Lokales

Stiefmütterlich oder sicher?

Der Winter scheint zwar vorüber. Nicht aber die Diskussion über den Winterdienst und vor allem dessen Einsatz an den Albsteigen. Während sich so mancher motorisierte Bewohner von Ochsenwang und Schopfloch stiefmütterlich behandelt fühlt, bricht Betriebsleiter Klaus Ullrich eine Lanze für die Mannen von der Straßenmeisterei.

RICHARD UMSTADT

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KIRCHHEIM Das Aufatmen über den Rückzug des Winters ist unüberhörbar. Zumindest im Flachland. In den Straßen der Albdörfer jedoch türmen sich immer noch die Schneemassen und selbst am vergangenen Wochenende blickten Autofahrer, die Skier oder Schlitten im Kofferraum hatten, mit Sorgen auf die Steigen am Albtrauf. In umgekehrter Richtung wünschten sich auch die motorisierten Bewohner der Hochfläche, die zu Tal mussten, nichts sehnlicher herbei als die orangeroten Räumfahrzeuge der Straßenmeisterei Kirchheim. Im oberen Bereich der Ochsenwanger Steige blieb am Samstagmorgen gegen 6.40 Uhr ein Notarztwagen, der zu einem internistischen Notfall gerufen wurde, auf schneeglatter Fahrbahn hängen. Ein Privatwagen brachte Notarzt und Rettungssanitäter ans Ziel, während der Fahrer die Schneeketten aufzog.

"Wir können nicht überall zuerst sein", sagte Klaus Ullrich, der im Straßenbauamt Kirchheim für den Betrieb der Straßenmeisterei zuständige Mann. Die zwölf Räumfahrzeuge der Straßenmeisterei Kirchheim sind für das Gebiet zwischen Bempflingen und Weilheim zuständig und dazu gehören auch die Albsteigen zwischen Kohlberg und Ochsenwang.

Laut Klaus Ullrich gibt es konkrete Einsatzpläne, wonach jede Fahrzeugbesatzung 30 Kilometer Straße betreut. Zuständig für den konkreten Einsatz ist der Straßenmeister. Zwar kennen die Besatzungen der nach der Verwaltungsreform unter der Flagge des Landkreises räumenden Streufahrzeuge keinen Rund-um-die-Uhr-Dienst. "Doch wenn es, wie in diesem Winter, erforderlich war, sind die Mannschaften auch vor 4 Uhr ausgerückt und haben bis Mitternacht geräumt", erklärte Klaus Ullrich.

Die Problematik an den Albsteigen kennen die Straßenmeister und ihre Mitarbeiter, versichert der Mann vom Straßenbauamt. Im Normalfall sehen die Einsatzpläne der Räumer vom Dienst keine Sperrung der Steigen vor. "Wir räumen alle Straßen gleich: zuerst mit dem Schneepflug und dann mit Tausalz", erläutert Ullrich die Philosophie des so genannten "Schwarzräumens", also bis auf den Asphalt.

In diesem Winter freilich rutschte die Normalität in den weißen Straßengraben. Bedingt durch die zeitliche Dauer der weißen Pracht machte sich Ebbe in den Salzhallen breit, von "Schwarzräumen" konnte keine Rede mehr sein. Vor allem an den Steigen wurde die Fahrt zu einem gefährlich schlüpfrigen Unternehmen, weshalb die Polizei in Absprache mit der Straßenmeisterei vereinzelt Bergstraßen am Albtrauf kurzfristig sperrte. So geschehen etwa am 27. Februar, als auf Grund der Salzknappheit und heftiger Schneefälle die Hochwang- und die Ochsenwanger Steige geschlossen wurden.

"Die Sperrungen kann man an einer Hand abzählen", wehrt sich Ullrich gegen den Vorwurf, die Albdörfer seien systematisch von der Außenwelt abgeschnitten worden und erinnert daran: "einen solchen Winter hatten wir seit zehn Jahren nicht mehr". Der Winterdienst habe in den letzten Jahren problemlos funktioniert und selbst in diesem extremen Auswuchs der vierten Jahreszeit hätten die Straßenmeistereien jede Steige, von wenigen Ausnahmen abgesehen, schwarz räumen können.

Das sieht ein Ochsenwanger Gastronom ganz anders. Die Steige werde einfach nicht richtig geräumt, "stattdessen stellt man, wenn's kritisch wird, unten eine Schranke auf und sperrt die Straße." Zwei bis dreimal sei dies der Fall gewesen. Die Gastronomie in dem Albdörflein aber sei darauf angewiesen, dass diese Bergstrecke befahren werden könne.

"Solche Schneemassen hat's bereits vor 20 Jahren gegeben und damals hat der Winterdienst an der Ochsenwanger Steige funktioniert", versteht der Wirt die Welt nicht mehr. Außerdem will ihm nicht in den Kopf, weshalb sich die vom Straßenbauamt unter Vertrag genommenen Subunternehmen Salz beschaffen konnten, während die Behörde den Mangel verwaltete. "Bis zum letzten Haus von Ochsenwang wurde gestreut, dann hat es wie abgeschnitten aufgehört und auf der Steige lag der Schnee."