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Stille Nacht statt Double-Jubel und Autokorso um den Alleenring

KIRCHHEIM Dass es nicht so ganz einfach werden würde, war schon irgendwie klar. Trotzdem schien die Hauptschwierigkeit für

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ANDREAS VOLZ

ein weiteres rauschendes Fußballfest am Samstagabend bereits überwunden, als außer in Berlin auch in Kirchheim das drohende Unwetter ausgeblieben war, sodass der Anpfiff des DFB-Pokalfinalspiels bei bestem "Public-Viewing"-Wetter erfolgte. Ansonsten stand für alle begeisterten Fußball-Gucker in Kirchheims Innenstadt fest, dass der VfB Stuttgart unmöglich dreimal in derselben meisterlichen Saison gegen Nürnberg würde verlieren können.

Deswegen war es für jemanden, der trotz Jubelgelüsten kein Freund von Autokorsos ist, auch riskant, so zu parken, dass die Heimfahrt notgedrungen um den Alleenring führen musste. Aber was soll's Hauptsache der VfB holt das erste Double der Vereinsgeschichte.

Der Anfang ging ganz gut, der VfB führt 1:0, Anlass für rot-weiße Glückseligkeit in Kirchheims guter Stube. Die Dämpfer folgten zwar, und der entscheidende Dämpfer hatte mit Weiß weniger zu tun als mit Rot. Aber die Zuversicht wollte nicht weichen, selbst als der VfB plötzlich mit 1:2 ins Hintertreffen geraten war. Schließlich waren in Kirchheim jeder und jede Zweite mit Mütze, Schal, Trikot oder Fahne des aktuellen deutschen Meisters ausgestattet. Und dass die Wasenkicker einen Rückstand aufholen können, hatten sie zuletzt ja oft genug bewiesen.

Gerade als trotz aufopfernden Kämpfens erste Zweifel am "Umbiegen" des Spiels auftauchten, fiel der Ausgleich per Elfmeter. Großer Jubel in der Marktstraße. In der Verlängerung würde es auf jeden Fall klappen, allerspätestens beim Elfmeterschießen. Dann aber kam jener Moment in der zweiten Hälfte der Verlängerung, der den VfB-Anhang endgültig aus allen Pokalsieg-Träumen riss: Jan Kristiansens Sonntagsschuss, der wäre er denn Hitzlsperger auf der anderen Seite gelungen durchaus Anspruch auf das Prädikat "Traumtor" erheben dürfte.

Es folgten noch zehn Minuten vergeblichen Aufbäumens in Berlin und gedrückter Stimmung vor den öffentlich aufgestellten Mattscheiben in Kirchheim. Dann der Schlusspfiff: "Zahlen bitte" und heimschleichen. Statt Double-Jubel stille Nacht. Und kein Autokorso. Schade eigentlich.

Fotos: Thomas Skalak