Lokales

Strampeln für die Partnerschaft

„Cyclotouristes“ aus Rambouillet erreichen nach 870 Kilometern und nach sechs Tagen im Sattel Kirchheim

Nach sechs Etappen und 870 Kilometern ist eine Gruppe Radler aus Rambouillet in Kirchheim angekommen. Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker begrüßte die „Pedaleure“ im Rathaus.

Jörg Bächle

Kirchheim. Drei Jahre ist es her, als Kirchheimer Stadträte anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Partnerschaft nach Rambouillet geradelt waren. Die „Retour“ kam am Samstag kurz vor 17 Uhr am Rathaus an – mit erschöpften, leicht unterkühlten, aber glücklichen Radlern. Gestartet waren die 19 Teilnehmer der selbst ernannten Mission „Randonnée Rambouillet Kirchheim“ am Montag vor einer Woche. Sechs Tagesetappen – die in der Summe eine Strecke von 870 Kilometern ergeben – galt es für die Teilnehmer mit einem Durchschnittsalter von 64 Jahren, darunter auch zwei Frauen und ein Fahrer des Begleitbusses, zu bewältigen. Nicht die direkte, sondern die vermeintlich schönste Route wurde ausgesucht. Sie führte beispielsweise am zweiten Tag mit einem Schlenker nach Norden auch auf ein Gläschen durch die Champag­ne – auf der längsten Tagesetappe mit 176 Kilometern.

Am vierten Tag stand eine schwere Tagesetappe mit dem Überqueren der Vogesen an, über den Pass beim Col du Donon. Belohnt wurden die Strapazen mit einem Fernblick über die umliegenden Berge, das Elsass und Lothringen, wie schon 2007, als die Kirchheimer Delegation um Bürgermeister Riemer ebenfalls diese Route gewählt hatte – nur in umgekehrter Richtung.

Der fünfte Tag bot die kürzeste, aber mit reichlich Höhenmetern gespickte Etappe zunächst über Straßburg durch das Rheintal und über die Schwarzwaldhochstraße hinauf auf den Kniebis. Ein Terrain wie gemacht für Christian Jolly, mit 76 Jahren ältester Teilnehmer und erfahrenster Radler der Tour, der schon mehrfach an Jedermannrennen wie Paris–Nizza teilgenommen hat.

„Am Mummelsee lag sogar Schnee“, berichtete Denis Barthélémy, Präsident des Vereins Cyclotouristes de Rambouillet über die wetterbedingten Unannehmlichkeiten: „Der Wind hat uns am wenigsten zugesetzt“, erklärt der Vorsitzende der „Fahrrad-Touristen“, eher das feuchte und kalte Aprilwetter im Wonnemonat. Doch trotz aller Widrigkeiten sei man begeistert von der Landschaft im Schwarzwald gewesen, habe man das Terrain doch noch nicht gekannt. Auch Tübingen mit seiner historischen Innenstadt als letztes Zwischenziel habe sehr gut gefallen, erzählte Barthélémy.

Dort wurden die Franzosen von einer sechsköpfigen Delegation des neuen Vereins „Radsport Kirchheim/Teck“ um Albert Bosler sowie vom Kirchheimer Stadtrat Karl-Heinz Schöllkopf empfangen und die letzten Kilometer bis in die Teckstadt begleitet.

Kirchheims Oberbürgermeisterin begrüßte die Gäste nach deren Eintreffen in der Teckstadt am Rand des großen Sitzungssaals, der aufgrund eines Wassereinbruchs nur eingeschränkt zu betreten war. Angelika Matt-Heidecker freute sich, dass alle gesund angekommen sind. Sie hätten ein Zeichen gesetzt, nur mit den Füßen die Distanz zwischen den Partnerstädten zu überwinden. „Es ist aller Ehren wert, dass Sie die Verbundenheit mit Kirchheim damit zum Ausdruck gebracht haben.“ Der Hochachtung vor dieser Leistung folgte der Wunsch: „Vielleicht entsteht ja eine Tradition, dass man sich zukünftig – öfter oder regelmäßig – mit dem Fahrrad begegnet.“ Matt-Heidecker berichtete, wie wichtig es ihr sei, den Ausbau von Radwegen in und um die Teckstadt voranzutreiben, auch gegen Widerstände.

Der Vereinsvorsitzende Denis Barthélémy bedankte sich für den herzlichen Empfang und berichtete über den Verein, der aktuell 155 Mitglieder hat. Man verstehe sich als Freizeitsportler und möchte mit den Aktivitäten Verbindungen schaffen:

Drei von vier Partnerstädten Rambouillets habe man nun bereits mit dem Velo besucht: Waterloo in Belgien, Zafra im Südwesten Spaniens und nun Kirchheim. Für 2011 sei bereits die nächste Tour geplant: Rambouillet steht kurz vor dem Abschluss einer fünften Partnerschaft mit Torres Novas im Herzen Portugals. Von Clermont-Ferrand möchten die Vereinsmitglieder den Jakobsweg nach Santiago de Compostela radeln und dann weiter 300 Kilometer nach Süden zur zukünftigen Partnerstadt. Dann fehle nur noch das „Randonnée“ mit Great Yarmouth in Großbritannien, der ältesten Partnerschaft Rambouillets, die seit 1956 besteht.

Am Samstagabend waren die Radler zum Bankett des Bürgerbusses im Bürgersaal in Jesingen eingeladen (ein Bericht über den Bürgerbus folgt). Der Sonntag stand ganz im Zeichen von Sightseeing. Am heutigen Montag geht es mit vielen Eindrücken einer tollen Tour zurück. Der Rückweg erfolgt bequem, trocken und schnell mit dem TGV – wie einst vor drei Jahren für die deutsche Delegation.

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