Lokales

Streit unter Nachbarn eskalierte

Ein schweigsamer 22-jähriger Mann aus Wernau sitzt auf der Anklagebank der Stuttgarter Schwurgerichtskammer. Der Mann soll am 31. Juli letzten Jahres einen Nachbarn und dessen Schwester in der Kirchheimer Straße mit mehreren Messerstichen zu töten versucht haben.

BERND S. WINCKLER

Anzeige

STUTTGART Der 22-Jährige muss sich jetzt wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung vor dem Schwurgericht verantworten.

Es geschah am frühen Morgen des 31. Juli gegen 4.15 Uhr. Mit einem Küchenmesser, Klingenlänge 20 Zentimeter, soll der 22-Jährige dem 18-jährigen Nachbarn zunächst einen Stich in die linke Brusthälfte verabreicht und dabei eine zwei Zentimeter tiefe Wunde verursacht haben. Dabei, so die Anklage weiter, habe er gerufen: "Ich bringe Dich um, jetzt bist Du dran!" Die Schwester und eine weitere Freundin des Opfers rissen den Messerstecher zurück, als er nochmals kräftig zustechen wollte und verhinderten dadurch eine mögliche weitere schwere, eventuell tödliche Verletzung. Letztlich erlitt der 18-Jährige Stich- und Schnittverletzungen im Brustbereich und am Arm, die allerdings nicht lebensgefährlicher Natur waren. Doch die Ärzte stellten später einen sehr hohen Blutverlust fest.

Auch die Schwester des Opfers bekam durch ihr Einschreiten Messerstiche ab: Eine fünf Zentimeter tiefe Stichwunde am Ellenbogen, die zudem drei Zentimeter breit, aber ebenfalls nicht lebensgefährlich war. Erst durch Warnschüsse aus einer Schreckschusspistole und Schläge mit der Waffe auf seinen Kopf konnte der 18-Jährige schließlich den Messer-Angreifer zurückdrängen, der seinerseits weiter wüste Todesdrohungen gegen alle in der Wohnung Anwesenden ausstieß: "Kommt heraus, ich stech Euch alle ab!" soll er gerufen und dabei das Messer nochmals in Richtung der Anwesenden gezückt haben. Aufforderungen, er solle das Messer wegwerfen, habe er ignoriert, sagen die Zeugen jetzt im Prozess aus. In neuer Angriffshaltung sei er auf sie zugerannt. Zu weiteren Verletzungen kam es aber nicht, weil inzwischen die alarmierte Polizei am Tatort erschien und den Angeklagten festnehmen konnte.

Mit den Vorwürfen konfrontiert, gibt der Angeklagte vor Gericht bekannt, dass er keinerlei Aussagen machen will. Auch keine Angaben zu seiner Person.

Vor der Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts werden die Juristen nun versuchen, die Alkoholspiegel aller Beteiligten damals in Wernau herauszufinden. Angeklagter wie Opfer sollen leicht angetrunken gewesen sein. Der 18-Jährige berichtete im Zeugenstand, dass ihn der Beschuldigte schon seit Monaten immer wieder verfolge und ihn mal mit Fußtritten traktiert, auch mal mit dem Messer angegriffen habe. Beleidigungen und Beschimpfungen hätten sehr oft stattgefunden. Beide Männer wohnen im selben Haus in der Kirchheimer Straße in Wernau.

Die Strafkammer in Stuttgart will insgesamt 22 Zeugen vernehmen. Dazu noch einen psychiatrischen Sachverständigen, der Angaben über die Alkoholbeeinträchtigung zur Tatzeit bei den Beteiligten und des Angeklagten machen soll. Die Verhandlung wird am Freitag fortgesetzt.