Lokales

Streit um Sendemasten

Nachbarn kämpfen gegen die geplante Mobilfunkanlage in der Hölzerstraße. Die erste Informationsveranstaltung fand bereits statt, ohne Gemeinderäte und Bürgermeister. Die Fraktionsvorsitzenden der beiden Wählergruppierungen wehren sich nun gegen den Eindruck, nicht interessiert zu sein. Man sei zu der Veranstaltung nicht eingeladen worden.

BORIS-MARC MÜNCH

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SCHLIERBACH Seit Jahren weckt das Thema Mobilfunk Emotionen. Das bekam jetzt auch die Gemeinde Schlierbach zu spüren: Anwohner der Hölzerstraße hatten kürzlich eine Informationsveranstaltung auf die Beine gestellt, um sich gegen den geplanten Mobilfunkmasten der Firma Vodafone auf einem privaten Gebäude in der Hölzerstraße zu wehren. Die Firma will dadurch die Leistung ihres UMTS-Netzes verbessern.

Gemeinderäte und Bürgermeister waren bei der Veranstaltung nicht anwesend, worüber einzelne Bürger sich gewundert haben. Sowohl CDU als auch Freie Wähler stellten bei der jüngsten Gemeinderatssitzung klar, dass sie vom Veranstalter keine Einladung erhalten hätten. Kurt Moll ärgerte sich darüber, dass in der Öffentlichkeit nun der Eindruck entstanden sei, dass der Gemeinderat nichts tue. Paul Schmid, der nach eigener Aussage den Veranstalter noch kurz vor dem Informationsabend getroffen hat und von diesem nicht angesprochen worden sei, vermutet, "dass meine Anwesenheit nicht erwünscht war". Er sei aber weiter an einem Gespräch interessiert.

Der Bürgermeister machte an diesem Abend erneut deutlich, dass die Gemeinde sich gegen den Standort nicht wehren könne. Mobilfunkmasten unter zehn Meter seien nicht genehmigungspflichtig, erklärte Schmid. Den von der Gemeinde vorgeschlagenen Alternativstandort nördlich der B 297 habe das Unternehmen abgelehnt: "Uns wurde mitgeteilt, dass es notwendig sei, in die Bebauung reinzugehen, sonst wäre der Empfang schlecht." Nach dem gescheiterten Vorschlag der Gemeinde sah sich Vodafone selbst um und kam schließlich mit einem Grundstückseigentümer in der Hölzerstraße überein. Dieses Gebäude liegt Schmid zufolge in einem Mischgebiet. Der Mast wäre 50 Meter von der nächsten Wohnbebauung weg.

UMTS-Netze sollen nicht nur für Telefonate, sondern auch für Bildtelefonate und Multimediaanwendungen geeignet sein. Bei ihnen muss das Netz daher noch enger geknüpft werden, um die hohen Übertragungsraten zu ermöglichen. Nach der Landesbauordnung sind Sendemasten bis zu zehn Metern verfahrensfrei. "Bis vor zwei Jahren mussten die Betreiber die Gemeinden über den Bau solcher Anlagen nicht einmal informieren", sagte Schmid. Er sei aber bereit, die bescheidenen Möglichkeiten der Gemeinde auszuschöpfen, die die Sanierungssatzung böte.

"Wir können nur über die Gestaltung etwas erreichen", so Schmid. Persönlich Betroffenen, die ihn anriefen, habe er die Rechtslage erklärt. Nach dem bisherigen Stand der Forschung könne allerdings niemand sagen, ob die Technik bedenklich sei oder nicht. Paul Schmid: "Um das zu beurteilen, fehlt mir schlicht das Fachwissen." Wer sich informieren wolle, könne auf der Internetseite des Bundesamts für Strahlenschutz (www.bfs.de) den neuesten Forschungsstand abrufen.