Lokales

Streuselkuchen fürs Publikum

KIRCHHEIM In einer Zeit, da politisches Kabarett selten und eher seichte Comedy an der Tagesordnung ist, sorgte der aus Duisburg angereiste Kabarettist Uli Masuth im

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USCHI NEROLADAKIS

club bastion für einen mit politischen Seitenhieben angefüllten unterhaltsamen Abend.

Ganz aktuell waren seine Beobachtungen zum Besuch des amerikanischen Präsidenten, für den die deutsche Kanzlerfrage schon gelöst scheint, wie bei seiner Ankunft am Flughafen zu beobachten war. Auch wenn Außenminister Fischer möglicherweise nur angetreten war um Bushs Visum zu kontrollieren, könnte ihm bei der derzeitigen Affäre nicht nur der Anzug zu eng werden und Masuth stellte sich und dem Publikum die Frage, wie eigentlich Hoyzers Kroaten ins Land gekommen sind. Jedoch brachte der Skandal-Schiedsrichter nach Masuths Meinung immerhin noch eine Leistung, was für die Nebeneinkünfte mancher Bundestagsabgeordneten nicht unbedingt nachweisbar ist. Aber auch andere Leistungen werden immer weniger erbracht: Arbeitnehmer werden immer mehr zur Randgruppe, ebenso wie kinderreiche Ehepaare.

Den Titel seines Programms ,,Glaube, Hoffnung, Triebe'' hat Uli Masuth in Anlehnung eines Zitats des Apostel Paulus gestaltet, allerdings scheint seiner Meinung nach die Liebe angesichts der Tatsache, dass jede dritte Ehe geschieden wird, doch etwas abhanden gekommen zu sein. Und da ein Kabarettist ein Mensch ohne Illusionen ist, verfügt er selbst nach eigener Aussage weder über Hoffnung noch Glauben. Seinem Spieltrieb gab er jedoch an diesem Abend häufiger nach: zum einen spielte er in Sketchen einen Lehrer, der am Roten Meer abtauchen will, wie auch einen Sargträger, der die Zustände in Altersheimen anprangerte und Streuselkuchen ans Publikum verteilte, zum anderen betätigte er sich zur Entspannung und Unterhaltung des Publikums auch gerne am Klavier.

Zum Pianisten hat es ihm nach eigenen Aussagen nicht ganz gereicht, aber immerhin zum Organisten, denn Masuth ist im bürgerlichen Leben auch noch ,,bei Kirchens'' angestellt, wobei er mit bissigen Bemerkungen dieser Institution gegenüber nicht sparte und deren ,,Schnarchsäcke'' er sonntags durchaus auch mal mit unkonventioneller Kirchenmusik unterhält. Seine Demonstration von "O du fröhliche" im Tango-Rhythmus sorgte beim Publikum für überaus heitere Stimmung.

Doch blieb den Bastionsbesuchern an diesem Abend durchaus auch öfter das Lachen im Halse stecken, wenn es zum Beispiel um die Flutkatastrophe in Asien ging und die darauffolgende Spendenhysterie die Fernsehprogramme durcheinander brachte, während Altbundeskanzler Kohl gelassen seinen Urlaub fortsetzte, aber ,,jeder hilft, wie er kann.''

Auch mit den Thesen amerikanischer Politiker wie ,, Folter ist unamerikanisch'' oder ,,Gier ist gut'' konfrontierte Masuth sein Publikum und stellte dann auch konsequenterweise die Frage: Wenn im Osten die Löhne billiger sind, warum werden dann nicht endlich Manager aus Ungarn geholt?

Uli Masuth ist ein scharfer Beobachter der politischen und gesellschaftlichen Zustände und in lockerem Plauderton thematisierte er Erziehungsprobleme, Fernsehkonsum und Bachblütentherapie ebenso wie Spendenskandale und Entschädigungsfond. Natürlich kam Uli Masuth auch an der PISA-Studie nicht vorbei, denn in keinem Land wurde so viel über diese Untersuchung diskutiert wie hier zu Lande, wo Schüler den Dreisatz für eine Leichathletik-Disziplin halten, Frau Merkel die Qualität dichter Fenster zu loben weiß und sich bei Schulkindern zunehmend Altersdiabetes bemerkbar macht.

Mit einem amüsanten Diskurs über Kulturämter und Warteschleifen-Musik sowie den Flugversuchen eines südfranzösischen Murmeltiers beendete Masuth einen breit gefächerten Kabarett-Abend und da er der Meinung ist, dass die Talsohle politischer Kultur noch lange nicht erreicht ist, darf das Publikum wohl auch weiterhin zuversichtlich mit anspruchsvollem politischem Kabarett ,,Marke Masuth'' rechnen.