktischen Informationen zu unterfüttern und so im Herbst eine überarbeitete Version in den Buchhandel zu bringen.

Ziel ist es nun, das Positive Erziehungs-Programm noch breiter zu etablieren. Der Kurs in Dettingen ist nach Wunsch des Pfarrers daher lediglich der Beginn einer umfassenden Eltern-Schulungsaktion: "Es soll im Raum Kirchheim Nachfolgeseminare mit verschiedenen Trainern geben."