Lokales

Striktes Alkoholverbot in S-Bahnen und Bussen

Immer wieder fühlten sich VVS-Fahrgäste durch Partyfeiernde und leere Bierflaschen belästigt. Die Verantwortlichen reagierten jetzt auf die Klagen und verhängten ein Alkoholverbot: Seit Anfang 2008 darf in S-Bahnen und Bussen kein Alkohol getrunken werden.

ALEXANDER KAPPEN

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KIRCHHEIM "Am Wochenende sieht es im Bus aus wie auf einer Müllhalde Flaschen und Kippen überall", stöhnt Joannis Chamouratidis. Der Busfahrer lenkt regelmäßig die Nachtbuslinie N 10 von Stuttgart über Kirchheim nach Nürtingen. Immer wieder komme es vor, dass betrunkene Jugendliche Bierflaschen in den Bus mitnehmen und mit lautem Anstoßen und Gegröle andere Fahrgäste belästigen. Genau aus diesem Grund hat sich der VVS jetzt entschlossen, zu handeln und das Alkoholverbot in ihre Beförderungsrichtlinien aufzunehmen. Seit dem 1. Januar 2008 darf in den öffentlichen Verkehrsmitteln des VVS (Verkehrsverbund Stuttgart) kein Alkohol mehr getrunken werden. Dies gilt somit auch für die 13 Kirchheimer Linienbusse und betrifft Kirchheim dann auch nach der für 2009 geplanten Anbindung an die S-Bahn-Linie 1.

"Wir wollten ein Signal setzen. Viele Fahrgäste hatten sich im Vorfeld über Trinkgelage schriftlich beschwert. Dem Trend möchten wir entgegenwirken und die subjektive Sicherheit stärken", sagt VVS-Pressesprecherin Ulrike Weißinger. Man wolle zwar weiterhin am Wochenende eine Alternative zum Auto bieten, sodass man zwar in Diskos und Kneipen Alkohol trinken darf aber eben nicht in Bus und Bahn.

Kontrolleure und Sicherheitskräfte haben nun eine rechtliche Handhabe und dürfen Party feiernde Fahrgäste mit Bierdose oder Weinflasche in der Hand an der nächsten Haltestelle vor die Tür setzen. Dies freut Harald Trautmann, Stuttgarter Pressesprecher der zuständigen Bundespolizei: "Dies erleichtert sicherlich die Arbeit der Polizei. Es gab immer wieder Vorfälle, als Jugendliche in der S-Bahn mit abgeschlagenen Bierflaschen aufeinander los sind." In Kirchheim gebe es diesbezüglich zwar nur selten Auseinandersetzungen. "Der kriminelle Schwerpunkt liegt in diesem Bereich eindeutig in der Stuttgarter Innenstadt", schränkt Trautmann ein. Ganz ausschließen könne man solche Alkoholdelikte aber nie und nirgendwo, deshalb sei das Alkoholverbot ein positiver Schritt zu mehr Sicherheit.

In den Regional- und Fernzügen darf dagegen weiterhin getrunken werden. Die Bahn plane weiterhin einen Alkoholausschank in ihren Bordrestaurants. "Beschwerden von Fahrgästen sind selten", meint ein Bahnsprecher.

Das Alkoholverbot in Bahnen und Bussen ist brandneu, allerdings fehlen aber noch jegliche Hinweise darauf. "Das Verbot wurde erst in allerletzter Minute Ende Dezember aufgenommen", erklärt VVS-Sprecher Wilfried Vilz. Eine entsprechende Kampagne sei im Laufe des Frühjahrs geplant. Bis dahin werde die VVS neue Verbotsaufkleber anbringen, die auf die verschärften Beförderungsrichtlinien hinweisen, so Vilz. Neben dem Alkoholverbot sind seit dem 1. Januar auch noch ein paar andere Dinge ganz offiziell in S-Bahnen und Bussen verboten: Betteln und lautes Musikhören zum Beispiel über MP3-Player sind tabu und auch die Füße dürfen nicht mehr auf den Sitzen abgelegt werden. Ein Schritt in die richtige Richtung, ist Busfahrer Joannis Chamouratidis überzeugt: "Nur strenge Verbote helfen bei der Jugend heutzutage, da muss man hart durchgreifen."