Lokales

Startbahngegner fordern "Gebt endlich Ruhe"

In ihrem Slogan "Gebt endlich Ruhe" klingt ein wenig der Frust der Aktiven in der Schutzgemeinschaft Filder mit. Die Niederlage bei der Landesmesse müsse man erst mal verkraften, sagte Pressereferentin Gabi Visintin. Und jetzt müsse man sich schon wieder wehren: gegen die Pläne des Flughafenchefs Fundel für eine zweite Start- und Landebahn. Am Sonntag, 18. Juni, ruft die Schutzgemeinschaft zum Aktionstag mit Rad-Sternfahrt auf.

ROLAND KURZ

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LEINF.-ECHTERDINGEN Die Aufforderung, endlich Ruhe zu geben, gelte für Flugzeuge, Flughafengesellschaft, Landesregierung und Stadt Stuttgart, erklärte Ingrid Grischtschenko, Regionalrätin der Grünen. Auch wenn die Triebwerke leiser würden, nehme der Lärm durch die wachsende Zahl der Flugbewegungen zu. Grischtschenko: "Am Ohr kommt kein Mittelwert an, sondern jedes einzelne Schallereignis". Und egal, ob ein Ticket billig sei oder nicht, seien Flugreisen die "schädlichste Art der Fortbewegung". Im Schnitt schädige ein Mittelstreckenflug das Klima etwa so stark wie ein Jahr Autofahren. "Wir können so lange in die Sonne fliegen, bis der Klimawandel die Wüste zu uns nach Hause bringt", orakelte Grischtschenko. Der Widerstand gegen den West-Ausbau des Flughafens habe eine zusätzliche Rechtfertigung erfahren, so Grischtschenko. Flughafenchef Georg Fundel habe bestätigt, dass mit den neuen Stellplätzen eine Vorlage für die zweite Startbahn geschaffen werde. Ohne die Startbahn sei die West-Erweiterung witzlos.

Mit Vollauslastung der jetzigen Startbahn und einer neuen Start- und Landebahn könne Stuttgart die Passagierzahlen verdoppeln, befürchtet die Schutzgemeinschaft. Die Filderkommunen würden den damit verbundenen Straßenverkehr nicht verkraften, sagte Walter Vohl vom Kreisbauernverband.

Durch die zweite Startbahn würden erneut beste Böden vernichtet. Insbesondere wären die Landwirte in Bernhausen betroffen, die bei der Verlängerung der ersten Startbahn mit beregenbaren Flächen befriedigt worden seien. Persönlich, so Vohl, sei er über das Verhalten des Flughafenchefs enttäuscht und verärgert. Ein Jahr lang habe man mit Fundel in der Strukturkommission über Flächennutzungspläne diskutiert und Fundel habe geschwiegen, bis zum Tag nach der Landtagswahl. Dennoch glaubt Vohl, dass die Landwirte beim Widerstand gegen die zweite Bahn bessere Karten als beim Kampf gegen die Messe haben. Etliche Regierungspolitiker sähen, dass man am Ende der Fahnenstange angekommen sei.

Die Schutzgemeinschaft erhalte allerdings zunehmend Unterstützung aus dem weiteren Umkreis, so Grischtschenko. In Altbach habe der Gemeinderat sich gegen den Bau der zweiten Startbahn ausgesprochen. Auch zu Schönbuchgemeinden bestehe Kontakt. Man schätze auch die Erklärungen von CDU- und FDP-Politikern gegen den Ausbau. Diese müssten aber auch für Mehrheiten in ihrer Partei kämpfen, so die Regionalrätin. Am Sonntag steht auch der FDP-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Ulrich Noll, auf der Rednerliste beim Aktionstag. Außerdem sprechen Winfried Kretschmann (Grüne) und Nils Schmid (SPD). Der Aktionstag der Schutzgemeinschaft beginnt am Sonntag um 11 Uhr mit einer Rad-Sternfahrt. Eine Route beginnt in Denkendorf am Maierhof unterhalb des Klosters, sie führt gegen 12 Uhr an der Körschtalhalle Scharnhausen vorbei und gegen 12.30 in Neuhausen bei Sanitär-Ottenbruch. Ziel ist ab 13 Uhr die Gemüsehalle von Helmut Schumacher, südlich des Towers. Um 14 Uhr gibt es Grußworte und Reden, ab 15 Uhr Felderrundfahrten. Es gibt eine Strohhüpfburg für Kinder und ein Feuer für Grillgut. www.schutzgemeinschaft-filder.de.