Lokales

Statt Friedhof Platz für Wohnhäuser

Die geplanten Vogelschutzgebiete machen der Gemeinde Neidlingen einen Strich durch ihre Gemeindeentwicklungsplanung. Deshalb musste die Gemeinde für ein neues Wohngebiet nach einer Alternative suchen. Sie fand sie dort, wo einst ein zweiter Friedhof geplant war.

PETER DIETRICH

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NEIDLINGEN Schon lange hat die Gemeinde Neidlingen kein neues Wohngebiet mehr erschlossen. Sie tat über Jahre lieber das, was Region und Landesregierung inzwischen laut propagieren, verfolgte die Nachverdichtung der Bebauung innerhalb des Ortskerns. Dann nahm die Gemeindeentwicklungsplanung im Jahr 2005 die "Schießhütte" genannte Fläche im Osten der Gemeinde als Bauland in den Blick. Weil diese Fläche nun ins Vogelschutzgebiet aufgenommen werden soll, kann sie in naher Zukunft nicht bebaut werden. Die Hürden, dass dies eines Tages doch passieren könnte, sind hoch. So müsste die Gemeinde nachweisen, dass ihr keinerlei Alternativen zur Verfügung stehen.

Nach solchen Alternativen hat die Gemeinde nun zuerst gesucht. Für das Gewann "Steingau" südwestlich der Widerholtstraße, gegenüber der Einmündung der Immenstraße, gibt es bereits seit 1983 einen rechtskräftigen Bebauungsplan. Dort war einst ein neuer Friedhof geplant. Inzwischen stellte sich aber heraus, dass der bisherige Friedhof an der Kirchsteig nach einer teilweisen Umgestaltung und einer Erweiterung auf absehbare Zeit ausreicht. Somit könnte der einst für den zweiten Friedhof reservierte Platz stattdessen für Wohnhäuser genutzt werden. 13 Gebäude, so eine erste Planung, könnten auf dem insgesamt etwa ein Hektar großen Gelände Platz finden, mit Baugrundstücken ab vier Ar aufwärts. Da das Gelände an bestehende Straßen grenzt, ist eine Erschließung verhältnismäßig schnell und günstig möglich, eine zusätzliche Straße parallel zur Widerholtstraße soll das neue Bauland durchqueren.

In Vorgesprächen lotete die Gemeinde das Interesse sämtlicher Grundstückseigentümer aus, alle sind zur Mitwirkung bereit. Im Zuge der Baulandumlegung will die Gemeinde einen Großteil der Fläche erwerben und damit den Baulandbedarf im Ort selbst steuern können. Die Zuteilung von Baugrundstücken an bauwillige Privateigentümer kommt erst an zweiter Stelle. Mit der Erstellung des Bebauungsplans und der Erschließungsträgerschaft wurden ein Boller Büro, mit der Erschließungsplanung ein Kirchheimer Ingenieurbüro beauftragt für Bürgermeister Rolf Kammerlander "ein Meilenstein" der jüngeren Neidlinger Geschichte.

Die Planungen werden das Jahr 2007 in Anspruch nehmen, die Öffentlichkeit soll frühzeitig daran beteiligt werden. Die Erschließung des Gebiets ist für Frühjahr 2008 geplant, Mitte 2008 könnte bereits der Hausbau beginnen.