Lokales

Studiengebühren belasten den Mittelstand

"Nicht der Geldbeutel der Eltern darf über das Studium entscheiden", fordert die SPD-Hochschulexpertin Carla Bregenzer in einer aktuellen Pressemitteilung.

KIRCHHEIM "Die Tochter oder der Sohn eines Arztes haben heute eine sechsmal höhere Chance, die Schule mit Abitur zu verlassen und damit zu studieren, als die Tochter oder der Sohn einer Frisörin", argumentiert Bregenzer. Internationale Studien belegten, dass die Chance einen Hochschulzugang zu erwerben, in keinem Land der Erde so abhängig von Bildung und Geldbeutel der Eltern sei, wie hierzulande. Das sei weder Gott gegeben noch sozial gerecht.

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Wer sich dann durch dieses Schulsystem durchgekämpft habe, der solle nach dem Willen von CDU und FDP im Land in Zukunft auch noch die Last von Studiengebühren um den Hals gehängt bekommen oder verzichten. "Studiengebühren sind ein Modell, mit dem konservative Politiker auch in Zukunft die Hochschulen vor allem den Besserverdienenden offen halten wollen", fasst die hochschulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion und Wahlkreisabgeordnete Carla Bregenzer ihre Kritik an der Begeisterung von CDU-Abgeordneten zu Studiengebühren zusammen.

Wenn der Kirchheimer CDU-Bundestagsabgeordnete wie jüngst geschehen sich dann zur Aussage versteige, durch die Bafög-Reform habe man Geld an Studierende wahllos ausgeschüttet, könne sie als Hochschulpolitikerin nur beschwörend rufen: "Schuster bleib bei deinen Leisten". Genau das Gegenteil sei der Fall. Erst durch die von Rot-Grün eingeführte Offenlegungspflicht und Nachprüfbarkeit hätten Unkorrektheiten beim Bafög aufgedeckt werden können.

Während der Kohl-Regierung sei das Bafög auf ein Minimum zurückgefahren worden. Die Zahl der Studierenden aus weniger begütertem Elternhaus sei deshalb auf unter 14 Prozent geschrumpft. Erst durch die Reform des Bafög habe sich diese Zahl wieder erhöht. Heute kämen über 21 Prozent der Studierenden wieder aus Haushalten, deren Eltern einen Hauptschulabschluss haben. "Das scheinen den CDU-Abgeordneten zu viele zu sein", kritisiert Carla Bregenzer. Angesichts der im internationalen Vergleich niedrigen Studierendenquote und des Rückgangs junger Menschen in der Gesellschaft bräuchte man aber mehr und nicht weniger Studierende.

Interessant sei auch, dass der Ruf nach Studiengebühren just in dem Augenblick laut wird, in dem immer mehr junge Frauen ein Studium aufnehmen und abschließen. "In Zukunft haben junge Paare dann doppelt Schulden, und die Frage nach Familiengründung wird noch schwerer zu beantworten sein", fasst die SDP-Abgeordnete die Auswirkungen von Studiengebühren zusammen.

Carla Bregenzer: "Wir Sozialdemokraten haben uns im Laufe des letzten Jahres die Mühe gemacht, die unterschiedlichen Studiengebührenmodelle in den verschiedenen Ländern Europas zu studieren, ihre Vor- und Nachteile abzuwägen. Dabei sind wir zu dem Fazit gekommen: Es gibt auf der ganzen Welt keine sozial gerechten Studiengebühren und nirgendwo kommen sie den Hochschulen voll zugute."

Überall aber gäbe es hoch verschuldete junge Menschen, die das Pech hatten, keine Eltern zu haben, die ihnen die Gebühren zusätzlich zu den anderen Studienkosten bezahlen konnten. Überall habe sich der Staat in dem Maß aus der Hochschulfinanzierung heraus geschlichen, in dem Gebühren eingeführt und regelmäßig erhöht wurden.

Wer gut verdienende Eltern habe, dem machten die Zusatzkosten durch Studiengebühren nicht viel aus, der zahle sie gleich. Aber der Großteil der Eltern, etwa Selbstständige, Handwerker, Facharbeiter, Geschäftsführer kleinerer, mittlerer Unternehmen oder Eltern mit mehreren studienwilligen Kindern, würden das nicht stemmen. Deren Kinder müssten Kredite aufnehmen. Diese zahlten dann je nach Zeitpunkt und Höhe eines eigenen Einkommens das Doppelte bis Zehnfache der Gebühr, die Studierende aus reichem Elternhaus bezahlten so die Erfahrungen aus Australien. In Australien bleibe der Staat auf einem Minus sitzen, weil die Menschen nach dem Studium entweder wegen geringen Einkommens nicht zurückzahlen könnten oder weil sie sich außerhalb Australiens Arbeit suchten. "Was ist daran sozial gerecht?", fragt die SPD-Landtagsabgeordnete.

Wer gebührenfrei studiert habe, wie fast alle die, die heute Studiengebühren forderten, der solle doch statt mit Forderungen an andere erst einmal mit gutem Beispiel selbst vorangehen. Das wäre glaubwürdige Politik. "Alle Hochschulen haben einen Ehemaligenverein, der Spenden in jeder Höhe gerne annimmt. Jede und jeder kann da nachlaufend die Gebühren für sein kostenfreies Studium, die er den heutigen Studierenden abverlangen will, mit Zins und Zinseszins, bezahlen. Die kommen dann auch den Hochschulen direkt zugute", schlägt Carla Bregenzer vor. Mit der SPD werde es jedenfalls keine Studiengebühren geben.

pm