Lokales

Staufer, Greifvögel und ein Räuberfest

Adler, Geier, eine Führung durch Bad Wimpfen und ein Wald voller Räuber all das stand beim Jahresausflug des Trachtenvereins Kirchheim auf dem Programm.

KIRCHHEIM An einem kalten, nebeligen Herbstmorgen starteten die Mitglieder per Bus in Richtung Neckarmühlbach zur Burg Guttenberg. Punktgenau zur Flugvorführung um 11 Uhr kam die Sonne hervor und ließ die Geier trotz widriger Thermik weit hinaus über das Neckartal segeln. Für die Kirchheimer war es ein unvergessliches Erlebnis, als die Greifvögel ihre beeindruckenden Flugkünste zum Besten gaben. Die Chefin des Hauses berichtete zudem aus 40 Jahren Forschung, informierte über die Lebensgewohnheiten der Adler und über die Bedeutung der Greifvögel in der Natur. Viel Abwechslung und zusätzliche Informationen gab es rund um die Burg in den historischen Wehranlagen. Im Geierhof, Eulengraben und im Adlerring bestaunten die Mitglieder rund 100 Vögel und Eulen aus nächster Nähe.

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Den Römern auf der Spur ging es bei der anschließenden Stadtbesichtigung in Bad Wimpfen auf Entdeckungstour durch die staufische Kaiserpfalz. Das Wahrzeichen der Stadt Bad Wimpfen, der Blaue Turm, mit 650 Jahren ununterbrochener Türmertradition, ist von weitem zu sehen. Aus 32 Metern Höhe bot sich den Kirchheimern ein herrlicher Blick auf das Neckartal und die romantische Stadt.

1182 gilt als Gründungsjahr der Wimpfener Kaiserpfalz. Da das mittelalterliche Reich keine Hauptstadt kannte, die Könige also von Pfalz zu Pfalz ziehen mussten, um Recht zu sprechen, war auch Wimpfen immer wieder Hofstadt. Dort entfaltete sich jene höfische Lebensform, die noch heute so sehr die Fantasie beflügelt: das hohe Mittelalter mit seinem Rittertum, mit Minnesang und Falkenjagd. Kaiser Heinrich VI. war Nachweisen zufolge drei Mal in Bad Wimpfen, Friedrich II. war acht Mal dort.

Von allen Staufern aber weilte sein Sohn, der unglückliche König Heinrich VII. am häufigsten in Bad Wimpfen. Zwei Mal war er mit seinem Vater dort: 1218 als er, der Siebenjährige und bereits gekrönte sizilianische König, aus dem italienischen Südreich nach Deutschland gebracht wurde, und 1235, als der kaiserliche Vater den inzwischen aufrührerischen Sohn in Wimpfen gefangen nahm.

Mit dem Ende der Stauferzeit begann für Wimpfen eine Zeit der innen- wie außenpolitischen Bewährung: Im Jahr 1300 wurde es freie Reichsstadt, der Weg war frei für ein Stadtregiment mit zwei Bürgermeistern und einem städtischen Gericht, dem ein Schultheiß vorstand. Herrliche Bürgerhäuser mit alemannisch-fränkischem Fachwerk künden noch heute von den sakralen und profanen Kulturgütern.

Am späten Nachmittag fuhren die Mitglieder des Trachtenvereins weiter auf die Heuchelberg-Warte zum "Räuberfescht". Einen Vorgeschmack auf die Erlebnisgastronomie bekamen die Mitglieder des Trachtenvereins schon beim Willkommenstrunk. Nach der Räubertaufe wurden die Räuberrituale und Regularien verkündet und wer sich nicht daran hielt, landete unweigerlich am Pranger. Während des Essensgelages wurde gesungen und gespielt und die Vereinsfamilie hatte ihre wahre Freude an einem gemütlichen Abend, bei dem neben vielen Räuberritualen auch der Schuhplattler nicht fehlen durfte. Die Goisl-Gruppe des Trachtenvereins peitschte vor der Heimfahrt zudem noch einen Mitternachts-Goisler.

ah