Lokales

„Status quo erhalten“

Neuer Fahrplan nach S-Bahn-Ausbau

Die besondere Situation Notzingens bezüglich der S-Bahn-Verlängerung nach Kirchheim, wurde während der jüngsten Sitzung des Gemeinderats deutlich.

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Iris Häfner

Notzingen. Der Tag, an dem die erste S-Bahn in Kirchheim ankommt, rückt immer näher. Erste Fahrplanentwürfe und Vorschläge zur Linienverbesserung sind in der Diskussion. Die Busverbindungen müssen umgestellt und auf den Takt der S-Bahn eingestellt werden. „Eigentlich haben wir uns im Verwaltungsverband immer gemeinsam an einen Tisch gesetzt und nach Lösungen gesucht. Dies ist seit einiger Zeit leider nicht mehr der Fall“, bedauerte Notzingens Bürgermeister Jochen Flogaus. Vonseiten Kirchheims sei diesbezüglich keinerlei Interesse vorhanden. „Drei Viertel der Fahrpläne sind in Kirchheim schon in trockenen Tüchern“, kritisierte er.

Notzingen hat allein schon wegen seiner Lage eine Außenseiterposition. Die Route Kirchheim-Wellingen-Wer­nau übernimmt die Firma OVK, die Verbindung Kirchheim-Plochingen der RBS-Bus. „All das muss neu koordiniert werden“, zeichnete der Schultes die Problematik auf.

Für den Gemeinderat stellte sich die Frage, in welche Richtung die Notzinger Bürger in Zukunft tendieren. Bislang orientieren sie sich an Plochingen, wenn es um Bahn-Anschlüsse geht. Der Großteil der Realschüler geht zwischenzeitlich nach Wernau, nicht nach Kirchheim. „Wenn es in Zukunft eine freie Wahlmöglichkeit für Hauptschulen gibt, ist nicht abzusehen, wohin die Schüler dann gehen“, gab Jochen Flogaus ferner zu bedenken. Derzeit besteht noch ein Vertrag mit Kirchheim, die Notzinger Schüler besuchen daher die Eduard-Mörike-Schule in Ötlingen.

„Wir fordern den Status quo. Unser Ziel ist: das erhalten, was wir bisher haben“, steht für den Schultes fest. Für ihn kommen keine Einschränkungen infrage, da Notzingen sich mit der S‑Bahn-Verlängerung solidarisch gezeigt und an der Finanzierung beteiligt hat, obwohl abzusehen war, dass diese Investition für die Bodenbachgemeinde weit weniger Vorteile bringt, als dem übrigen Umland von Kirchheim. „Wir haben den Obolus bezahlt und erwarten daher, dass wir gleich behandelt werden“, so die Forderung von Jochen Flogaus.

Für die Gemeinderäte ist klar, dass sich die Notzinger hauptsächlich in Richtung Wernau orientieren werden. „Das ist auch eine Frage der Zone. Wer über Kirchheim fährt, ist in der Nächsten und muss einen Euro mehr bezahlen“, sagte Helga Merz. Für Herbert Hiller hängt vieles von der Parkplatzsituation an den Bahnhöfen ab und Erhard Reichle wünscht sich längere Umsteige-Zeiten, um stressfreier die Anschlusszüge erreichen zu können. „Die Reisezeit ist entscheidend, nicht die Fahrzeit“, so seine Meinung. Einer Ansicht sind die Räte hinsichtlich der Schüler. Sie sollen bevorzugt behandelt werden. „Was interessiert die Notzinger Schüler, wann die S-Bahn fährt?“, fragte Günther Barz. Herbert Hiller pflichtete ihm bei: „Für die Schüler darf sich nichts zum Nachteil verändern.“

In diesem Zusammenhang stimmte das Gremium auch der Abrechnung der ÖPNV-Kosten für das Jahr 2007 zu. Der Gesamtbetrag beläuft sich für Notzingen auf rund 15 000 Euro. „Bei der Erstellung der Sitzungsvorlage haben wir festgestellt, das die Abrechnung nicht richtig ist. Der Landkreiszuschuss in Höhe von rund 100 000 Euro wurde zwei Mal angerechnet, obwohl er nur ein Mal gezahlt wird“, sagte Jochen Flogaus und gab die aktuellen Beträge bekannt. Für die Bodenbachgemeinde erhöhte sich der Betrag um rund 5 000 Euro.