Lokales

Streit um Handy-Rechnung endete fast tödlich

BERND WINCKLER

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KIRCHHEIM/STUTTGART Die Richter der 9. Großen Strafkammer (Schwurgericht) des Stuttgarter Landgerichts glaubten den Beteuerungen des 47-jährigen Frührentners, der in einem Wohnheim in Kirchheim lebte, nicht, dass er seinen Kontrahenten nur verletzen und nicht töten wollte. Allerdings stand jetzt aber im Urteil auch fest, dass bei ein solch wuchtiger Stich gezielt in den Herzbereich eines Menschen nur mit einem Tötungswillen geschehen kann.

Den Grund des fast tödlichen Stiches sahen die Richter in einem Streit ums Geld. Der Angeklagte hatte auf Kosten des Bruders des Opfers für sich ein Handy freischalten lassen. Nachdem er die erste Rechnung von 416 Euro nicht bezahlte und auch auf die Mahnung nicht reagierte, hatte ihn die Mutter des Opfers aufgesucht und um Bezahlung gebeten. Allerdings traf sie den Angeklagten nur auf seinem Sofa sitzend an, total betrunken. Auch beim zweiten Versuch, ihn zur Herausgabe des Geldes zu bewegen, stand der Kasache unter Alkohol.

Schließlich kam es dann am Tag vor Weihnachten vergangenen Jahres zunächst vor der Unterkunft in der Charlottenstraße in Kirchheim zu einer Auseinandersetzung zwischen ihm und dem Opfer. Zuvor hatte der 47-Jährige diesem bereits angedroht, ihm den Bauch aufzuschneiden, wie die Richter im Urteil feststellten.

Mit dem Messer zugestochenIn seiner Tasche hatte der Angeklagte zwei lange Küchenmesser versteckt. Als er dann auf das Opfer zuging, hatte er die Messer so gehalten, dass dieser sie nicht bemerkte, somit rechtlich gesehen "arg- und wehrlos" war. Erst als er etwa einen Meter hinter ihm stand, hatte er eines der Messer gezogen und blitzschnell dem Gegenüber in die Brust gestochen. Dabei versetzte er ihm schwerste Leber- und Zwerchfell-Verletzungen, die sofort im Krankenhaus operiert werden mussten. Ansonsten wäre das Opfer innerlich verblutet.

Dass der Alkoholspiegel des Angeklagten zur Tatzeit in Höhe von 2,3 Promille ihn zu der Tat keinesfalls "enthemmt" habe und er somit nur eingeschränkt schuldfähig gewesen sei, hatte bereits ein Sachverständiger bekundet. Der 47-Jährige habe noch genau wissen können, dass er heimtückisch von hinten einen Menschen töten wollte. Nach dem Stich hatte er sich wieder auf das vor der Unterkunft stehende Sofa gesetzt und auf die Polizei gewartet, die ihn dann auch mitnahm.

Der Verletzte befand sich neun Tage auf der Intensivstation des Esslinger Klinikums und leidet noch heute an den Folgen des brutalen Messerstiches.

Die Tat selbst beurteilte das Schwurgericht als einen versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung. Um seine Trunksucht in den Griff zu bekommen, ordneten die Richter neben der achtjährigen Haftstrafe noch seine Unterbringung in einer Trinker-Entzugsanstalt an, die aber auf die Haftzeit angerechnet wird.