Lokales

Strahlenminimierung bleibt wichtigstes Ziel

Einmal mehr beschäftigte sich der Bissinger Gemeinderat mit dem heiklen Thema Mobilfunkantennen. Durch die Kooperationsbereitschaft von T-Mobile, Vodafone und E-Plus hätte in Bissingen laut Umweltstressanalytiker Diplomingenieur Norbert Honisch die Strahlenbelastung auf inzwischen über 50 Prozent reduziert werden können.

RICHARD UMSTADT

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Die Bissinger Verwaltung besitzt eine gewisse Übung darin, dicke Bretter zu bohren. Dies ist beim Thema Mobilfunk auch notwendig, wissen die Mobilfunkanbieter doch das Gesetz auf ihrer Seite, so lange sie die bundesdeutschen Grenzwerte einhalten. Und die werden in der Seegemeinde nicht erreicht. Dennoch signalisierten zumindest T-Mobile, Vodafone und E-Plus der Gemeinde Kooperationsbereitschaft. Nur O 2 lehnte es ab, seine GSM-Mobilfunkantenne im Hinblick auf eine geringere Strahlungsdichte zu modifizieren.

Während E-Plus bereits im April Vollzug meldete, wollte Vodafone bis zum September den Neigungswinkel der Antennen verändert haben. T-Mobile sprach davon, dies in "naher Zukunft" zu tun.

Gemeinderat und Verwaltung folgten der Empfehlung von Norbert Honisch, T-Mobile und Vodafone nochmals abzufragen und O 2 auf die Kooperationsbereitschaft der anderen drei Betreiber hinzuweisen. Die Gemeinde will die zugesagten Veränderungen durch eine erneute Messung noch in diesem Jahr überprüfen.

Wie der Umweltstressanalytiker weiter berichtete, wollen T-Mobile und O 2 im Norden Bissingens (Fabrikstraße), ihre bestehenden GSM-Masten mit UMTS-Antennen bestücken. Den Vorschlag der Gemeinde, die Anlagen weiter nach Norden an die Kreisstraße K 1250 zu setzen, lehnte T-Mobile im April ab. Das ist insofern nachvollziehbar, da die T-Mobile GSM-Anlage im Gewerbegebiet demnächst mit einer UMTS-Antenne bestückt wird. Ob Vodafone auf seiner ebenfalls im Gewerbegebiet installierten GSM-Anlage auch eine UMTS-Antenne anbringen ließ, ist nicht bekannt.

Aktuell planen T-Mobile, Vodafone und O 2 weitere UMTS-Standorte in Bissingens Ortskern. Nach einem Einspruch der Gemeinde verwarf T-Mobile den zunächst geplanten Standort "Bauhof". Da der Ersatzstandort "Sportgelände West" immer noch zu nahe am Wohngebiet lag, schlug die Gemeinde einen Standort in der östlichen Ecke des Sportgeländes vor. Auch ihn hielt T-Mobile für geeignet. Für Irritationen sorgte allerdings Vodafone. Der Netzbetreiber ist ebenfalls in Bissingens Süden auf der Suche nach einem UMTS-Standort. Auf den Hinweis der Gemeinde, den geplanten Masten im Osten des Sportplatzes gemeinsam mit T-Mobile zu nutzen, lehnte dies Vodafone mit der Begründung ab, der Standort sei funktechnisch nicht geeignet. Die Verwaltung bohrte daraufhin bei Vodafone im Oktober nach, um den Widerspruch aufzuklären. Bislang ohne Erfolg.

Auch O 2 will im Ortsbereich der Seegemeinde mitmischen und teilte im Oktober der Verwaltung mit, dass eine "Richtfunkstation" beziehungsweise eine "Mobilfunkanlage" geplant sei. Die Nachfrage der Gemeinde ergab, dass die Mobilfunkbetreiber eine UMTS-Antenne meinten und nun von der Gemeinde Standortvorschläge erwarten.

"Die Standortdiskussion ist wegen der eingeschränkten Reichweite im UMTS-Bereich sehr schwierig", so Honischs Fazit. Dennoch sollte die Gemeinde versuchen, eine Minimierung der Strahlendichte zu erreichen. Der Umweltstressanalytiker bezeichnete es im Übrigen als einen Fortschritt, dass in Bissingen im GSM-Bereich eine Entlastung von über 50 Prozent gegenüber der Ausgangsstellung erreicht worden sei.

Diplomingenieur Honisch wies allerdings auch daraufhin, dass die Betreiber im Umkehrschluss auf UMTS-Anlagen auch GSM-Antennen installieren könnten.

Den Optimismus des Fachmannes wollte Gemeinderätin Gabi Goebel nicht teilen. Bislang habe lediglich E-Plus die Neigung ihrer GSM-Antenne verändert. Deshalb sprach sie sich für eine überprüfende Messung aller Anlagen aus. Norbert Honisch ging davon aus, dass auch die drei restlichen Betreiber zu ihrem Wort, die Sendeantennen zu verändern, stehen würden. Auf die Frage der Gemeinderätin, wie stark UMTS-Technik nachgefragt werde, meinte der Experte: "Eher verhalten im Moment". Die Flächendeckung sei schlecht und die Geräte hätten immer noch technische Probleme. Außerdem sei UMTS teuer, sodass sie eher gewerblich genutzt werde.

INFOUMTS ist der neue mobile Übertragungsstandard "Universal Mobile Telecommunication System". Während die heutigen Handys Daten per GSM nur mit 9,6 Kilobit pro Sekunde übertragen können, erreicht UMTS bis zu zwei Megabit und übertrifft damit den superschnellen DSL-Internet-Zugang. Allerdings ist die Reichweite einer UMTS-Anlage deutlich eingeschränkt, weshalb die Netzbetreiber mehr Standorte benötigen.