Lokales

Sturmholz aus dem Wald für das große Feuer

Was in Erkenbrechtsweiler am Samstag für Zunder sorgte, lässt die Ötlinger Floriansjünger unbesorgt ans Zündeln gehen. Ihr Holzstapel fürs morgige Sonnwendfeuer ist aus reinster Tanne gebrochen und gesägt, nicht lackiert.

RICHARD UMSTADT

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KIRCHHEIM Womit die alten Kelten auf der vorderen Alb noch keine Probleme hatten, gerät für ihre industrialiserten Nachfahren im Heidengraben zunehmend zum Ärgernis. Das Sonnwendfeuer muss sich inzwischen an umweltschützerischen Aspekten ausrichten. Im Klartext: In den Holzstapel darf nur rein, was laut Altholzverordnung erlaubt ist. Also, kein lackiertes Brettle, keine teerölgetränkten Eisenbahnschwellen, aber auch kein verleimtes Holzkistle. Da fällt es nicht immer leicht, bei einem elf Meter hohen Koloss von Holzstoß die Spreu vom Weizen zu trennen.

Noch lange bevor die Erkenbrechtsweiler Floriansjünger das Kommando "Feuer, marsch!" geben konnten, setzte ein im Landkreis ansässiger Abbruchunternehmer durch seine Anzeige den Beamtenapparat in Bewegung. Er beschwerte sich beim Wirtschaftskontrolldienst, auf der Festwiese beim Hohenneuffen würde von der Konkurrenz abgegebenes Abbruchholz unerlaubt verkokelt. Daraufhin nahmen Wirtschaftskontrolldienst, Landratsamt und Gewerbeaufsichtsamt den Stapel des Anstoßes unter die Lupe. Augenscheinlich kritische Hölzer wurden vor Ort aussortiert. Anschließend stand dem Feuerspektakel nichts mehr im Wege.

Seit Jahren erhält es ebenso wie andere Sonnwendfeiern im Kreis den Segen der Umweltschutzbehörde im Landratsamt. "Wir wollen dem Brauchtum nicht im Wege stehen", betont Hans-Joachim Bosse, Pressesprecher der Kreisbehörde. Freilich wird die Immissionsschutzbehörde in Zukunft vermehrt auf die Zusammensetzung des Brandmaterials achten. "Wir schwärmen aber nicht aus und durchsuchen jeden Stoß", will Hans-Joachim Bosse die Verhältnismäßigkeit der Mittel gewahrt wissen. "Außerdem wissen die Bürgermeister, wie mit der Verordnung umzugehen ist."

Das ist auch dem Bruckener Abteilungskommandant Bernd Attinger bekannt. "Da kommt kein einziges Brettle, das lackiert ist, in den Stoß. Das wird von uns überwacht." Da das Freudenfeuer über den längsten Tag im Jahr unterhalb vom Bölle im Landschaftsschutzgebiet entflammt, muss die Umweltbehörde das offizielle Zündeln absegnen. "Diese Auflagen halten wir strikt ein und es hat auch noch nie Probleme gegeben", sagt Bernd Attinger. Ähnliches berichtet Silvia Ruoff aus Gutenberg. Seit etwa fünf Jahren stapelt der Turnverein Brennbares für das Sonnwendfeuer hinter der Sporthalle im Tiefental und noch nie gab es Beanstandungen. "Wir verwenden kein behandeltes Holz", weiß die im Vorstand vertretene Sportlerin. Das diesjährige Feuer verzehrte Abbruchmaterial einer alten Scheuer.

Markus Gärtner, Abteilungskommandant der Ötlinger Wehr, sieht unterdessen gelassen der Sonnwendfeier am Wochenende auf dem Egart beim Ötlinger Hochwasserbehälter entgegen. Sein Gewissen ist so rein wie der Holzstapel, den er entzünden wird. Was dann in Flammen aufgeht, wurde von den Floriansjüngern im letzten Winter eigenhändig im Wald in handliche Stücke zersägt und gelagert. "Das Altholz und Sturmholz hat uns Förster Rittler zugewiesen", sagt der Abteilungskommandant, der den Knochenjob zu einer Feuerwehrübung für die knapp 40 Aktiven ummünzte und den Umgang mit der Motorsäge üben ließ.

Seit rund sieben Jahren lodern bei der Sonnwendfeier auf dem Egart die Flammen hoch. Dennoch legt es Markus Gärtner nicht darauf an, mit dem Ötlinger Holzstoß andere zu toppen. "Unser Feuer muss nicht über zehn Meter hoch und ein Riesenevent sein." Viel mehr Wert legt der Kommandant auf ein gemütliches und geselliges Fest mit einem sauberen Feuer, das nicht zum Himmel stinkt.