Lokales

"Steuerrückvergütung" fällt auf fruchtbaren Boden

Mit einem groß angelegten Festwochenende hat Beuren in den vergangenen drei Tagen die Einweihung der neu gestalteten Ortsmitte gefeiert. Der historische Ortskern soll sich künftig zu einem weiteren touristischen Anziehungspunkt entwickeln neben beziehungsweise zwischen dem Freilichtmuseum und der Panorama-Therme.

ANDREAS VOLZ

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BEUREN Das ganze Wochenende über feierte Beuren mit Gästen aus nah und fern nach Lust und Laune. Vor allem entlang der einst überfrequentierten Ortsdurchfahrt reihten sich die vielfältigen Stände und Ladengeschäfte mit ihren Angeboten wie an einer Perlenschnur auf. Höhepunkte der festlichen Tage waren der Festakt vor dem Rathaus, die Enthüllung des Kunstwerks am Tiefhof des Rathauses sowie der Tag der Blasmusik mit dem Sternmarsch und einem Gemeinschaftskonzert von acht Musikkapellen auf dem Karlsplatz.

Nach 20 Jahren Vorberatung, zehn Jahren intensiver Planung und dreieinhalb Jahren Bauzeit war der Zeitpunkt zum Feiern gekommen. Bürgermeister Erich Hartmann nannte in seiner Begrüßung zum Festakt zunächst die Grundbedingung für die Ortskernsanierung: die Umgehungsstraße samt Tunnel, die im Februar vergangenen Jahres eingeweiht worden war. Dadurch sei es gelungen, "große strukturelle Defizite zu beseitigen" und "die Basis für einen florierenden Mittelpunkt" der Kurgemeinde zu schaffen. Um den Ortskern richtig zu beleben, wünscht sich der Bürgermeister möglichst viele Feste wie am vergangenen Wochenende. Außerdem möchte er einen Bauernmarkt in Beuren etablieren.

Insgesamt seien in den letzten Jahren mehr als 24 Millionen Euro in der Gemeinde verbaut worden, führte Hartmann aus. Trotz Landeszuschüssen sei Beuren an der finanziellen Belastungsgrenze angekommen. Für die vorgesehene Kunst sei kein Geld mehr vorhanden gewesen. Dann aber habe die Bürgerschaft reichlich gespendet: Rund 43 000 Euro seien auf diese Art und Weise zusammengekommen, sodass der Enthüllung des Kunstwerks am Tiefhof im Rahmen des Festwochenendes nichts mehr im Wege stand. Auch sonst hatte die Bevölkerung ihren Anteil an der Ortskernsanierung zu tragen. So bedankte sich der Bürgermeister bei den Anliegern, dass sie Lärm, Dreck und Zugangserschwernisse ertragen hätten.

Auch in Zukunft gibt es in Beuren noch viel zu tun. Erich Hartmann verwies auf die 70 denkmalgeschützten Gebäude und den großen Bestand an Firstständerhäusern, wodurch Beuren eine Sonderstellung in Baden-Württemberg einnehme. Die Sanierung dieser Gebäude bezeichnete er als "die größte Herausforderung in den nächsten Jahren".

Dass Beuren schon jetzt "mehr als eine Reise wert" sei, betonte Regierungspräsident Dr. Udo Andriof in seinem Grußwort: "Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Fördermittel des Landes in dieser Gemeinde auf einen fruchtbaren Boden gefallen sind." Im Zusammenhang mit diesen Zuschüssen sprach Andriof von "einer Art Steuerrückvergütung" für Beuren und die Bevölkerung. Schließlich sei das umgebaute und erweiterte Rathaus "nicht nur Amtssitz des Bürgermeisters, sondern auch ein Dienstleistungszentrum für die gesamte Bürgerschaft".

Dass nicht alle Entscheidungen unumstritten waren, zeigten sämtliche Beiträge zum Festakt auf. So schieden sich die Geister lange Zeit an der Farbgebung für die Rathausfassade. Und auch bei der weiteren Sanierung des Ortskerns gibt es extrem gegensätzliche Ansichten: Landrat Heinz Eininger erinnerte in seinem Grußwort daran, dass es zurzeit zwei Petitionen zum Gebäude Rathausstraße 1 gebe die eine für und die andere gegen dessen Erhalt.

Die einmalige Gebäudesubstanz im Ort zu erhalten und ins richtige Licht zu rücken, sei "nicht einfach und schon gar nicht billig", kam Eininger auf den wesentlichen Punkt zu sprechen. Die Frage, ob ein erhaltenswertes Denkmal vielleicht doch eher "ein hinderlicher Klotz" sei, bezeichnete er als "Kernfrage, die nur über die Nutzung zu beantworten ist". Und für eine Gemeinde von der Größenordnung Beurens sei es sehr schwer, die entsprechenden Nutzungen zu finden. Dennoch warnte der Landrat vor der allgemeinen Tendenz zum Lamentieren und wertete die Einweihungsfeier als "ein Zeichen dafür, dass in unserem Land etwas vorangeht und etwas erreicht werden kann".

Professor Eberhard Weinbrenner von der Planungsgruppe für die Kurortentwicklung sah den sanierten Ortskern gar als "dritten strahlenden Stern im Bild Beurens" neben dem Museum und der Therme. Doch auch er erinnerte im Blick auf die einmaligen Baudenkmäler in der Gemeinde daran, dass bis jetzt nur ein Teil des Weges zurückgelegt sei und dass die weitere Denkmalsanierung noch eine große Herausforderung darstelle.

Der Schriftsteller und Fernsehmoderator Gunter Haug wiederum stellte das Publikum in seinem Festvortrag vor die Herausforderung, ihm auf seinem launigen Parforceritt durch die württembergische Landesgeschichte zu folgen. Beuren spielte dabei freilich kaum eine Rolle außer bei der Feststellung, dass es im rohstoffarmen Württemberg immer schon auf den Fleiß und die Schaffenskraft der Bevölkerung angekommen sei, um die Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft bewältigen zu können.