Lokales

Streifen auf hohem Niveau

Gemeindefilmabend gleicht einem Fest mit einer Riesenverwandtschaft

„Wer im nächsten Jahr nicht kommt, wird abgeholt!“ Hätte Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann diese „Drohung“ bereits zum diesjährigen Gemeindefilmabend umsetzen müssen, hätte er zu tun gehabt. Die Schlossberghalle war nämlich so gut besucht, dass die Stuhlreihen kräftig aufgestockt werden mussten – zur Freude von Gemeinde und Filmclub Teck (FCT) als Veranstalter.

BARBARA IBSCH

Dettingen. Irgendwie ist es wie ein Fest mit einer Riesenverwandtschaft. Da trifft sich „halb Dettingen“ zum kulturellen Jahresbeginn, rundum wird festgestellt, wie rasend schnell doch wieder die Zeit vergangen ist, und ebenso rasch ist der große Saal der Schlossberghalle mit erwartungsvollem Stammpublikum und neugierigen neuen Gästen gefüllt. Ein Auftakt nach Maß also für den Filmclub Teck, dessen Mitglieder nicht weniger gespannt sind auf den Verlauf des Abends. Gerne hören sie den Dank des Bürgermeisters als Mitveranstalter, der den FCT als „erfolgreichsten Filmclub in Baden-Württemberg“ herausstellt. Dem wird nicht widersprochen, kann sich die Leistung doch sehen lassen.

Einen abwechslungsreichen Querschnitt davon präsentierte FCT-Vize Lutz Schulze, der im Namen von Clubleiter Helmut Kohlhammer willkommen heißt und sich mit dem Zusammenstellen des Programms große Mühe gegeben hat. Gezeigt werden Filme, die auf Wettbewerbsebene bereits mit Preisen bedacht worden sind. Einzige Ausnahme ist die Reminiszenz an alte Zeiten, die aber von besonderem Publikumsinteresse ist, wird doch ein Blick in die Geschichte Dettingens geworfen. Das tut beispielsweise der ein Vierteljahrhundert alte, inzwischen digitalisierte Streifen von Karl Dannenhauer mit dem Titel „Dr nui Pfarrer“. Präsentiert wird der über die Investitur von Pfarrer Krimmer gedrehte Film gerade noch rechtzeitig vor der in diesem Monat anstehenden Verabschiedung des Pfarrers in den Ruhestand. Jede Menge Gesprächsstoff lieferte er angesichts des hohen Widererkennungseffektes allemal.

Auf Lokalkolorit wird beim Gestalten des Programms ohnehin geachtet, ist doch der Filmclub Teck im Laufe der Jahre zu einem Teil auch in die Rolle des für bewegte Bilder zuständigen Ortschronisten geschlüpft. So waren Doris und Siegbert Limmer mit der Kamera dabei, als die Verbundschule Dettingen zu einem Tag der offenen Tür eingeladen hatte. Die beiden FCT-Autoren vermitteln mit ihrem Film einen umfassenden Eindruck des auf Menschen mit Handicap ausgerichteten Verbundes und seiner verschiedenen Schulen unter einem Dach. Sie bringen aber auch zum Ausdruck, wie die neu entstandene Verbundschule schon jetzt zu Dettingen gehört.

Noch ein lokales Thema beherrscht geradezu den Abend: „Anpfiff auf dem Minispielfeld“. Dettingens Bürgermeister im Sportdress, aber auch als Sportskanone beim Promi-Freundschaftsspiel anlässlich der Einweihung der vom Deutschen Fußballbund gestifteten Spielstätte im Miniformat. Riesig dagegen der Spaß auf dem Feld, mit der Kamera festgehalten von Karl-Heinz Kosmalla, aber auch im Saal beim Gemeindefilmabend.

