Lokales

Streitschlichten in der Psychiatrie

Wenn Psychiatriepatienten mit ihrer Behandlung nicht einverstanden sind oder Angehörige ein Anliegen haben, ist die Beschwerdestelle für die psychosoziale und gemeindepsychiatrische Versorgung im Landkreis Esslingen erster Ansprechpartner. Doch der Organisation fehlen Mitarbeiter.

Anzeige

Antje Dörr

Kreis Esslingen. Die Mutter eines jungen Mannes, der unter Angstpsychosen leidet, sorgt sich, weil ihr Sohn mit seinem Therapeuten nicht zurechtkommt. Eine Patientin glaubt, dass ihr die falschen Medikamente verabreicht werden. Der Freund einer psychisch kranken Frau beklagt, dass sie im Krisenfall an der Pforte der Klinik weggeschickt wurde. Solche Fälle sind das täglich Brot der Beschwerdestelle für die psychosoziale und gemeindepsychiatrische Versorgung im Landkreis Esslingen. Im Sozialausschuss des Kreistags legte der Sprecher der Organisation, Dr. Gert Döring, den jüngsten Arbeitsbericht vor und informierte Kreisräte und Verwaltung über aktuelle Entwicklungen.

Die Beschwerdestelle wurde 1996 eingerichtet. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter kommen hauptsächlich aus dem Psychiatriebereich, aber auch Angehörige und andere Interessierte können dort aktiv werden. Die Beschwerdestelle versteht sich als Vermittler zwischen den Anliegen von Betroffenen, Angehörigen und Geschädigten und denjenigen, die einen Anlass für eine Beschwerde ausgelöst haben.

In den Jahren 2006 bis 2008 gingen bei der Stelle 59 Beschwerden und Anfragen ein. 2009 waren es etwa 30. Die Anlässe waren unterschiedlich. Häufig ging es um Themen wie Medikation, Ausgangsregelungen oder Datenschutz beziehungsweise darum, dass Patienten gegen ihren Willen in einer Klinik untergebracht waren. Wiederholt klagten Patienten und Angehörige über die Unterbesetzung des Pflegepersonals und den Zeitmangel der Ärzte. Missstände fielen auch nach der Klinikentlassung auf. Ambulante Therapiemöglichkeiten seien schwer zu finden, heißt es im Bericht. Rehabilitationsmöglichkeiten würden durch die Sparpolitik der Ämter erschwert, niederschwellige Kontaktangebote seien außerdem oft zu wenig bekannt. Hin und wieder wurde die psychiatrische Notfallversorgung kritisiert und die Einrichtung eines Krisennotfalldienstes angelegt.

Während die Beschwerden nicht versiegen, muss die Stelle mit immer weniger Ehrenamtlichen auskommen, berichtete Gert Döring. Waren es zu Beginn 14 Mitarbeiter, ist der Stamm mittlerweile auf vier Aktive geschrumpft.

Wer sich bei der Beschwerdestelle engagieren möchte, kann sich unter der Telefonnummer 0 71 21/60 30 09 informieren.