Lokales

Stimmzettelflut sorgt für einen guten Start

Der neue Kirchheimer Jugendrat ist gewählt: 16 junge Frauen und Männer im Alter zwischen 15 und 18 Jahren werden künftig die Interessen junger Leute in der Teckstadt vertreten. Eine gute Basis für die künftige Arbeit des Jugendrats ist bereits gelegt: Zwei Drittel der wahlberechtigten Jugendlichen beteiligten sich an der Abstimmung.

BIANCA LÜTZ

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KIRCHHEIM "Fantastisch", kommentiert Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker die Wahl zum Kirchheimer Jugendrat, bei der am Sonntag insgesamt 67,07 Prozent der wahlberechtigten Jugendlichen zur Urne schritten. "Es hat sich gelohnt, was wir an Arbeit investiert haben", freut sich die Rathauschefin darüber, dass die Wahlbeteiligung so hoch ausgefallen ist. Auch Wahlamtsleiter Jochen Schilling geizt nicht mit Lob: "Alles hat reibungslos und wunderbar geklappt" auch wenn die Auszählung am Sonntagabend aufgrund der durchaus willkommenen Stimmzettelflut etwas länger gedauert habe als geplant.

Von insgesamt 4 419 wahlberechtigten jungen Frauen und Männern haben am Wahlsonntag und in der Vorwoche 2 964 ihre Stimmen abgegeben. Im Vergleich zu den früheren Jugendgemeinderatswahlen hat sich die Wahlbeteiligung damit mehr als verdoppelt. Von 1993 bis 2001 gelang es nie, mehr als 20 bis 30 Prozent der Jugendlichen an die Urnen zu locken. Im Jahr 2003 scheiterte die Neuwahl des Jugendrats dann sogar komplett an der 20-Prozent-Hürde: Nur 17,98 Prozent der Jugendlichen gingen damals noch wählen.

Dass die Wahlbeteiligung jetzt einen solch beachtlichen Sprung nach oben getan hat, liegt Jochen Schilling zufolge vor allem am geänderten Verfahren: "Wir haben die Wahl in die Schulen hineingetragen", sagt er. So konnten die Jugendlichen bereits in der Woche vor dem offiziellen Wahlsonntag an ihren Schulen zur Urne schreiten. Jede der zwölf Kirchheimer Bildungsstätten hatte dafür eine eigene Wahlurne zur Verfügung gestellt bekommen, die Organisation der Stimmabgabe übernahmen ausgewählte Verbindungslehrer. "Die meisten Lehrer sind mit ihren Schülern klassenweise wählen gegangen", berichtet Schilling. Durch dieses System kam das Gros der Jugendlichen sozusagen "automatisch" zum Zuge. Der Mammutanteil der Stimmzettel war dann auch schon vor dem offiziellen Wahlsonntag im Kasten.

Die Statistik zeigt, dass bei fast zwei Dritteln der zwölf schulbasierten "Wahlbezirke" die Wahlbeteiligung über 80 Prozent lag, während am Sonntag im Kirchheimer Rathaus nur eine Beteiligung von 3,5 Prozent verbucht werden konnte. Spitzenreiter bei den Bezirken waren die Raunerschule mit 93 Prozent und die Freihof-Realschule mit 92 Prozent. Die beiden Gymnasien folgten mit jeweils 90 Prozent. Die niedrigste Wahlbeteiligung, abgesehen vom 13. Wahlbezirk im Rathaus, kam in der beruflichen Max-Eyth-Schule zustande: Dort gaben lediglich knappe neun Prozent der potenziellen Wähler ihre Stimmen ab.

Wahlberechtigt waren alle Jugendlichen im Alter von 13 bis einschließlich 18 Jahren, die entweder in Kirchheim wohnen oder eine Schule in der Teckstadt besuchen. Jeder Jugendliche konnte 16 Stimmen auf die 29 Bewerber verteilen, pro Kandidat maximal drei. "Schade ist, dass über 25 Prozent der Stimmen ,verschwendet' wurden", bedauert Jochen Schilling. Das heißt, zahlreiche Jugendliche haben ihre maximale Stimmenzahl von 16 nicht voll ausgenutzt. Insgesamt zählten die Wahlhelfer 36 904 gültige Stimmen auf 2 919 gültigen Stimmzetteln.

Die 16 neu gewählten Jugendräte werden im März ihre Arbeit aufnehmen, Vorsitzende des Gremiums ist Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker. Ihrer neuen Aufgabe blickt die Rathauschefin positiv entgegen: "Das ist eine Herausforderung, und ich freue mich auf die Arbeit." Mitreden soll das Jugendparlament in Zukunft bei jugendrelevanten Themen und vor allem Projekten. "Ich glaube schon, dass hier etwas zu bewegen ist", zeigt sich Matt-Heidecker optimistisch. Sowohl von Seiten der Stadtverwaltung als auch des Gemeinderats könnten die Jugendräte auf Rückendeckung zählen: "Der Beschluss im Gemeinderat, dass wir einen Jugendrat wollen, war einstimmig."

Vorschläge für Projekte sollen die Jugendlichen selbst machen, die Stadtverwaltung steht ihnen bei der Umsetzung dann unterstützend und begleitend zur Seite. Bereits vor der Wahl kristallisierten sich einige Punkte heraus, die den Jungpolitikern besonders am Herzen liegen: "Bei allen Jugendlichen ging es um die Aufenthaltsqualität in der Stadt", weiß Angelika Matt-Heidecker. Einsetzen wollen sich die gewählten Kandidaten insbesondere für mehr Treffmöglichkeiten in der Kernstadt und den Teilorten, eine verbesserte Kommunikation zwischen den Generationen und Kulturen sowie ein größeres Spektrum an Veranstaltungen speziell für Jugendliche.

DER NEUE JUGENDRATTimo Brückel (17); SchlossgymnasiumAnn-Kathrin Eininger (17); Ludwig-Uhland-Gymnasium (LUG)Frieder Schumann (17); SchlossgymnasiumLena Weithofer (18); SchlossgymnasiumTeresa Oberhauser (16); LUGSahin Wiens (18); ArbeiterJulia Natterer (17); LUGSimon Adamski (18); SchlossgymnasiumAlexander Mok (16); Teck-RealschuleBjörn Ebert (17); Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule Paul Weissinger (16); SchlossgymnasiumFrederic Caulier (16); LUGPia Köber (15); LUGJonas Müller (15); SchlossgymnasiumMeral Demirdögen (16); Teck-RealschuleDennis Jetter (16); Alleenschule