Lokales

Startbahn-Gegner bleiben bei grundsätzlichem Nein

Das regionale Aufregerthema Nummer eins, die vom Flughafen gewünschte zweite Startbahn, ist um eine Variante bereichert worden. Angeblich liebäugeln die Flughafenchefs mit einer Piste, die nicht parallel zur vorhanden Bahn verläuft, sondern schräg zu ihr. Es handele sich definitiv nicht um eine Wunschlösung der Geschäftsführung, wies ein Flughafensprecher die Darstellung einer Regionalzeitung zurück.

ROLAND KURZ

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LEINF.-ECHTERDINGEN Diese dritte Variante soll östlich der vorhandenen Start- und Landebahn liegen und parallel zur Autobahn verlaufen, also grob in Richtung Denkendorfer A-8-Raststätte. Auf dem Flughafen tat man sich etwas schwer, zu diesem Zeitungsbericht Stellung zu nehmen. Pressesprecher Volkmar Krämer verwies deshalb auf die Aussagen von Geschäftsführer Georg Fundel vor dem Landtag. "Wir haben Alternativen untersucht, viele Alternativen", hatte Fundel in Stuttgart gesagt. Nach wie vor überlege man weiter, ob es außerhalb vom Parallelbetrieb in den Querbahnen noch etwas gebe, was man bislang nicht gesehen habe.

Die Planer seien geradezu verpflichtet, weitere Möglichkeiten zu untersuchen, um bei einem Planfeststellungsverfahren zu bestehen, ergänzte Krämer. Dass die nun ins Spiel gebrachte Variante im Osten weniger Fläche verbrauche oder gar weniger Lärm verursache, wollte der Sprecher nicht bestätigen. Dies müsse man ja zuerst untersuchen.

Vom Betriebsablauf her gesehen, hat das erste Gutachten des Flughafens ergeben, dass die Nordvariante günstiger ist. Von ihrer Lärmwirkung her wären aber mehr Menschen betroffen. Diese Piste bringe eine entscheidende Veränderung der Lärmsituation schreiben die Gutachter: Scharnhausen, Nellingen und die Esslinger Stadtteile Berkheim, Sirnau und Oberesslingen müssten spürbar höhere Schallemissionen hinnehmen. Das lässt sich im Gutachten auch daran ablesen, dass der Aufwand für Schallschutz auf mehr als 70 Millionen Euro veranschlagt wird, bei der Südvariante rechnen die Gutachter mit gut 30 Millionen Euro.

Die Diskussion um eine dritte Variante beeindruckte die Bürgermeister der betroffenen Kommunen gestern zumindest offiziell wenig. "Der Flughafen kann noch fünf verschiedene Varianten vorlegen, das ändert nichts an unserer Auffasssung", sagte Ostfilderns OB Christof Bolay: "Es ist keine weitere Startbahn notwendig, weder links, noch rechts, noch schräg."

Ähnlich äußerte sich Ingo Hacker als Sprecher des kommunalen Aktionsbündnisses. Die Betroffenheit sei unabhängig von Varianten. Eine zweite Startbahn bringe mehr Flugbewegungen und somit mehr Lärm. Das Maß für die Filder sei einfach voll. Wenn überhaupt eine Variante in Frage komme, ergänzte er sarkastisch, dann die Startbahn über der Autobahn, damit wenigstens dieser Lärm unter einen Deckel komme. Den Flughafenchefs empfahl der Neuhausener Bürgermeister, keine Steuergelder für weitere Untersuchungen zu verschwenden, bevor die Politik entschieden habe.

Unter dem Titel "Völlig losgelöst von der Erde", nutzte auch Werner Wölfle, der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Landtag, die Lage, um die Flughafenchefs zu kritisieren. Wer jetzt eine neue Variante präsentiere, diskreditiere seine Vorschläge vom November. Unabhängig von Variante drei äußerten sich Kreis- und Regionalräte aus Ostfildern. Über alle Parteigrenzen hinweg war man sich einig: Die Forderungen nach einer zweiten Start- und Landebahn sowie eine Verkürzung der Nachtflugeinschränkungen müssen klar abgelehnt werden. Man sehe weder eine volkswirtschaftliche Notwendigkeit noch am Standort Filder eine Realisierungsmöglichkeit. Es sei erschreckend, dass ein Unternehmen des Landes und der Landeshauptstadt eine dermaßen bürgerfeindliche Planung überhaupt vortragen dürfe.