Lokales

Stromnetz in Eigenregie

Energieversorgung Lenningen hat das Ruder übernommen – Albwerk sorgt für Know-how

Nun ist es also so weit: Lenningen betreibt sein eigenes Stromnetz. Für das nötige Fachwissen sorgt das Albwerk aus Geislingen, an diesen Energieversorger hat die Gemeinde das Netz verpachtet.

Michael Schlecht, Hubert Maier und Christian Gropp (von links) freuen sich über die Netzübernahme durch die EVL in Lenningen.Fot
Michael Schlecht, Hubert Maier und Christian Gropp (von links) freuen sich über die Netzübernahme durch die EVL in Lenningen.Foto: Jean-Luc Jacques

Lenningen. Mit dem Netzbetrieb lässt sich Geld verdienen. Von diesem Grundsatz ist nicht nur Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht überzeugt, sondern auch das Albwerk. Der Energieversorger aus Geislingen hat nach eingehenden Kalkulationen das aus seiner Sicht überschaubare „Risiko“ auf sich genommen, einen – nach jetzigem Stand der Dinge – gegen null tendierenden Verlust allein zu tragen.

Anzeige

Seit Januar ist die Energieversorgung Lenningen (EVL) Eigentümerin des Stromnetzes der gesamten Lenninger Markung. Allerdings gestaltete sich der Start etwas holprig. Nach der Intervention durch die EnBW verzögerte sich die Übergabe. „Zwei Jahre hat uns das Einschalten der Kartellbehörde gekostet. So hat das Netzentgelt, mit dem wir kalkuliert haben, der alte Eigentümer einkassiert“, bedauert Bürgermeister Michael Schlecht. Das Verfahren wurde zwischenzeitlich eingestellt. „Seit 1. Januar ist das Stromnetz Eigentum der EVL – wir schauen jetzt nach vorne“, freut er sich über die Netzübernahme.

Das Albwerk ist nun auch für die Ortsteile Ober- und Unterlenningen, Brucken, Hochwang, Schlattstall, Gutenberg und Krebsstein zuständig. In Schopfloch mit Schlatterhöhe, Diepoldsburg, Engelhof und Torfgrube ändert sich nichts, hier sorgte das Albwerk schon in der Vergangenheit für die Stromversorgung. Dank dieser Konstellation ist Michael Schlecht schon länger im Beirat des regionalen Energieversorgers. Sehr schnell stellte er Überlegungen an, mit dem Albwerk in Lenningen ein eigenes Netz zu betreiben. „Ich will, dass die Gemeinde mehr Einfluss nehmen kann, wenn aus unserer Sicht etwas nicht gut läuft. Wir als Kommune sind nun Partner auf Augenhöhe“, nennt Michael Schlecht den wesentlichen Vorteil dieser Neuerung. Dieser Gedanke war auch Auslöser für den Anbieterwechsel. „Die EnBW wurde wohl überrascht und war über dieses Ansinnen erschrocken, denn der Bürgermeister hat diesen Gedanken früh aufgenommen. Lenningen hatte die EnBW wohl nicht auf dem Schirm und deshalb auch keine Lösungskonzepte parat“, sagt Christian Gropp, Geschäftsführer der EVL. Diesen Vorwurf weist Dagmar Jordan von sich: „Wir wurden nicht kalt erwischt. Derartige Verfahren sind nichts besonderes für uns.“

Einig sind sich alle Beteiligten jedoch in einem Punkt: Sie wollen nach vorne schauen und die Vergangenheit abhaken. „Es geht um die Kunden. Entscheidend ist, was unterm Strich rauskommt – und unsere Netzentgelte sind günstiger als die der EnBW“, freut sich Michael Schlecht. „Wir geben die Beschaffungsvorteile weiter“, nennt Christian Gropp als Grund. Genau diese Möglichkeit zur Einflussnahme ist dem Schultes wichtig. „An erster Stelle steht der Bürger“, stellt er klar. So geht es bei der EVL nicht um den maximalen Gewinn, wenngleich das solide Wirtschaften nicht aus den Augen verloren wird. „Auch wir müssen Geld verdienen, einigten uns aber auf einen Kompromiss, um so einen Mehrwert für den Bürger zu bekommen“, hofft auch der Schultes auf gute Gewinne. Die sollen dann sozialen Projekten zugute kommen. „Das ist lange nicht die dümmste Idee“, sagt Michael Schlecht selbstbewusst. Ende 2016 schreibt die EVL schwarze Zahlen, so der Geschäftsführer. Dann kann der Aufsichtsrat über das erwirtschaftete Geld entscheiden.

„Die Netzübernahme ist ein großer Meilenstein. Jetzt hoffen wir, dass dieser Schritt reibungslos funktioniert“, so Christian Gropp. Er will Vertrauen und damit auch neue Kunden gewinnen. Zurzeit hat die EVL 680 Kunden, was einem Anteil von 16 Prozent entspricht. Ziel ist es, ein Drittel der Lenninger Stromkunden für die EVL zu gewinnen.

Im September begannen die ersten Baumaßnahmen zur Netzübernahme, die insgesamt Kosten von rund 600 000 Euro verursachten. „Wir haben eine 24-Stunden-Bereitschaft, und der Bereitschaftsdienst besteht aus vier Personen“, erklärt Hubert Maier, Bereichsleiter Netze beim Albwerk. Im Dezember machten sich sämtliche Mitarbeiter mit der Situation in Lenningen vertraut. „Sie schauten sich die wichtigsten Stellen vor Ort an“, so Hubert Maier.

Sollte es zu Störungen im Lenninger Netz kommen, ist das Albwerk in Geislingen unter der Telefonnummer 0 73 31/2 09-7 77 rund um die Uhr erreichbar. Weitere Informationen und direkte Ansprechstellen finden Interessierte im Internet unter www.albwerk.de.