Geradezu omnipräsent ist der FCT-Autor an diesem Abend im Einsatz. Mit dem Titel „Papa wird’s schon richten“, führt er zunächst auf eine falsche Familienspur, um dann am Beispiel von Theo Papadopulos, genannt „Papa“, aufzuzeigen, wie viele Schritte notwendig sind, Stahl in die bestellte Form zu walzen. Sehr viel lockerer geht es da beim vereinsinternen Einsatz zu, den FCT-Clubraum auf dem Dettinger Guckenrain für die neue Technik zu erschließen. „Alles wegen HDV“ hat Karl-Heinz Kosmalla seinen Film genannt, der den Weg zur neuen Projektionsfläche für hochauflösende Qualität nachzeichnet, aber auch die positive Stimmung im Club widerspiegelt.

Den Sprung über den großen Teich hat Josef Pettinger in verschiedener Form festgehalten. „San Francisco“ ist ein schmissig auf die entsprechende Musik geschnittener Clip, der in vier Minuten die Besonderheiten der Stadt zum Ausdruck bringt. In ­„Canyon Land“ zeichnet der Autor mit eindrucksvollen Landschaftsaufnahmen aus dem Südwesten der USA ein verlockendes Bild.

Dass private Reisefilme für Außenstehende keineswegs zum Horror werden müssen, sondern geradezu Genuss bereiten können, wird ebenfalls deutlich an diesem Abend, der mit einer weiteren Besonderheit aufwartet: Dasselbe Reiseziel kann unterschiedlich aufbereitet werden. Ingrid Steigleiter berichtet mit „Lofoten – kühne Berge im Eismeer“ anregend über eine Wanderung im hohen Norden. Lothar Bogsch hat mit „Meine Fahrt ans Ende der Welt“ den Weg zum Nordkap aus der Sicht eines Busreisenden geschildert und dabei ebenso persönliche Eindrücke so umgesetzt, dass sie zum Nachmachen reizen – bezogen auf die Reisetour wie auf den Griff zur Kamera.

Noch ein Stück weiter geht Doris Limmer mit „Lebendig gebliebene Traditionen“. Die Welt des Hula als die Seele von Hawaii bringt sie auf dem Weg verschiedener Handlungsstränge näher. Welcher Schmuck dazu gehört, welche Instrumente eine Rolle spielen und wie vor allem die unterschiedlichen Tänze den Part der traditionellen Überlieferung übernehmen, hat fast schon dokumentarischen Charakter.

Brauchtum bestimmen auch „Die drey scheenschte Dääg“, die Barbara und Hartmut Ibsch beim Basler „Morgenstraich“ mit der Kamera begleitet haben. „Ärnscht und verbohrt“ geht es dabei zu, aber auch schrill und laut. Es ist vor allem ein Spektakel der besonderen Art, das entweder in die Flucht schlägt oder in seinen Bann zieht. Letzteres überwiegt übrigens.

Zum Abschluss gibt es beim Gemeindefilmabend noch etwas „Heiße Luft“, filmisch umgesetzt von FCT-Autor Peter Markotschi. Da verpufft keineswegs etwas unbedeutend, der Zuschauer wird vielmehr immer mehr hineingezogen in die Welt der Ballonfahrer und das nächtliche „Ballonglühen“ setzt den attraktiven Schlusspunkt.

Zu Ende ist damit an diesem Abend auch die Präsentation der Filme von FCT-Autoren, belohnt mit öffentlicher Wertschätzung vom Bürgermeister: „Da steckt viel Arbeit drin.“ Die in der Schlossberghalle gezeigten Filme könnten auch im Fernsehen laufen. Damit nicht genug, setzt Rainer Haußmann an die Adresse des Filmclubs noch eins drauf: „Wir sind froh und stolz, dass wir Sie haben und Sie so erfolgreich sind.“ Die positive Resonanz lässt darauf schließen, dass im nächsten Jahr die Besucher nicht groß „abgeholt“ werden müssen, sondern freiwillig kommen. Der Filmclub Teck freut sich darauf.

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