Lokales

Stets treibende Kraft und unermüdliche Anwältin

Der Rahmen hätte nicht besser gewählt sein können und entsprechend entspannt und locker vollzog sich dann auch die mitten ins Programm der turbulenten Winterunterhaltung gepackte und im munteren Kreis der Lebenshilfe-Familie gemeinsam genossenen Feierstunde.

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Im Namen des baden-württembergischen Ministerpräsidenten konnte die Kirchheimer Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker am Samstagnachmittag Gisela Wahl für ihr schon über 36 Jahre währendes Engagement bei der Lebenshilfe mit der goldenen Ehrennadel des Landes auszeichnen.

Bändertanz und Musikstücke führten zur Ehrung hin, die dann wiederum überleitete zu weiteren Musikstücken und Tanzdarbietungen, einer putzmunteren Putzeinlage, Pantomime und schließlich auch noch zu Zaubereien mit Musik. Gezaubert wurde freilich auch schon zu Beginn, denn die Mitglieder des Heimbeirats hatten dafür gesorgt, dass die Besucher am eindrucksvollen Suppen-Buffet die Qual der Wahl hatten.

Barbara Kehl-Maurer leitete dann den eigentlichen Festakt ein. Die Vorsitzende der Lebenshilfe Kirchheim attestierte Gisela Wahl, als Mutter eines Kindes mit Behinderung immer nach dem Grundsatz gehandelt zu haben: "Wenn wir Eltern uns nicht engagieren, wer soll sich dann für Menschen mit Behinderung einsetzen?"

Fast 36 Jahre ist Gisela Wahl nun schon ehrenamtlich in der Lebenshilfe tätig, deren Dienste und Einrichtungen sie mit aufgebaut habe. 30 Jahre war sie als Vorstandsmitglied und Stellvertretende Vorsitzende tätig und vertrat dabei stets die Interessen sowohl von Menschen mit Behinderung als auch von ihren Eltern und Angehörigen in der Öffentlichkeit.

Angelika Matt-Heidecker nutzte die Gelegenheit, um sich noch einmal herzlich für die schon traditionell gute Zusammenarbeit zu bedanken, mit der Verwaltung und Lebenshilfe gemeinsam für die Bewirtung beim Dämmerschoppen verantwortlich zeichnen. Als "treibende Kraft", "unermüdliche Anwältin der Interessen ihrer Schützlinge" und "Finanzministerin der Lebenshilfe" bezeichnete sie dann die "verdiente Streiterin" und Ehrenvorsitzende. Beim Blick auf die Meilensteine in Gisela Wahls langjährigem Engagement begann sie mit einem vermeintlichen Stolperstein.

Dass die Kirchheimer Sonderschule in der Bodelschwingschule in Nürtingen aufgegangen sei, habe sich wegen der effektiven Bündelung von Kräften aber als richtig erwiesen. Giselas zweites Herzensanliegen sei der Senefelder Kindergarten gewesen, der 1985 erstmals Kinder ohne Behinderung aufgenommen habe und heute ganz selbstverständlich zum vielschichtigen Kindergartenangebot der Stadt gehört. "Alle Kinder im Carl-Weber-Kindergarten profitieren von der besonderen Kompetenz, die dort vorhanden ist", machte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker deutlich.

Schon im Kindergarten zu lernen, Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit anzunehmen und sorgsam miteinander umzugehen, sei eine wichtige Grundlage für Toleranz.

Einen ganz entscheidenden Anteil daran, dass aus der Au-Baracke, die lange Zeit Dreh- und Angelpunkt der Angebote der Lebenshilfe war, ein modern ausgestattetes Wohnheim in der Saarstraße samt Cafe Paradiesle und Wohnsitz nicht weniger Schützlinge geworden ist, bescheinigte sie Gisela Wahl ebenfalls. Ihr vorbildhaftes Verhalten habe die engagierten Vereinsmitglieder zu einem weiteren zukunftsfähigen Schritt ermutigt, der Einrichtung einer Außengruppe in der Oberen Steinstraße, mit dem ein weiteres Signal der Integration von Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft gesetzt werden konnte.

Ohne die Verdienste anderer Vereinsmitglieder, Helfer und Förderer schmälern zu wollen, stellte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker fest, dass das Wohnheim als Gisela Wahls Lebenswerk gelte, was ihr auch durch den Ehrenvorsitz der Lebenshilfe bescheinigt wurde. Dass sie nun die vom Gemeinderat der Stadt im Dezember 2000 für ihr beispielhaftes Tun verliehene Bürgermedaille nun durch die Übergabe der Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg auch noch veredeln dürfe, freue die Oberbürgermeisterin ganz besonders. Auch wenn beides sehr persönliche Auszeichnungen seien, betonte sie, dass damit gleichzeitig auch die Arbeit aller in der Lebenshilfe geehrt werde und sicherte gleichzeitig die weitere Unterstützung der Stadt zu.

Da derzeit alle Welt an Mozart denkt, bedankte sich Geschäftsführer Thrun zur Abrundung der Feierstunde bei der Ehrenvorsitzenden dann statt mit Blumen mit einem musikalischen Strauß einem Lied von Brahms . . .