Lokales

Strategie gegen erhöhten Konsum

Mit einem im Landkreis Esslingen einmaligen niederschwelligen Angebot will die Psychosoziale Beratungsstelle Nürtingen frühzeitig Menschen erreichen, die Probleme mit ihrem Alkoholkonsum haben.

KREIS ESSLINGEN Vorbild für das "Ambulante Gruppenprogramm zum kontrollierten Trinken" (AKT) war ein Modellversuch, der in Nürnberg bereits vor fünf Jahren mit viel Erfolg durchgeführt wurde. Auch langjährige Erfahrungen mit vergleichbaren Angeboten in Australien, England und den USA belegen über Jahrzehnte hinweg, welchen Nutzen Menschen mit erhöhtem Alkoholkonsum aus solchen Kursen ziehen können.

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Mit dem Kursangebot "Kontrolliertes Trinken" hat die Psychosoziale Beratungsstelle in Nürtingen ihr präventives Angebot vor drei Jahren ausgebaut und kann inzwischen auf sehr positive Ergebnisse zurückgreifen.

"Die Kursteilnehmer reduzieren bis zum Ende eines Kurses, der zehn Abende umfasst, im Durchschnitt ihren Alkoholkonsum um etwa zwei Drittel der Trinkmenge gegenüber ihrem Konsumverhalten vor Kursbeginn", erklärte Alfred Gscheidle, AKT-Trainer der Beratungsstelle.

Dass diese Konsumreduktion nicht nur von kurzer Dauer ist, belegen die jetzt vorgelegten Zahlen der Teilnehmer, die zum AKT-Nachtreffen kommen. "Über einen Zeitraum von drei Jahren nach Kursabschluss zeigen die Verlaufskurven der Teilnehmer, dass sie ihre vorgenommenen Trinkmengen relativ gut und dauerhaft einhalten können und auch kein Teilnehmer mehr sein früheres Trinkniveau erreicht hat. Diese Angaben der Teilnehmer werden durch beigebrachte Blutleberwertmessungen bekräftigt", so Gscheidle weiter.

Als besonders hilfreich für die Einhaltung der vorgenommenen Trinkmengen wurde die Führung eines Trinktagebuches gesehen. "Schwankungen in den Trinkmengen, so zeigen es die Erfahrungen der letzten Jahre, treten insbesondere dann auf, wenn ein Teilnehmerdie Führung seines Trinktagebuchs vernachlässigt", erklärte Kornelia Kirsch, Leiterin der Beratungsstelle und ebenfalls AKT-Trainerin.

Vielen Teilnehmern hilft es auch, den Trinkbeginn soweit als möglich an das Ende eines Tages zu schieben und es zum Beispiel zur Regel zu machen, vor dem Konsum eines alkoholischen Getränkes grundsätzlich ein nichtalkoholisches Getränk zu nehmen. Auch die Überlegung, ob es ein "normales" Bier sein muss, oder ob es auch ein "alkoholfreies" Bier sein kann, schärft das Bewusstsein der Teilnehmer, unterbricht das oft ritualisierte Konsummuster und hilft, das selbstgesteckte Reduktionsziel leichter einzuhalten.

"Das Angebot von Kursen zum kontrollierten Trinken ist allgemein noch nicht so bekannt", meint Gscheidle, obwohl seiner Einschätzung nach der Bedarf nach konsumreduzierten Angeboten vorhanden sein müsste: "Bundesweit konsumieren 9,3 Millionen Menschen Alkohol in bedenklichen Mengen, jedoch nur 4,7 % von ihnen haben Kontakt mit Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe", so Gscheidle. Dass mit diesem niederschwelligen Angebot neue Zielgruppen erreicht werden, zeigt sich daran, dass 98 % der Kursteilnehmer noch nie Kontakt zu Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe hatten. "Auch verdient der Aspekt Beachtung, dass in jedem Kurs und manchmal auch noch Jahre nach Kursabschluss sich Teilnehmer zur völligen Abstinenz entscheiden", so Kornelia Kirsch. "Wer einmal in das System der Suchtkrankenhilfe eingebunden ist, dem fällt es leichter, für sich zu erkennen, ob ein kontrollierter Umgang mit Alkohol möglich oder zu anstrengend und aufwendig ist und kann sich dann leichter Abstinenzangeboten der Beratungsstelle und der Selbsthilfegruppen zuwenden", weiß sie.

Der nächste AKT-Kurs beginnt am 16. Oktober. Eine Informationsveranstaltung hierzu findet am Montag, 18. September, von 18.30 bis 20 Uhr in den Räumen der Psychosozialen Beratungsstelle, Kirchstraße 17, in Nürtingen statt. Weitere Informationen zu diesem Kursangebot gibt es für Interessierte unter Telefon: 0 70 22/9 32 44-0.

pm