Lokales

Strenge Regeln

Für den "Herbstausflug" hatte sich der Kirchheimer Liederkranz als Ziel den Kraichgau mit einem Besuch des Weltkulturerbes Kloster Maulbronn und für den Nachmittag die Stadt Bretten ausgesucht.

KIRCHHEIM Die erste Station "Zisterzienserkloster Maulbronn" war bald erreicht und bestach durch seine Gebäudeanordnung und Größe. Bei einer sachkundigen Führung wurde den Besuchern die Entstehung des Klosters von der Grundsteinlegung 1147 und die Gesetze des Klosterlebens geschildert. So erfuhren sie, dass es außer den Mönchen noch die Laienbrüder gab. Die Trennung zwischen den gebildeten Mönchen und den zur Arbeit bestimmten Laienbrüdern war streng. Das konnte man an der Kirche, die noch heute die evangelische Stadtkirche von Maulbronn ist, am besten erkennen. Eine regelrechte Mauer geht durch das Kirchenschiff. Hier die einfachen Laienmönche, auf der anderen Seite der Abt mit den geweihten Mönchen. Getrennte Aufgänge zu den Schlafräumen bis hin zur Grablege in der Kirche oder im Kreuzgang für die einen und einen Friedhof außerhalb für die anderen, alles war strengen Regeln unterworfen.

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Die Bewohner und Bewirtschafter des Klosters lebten nach den Regeln des heiligen Benedikt, die streng und enthaltsam waren. Ob die Regeln immer befolgt wurden, ist eine andere Sache. Nach der Säkularisation ging das Kloster in weltliche Hände über und ist bis auf den heutigen Tag ein staatliches Gymnasium mit Internat. Bekannte Namen wie Johannes Kepler, Friedrich Hölderlin und Hermann Hesse gingen aus dieser Schule hervor.

Nach so viel Gehörtem und Gesehenem war die Mittagseinkehr für die Ausflügler eine willkommene Unterbrechung und Stärkung für die nächste Station Bretten. Ein Zeitsprung von 350 Jahren eine ganz andere Welt beziehungsweise Anschauung tut sich hier auf. Als Philipp Schwarzerdt wurde Philipp Melanchthon in Bretten 1497 geboren und wuchs auch dort auf. Er studierte in Heidelberg und Tübingen, noch nicht 13 Jahre alt heute würde man sagen: "Ein Hochbegabter". Mit 21 Jahren wurde er zum Griechisch-Professor nach Wittenberg an die dortige Universität berufen. Als Weggefährte und Freund Martin Luthers war er maßgeblich an der Bibelübersetzung beteiligt.

Sein Leben und seine Arbeiten sind in zahlreichen wertvollen Originalschriftstücken, Urkunden und Bildern in dem nach ihm benannten "Melanchthon-Haus" zu sehen. Vom Fenster im oberen Stock des Gebäudes konnte man die Reste des vor einigen Tagen ganz in der Nähe abgebrannten "Heberer-Hauses" sehen. Der Gedanke an ein Übergreifen der Flammen unvorstellbar. Geschichte und Glaubensüberzeugungen in den verschiedenen Jahrhunderten waren beeindruckend für alle.

Auf der Württembergischen Weinstraße ging es zum abendlichen Ausklang nach Brackenheim-Botenheim. Nach einer kräftigen Stärkung und bei guter Stimmung verging der Abend mit Gesang und Fröhlichkeit im Nu, bevor man zufrieden die Heimreise antrat.

ml