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"Swing Time" krönt die Karriere der Big Band

Als Walter Pech, Musiklehrer am Kirchheimer Ludwig-Uhland-Gymnasium, vor 18 Jahren die Big Band gründete, ahnte er nicht, welche "Karriere" seine Schulband einmal machen würde. Nach zahlreichen Auftritten und Konzertreisen hat die Gruppe jetzt auch eine CD aufgenommen: "Swing Time" lautet der Titel der Scheibe, die am LUG verkauft wird.

KIRCHHEIM Ohne Proben kein Erfolg: Deshalb versammelt Walter Pech jeden Montag von 12.45 Uhr bis 14 Uhr etwa 40 Schülerinnen und Schüler im Musiksaal des LUG zur Big-Band-AG. Normalerweise werden pro Probe ein bis zwei neue Titel einstudiert und in den darauffolgenden Wochen wiederholt. Das Repertoire erstreckt sich von Jazz über Latin und Funk bis hin zu Rock. Die Band setzt sich aus einem breiten Leistungsspektrum zusammen, von Anfängern bis hin zu Preisträgern von "Jugend musiziert" dürfen alle Schüler mitspielen.

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Die Band ist in verschiedene Sections eingeteilt: Die Rhythmusgruppe, bestehend aus Klavier, E-Gitarre, E-Bass und Schlagzeug, bildet den Grundstein. Zur Bläsergruppe zählen Trompeten, Posaunen und Saxofone. Nur durch konzentriertes Proben und vollständiges Erscheinen ist es möglich, die Qualität der Band auf einem möglichst hohen Niveau zu halten. Jedoch müssen jedes Jahr einige Abstriche gemacht werden: durch den Weggang der Abiturienten nach den Sommerferien verliert die Band oftmals ihre Leistungsträger. Sie muss demnach jedes Schuljahr neu aufgebaut werden.

Das bedeutet dieses Jahr eine besondere Herausforderung: Die komplette Rhythmusgruppe ist zerfallen. Jetzt hofft die Big Band, dieses Problem durch einige Neuzugänge zu kompensieren. Doch die Zeit ist knapp bemessen. Spätestens bis zum März nächsten Jahres muss wieder eine komplett spielfähige Big Band stehen: Dann steht nämlich die Konzertreise nach England an. Die Fahrt der LUG Big Band nach England und der im Jahr darauf stattfindende Rückbesuch der High School Band aus Up Holland (Lancashire) ist zu einer etablierten Abwechslung des Schulalltags geworden.

Doch nicht nur in England werden Konzerte gegeben: die Big Band tritt auch bei schulinternen Veranstaltungen wie Abiball, Lehrerverabschiedungen und Einschulung der Fünftklässler genauso auf wie schon bei Mitgliederversammlungen der Raiffeisenbank in Weilheim und Owen, dem Neujahrsempfang 2004 und öffentlichen Konzerten, etwa im Kunsthöfle der Volksbank.

Parallel zur Big Band entstanden weitere, kleinere Bands unter Walter Pechs Leitung. Ein Großteil der Spieler ist oder war ebenfalls in der Big Band aktiv. Die Brassband des LUG eine reine Blechbläsergruppe löste sich jedoch zwangsläufig auf, da einige Mitglieder nach dem Abitur die Schule verließen. Die Combo, die Dixieland und Funk im Programm hat, existiert in der Besetzung mit zwei Trompeten, einer Posaune, zwei Klarinetten, einem Saxofon, Klavier, Gitarre, E-Bass und Schlagzeug seit einem Jahr. Sie kann ebenso wie die Big Band als kleinere musikalische Untermalung problemlos engagiert werden. Combo und Brass-Band sind ebenfalls auf der CD zu hören.

Wie wohl jede Band hatten die Schüler der LUG-Band schon lange von einer eigenen CD geträumt. Im Laufe der Zeit entstanden verschiedene Aufnahmen, die den Schülern qualitativ nicht genügten. Es war klar: Eine richtig professionelle CD sollte aufgenommen werden.

Dafür wollten die Schüler weder Zeit noch Mühen scheuen und Walter Pech zögerte nicht lange, sondern organisierte ein Tonstudio und einen Ort, an dem es genug Platz für die gesamte Band und Technik sowie eine ausreichend gute Akustik gab: So kam es, dass die Big Band ein Wochenende im Kirchheimer Bohnauhaus verbrachte, um dort das lang ersehnte Projekt mithilfe der "Moonshine Records", Joachim Skielos Unternehmen, und Tobias Fischer zu verwirklichen.

Klar war, dass diese zwei Tage mehr Konzentration erfordern würden als eine normale Big Band-Probe. Wie viel Stress und Geduld dazu aber nötig waren, wurde vielen erst in den Wochen davor bewusst. So standen zum Beispiel Sonderproben auf dem Programm, denn an dem Wochenende sollte nichts mehr geübt werden, alle Stücke des umfangreichen Repertoires mussten fehlerfrei spielbar sein. Deswegen übten die Schüler schwierige Passagen auch fleißig daheim schließlich wollte niemand in einer Generalpause ein "ungewolltes Solo" spielen und damit die Aufnahme verpatzen.

Nachem die Combo am Freitag mit dem Aufbau und Proben angefangen hatte, trafen die 50 Schüler am Samstagmorgen um 8 Uhr im Bohnauhaus ein, packten ihre Instrumente aus und machten sich für zehn Stunden konzentriertes Spielen bereit. Die Band musste die Stücke erst einmal proben, dann zusammen aufnehmen, und zwar so oft wie nötig, um eine möglichst große Auswahl sehr guter Aufnahmen zu ermöglichen. Das heißt also, dass die Stücke immer gemeinsam aufgenommen wurden, anstatt jede Stimme einzeln spielen zu lassen, um sie am Ende alle zusammenzumischen. Dabei durften keinerlei Nebengeräusche entstehen, die ein noch so gut gespieltes Stück zerstören konnten.

Nach dem Schlusston wurde entschieden, ob ein weiterer Versuch nötig sei oder ob die Band zum nächsten Titel übergehen sollte. Häufig war ersteres der Fall, da ein Schüler eine Wiederholung übersehen hatte, eine Stimme den Einsatz vergaß oder ganz einfach deswegen, weil alle wussten, dass es auch besser ging. Auf diese Weise spielte sich die LUG-Band durch das ganze für die CD vorgesehene Programm, das Walter Pech mit seinen Schülern zusammengestellt hatte.

In insgesamt 20 Stücken, deren breites Spektrum von Rock über Jazz bis zu Latin reicht, präsentierte die Band mit guter Zusammenarbeit und hervorragenden Solisten ihr Können. Höhepunkte sind zum Beispiel "Beyond the Sea" von Timo Mischler, dem "Robbie Williams" der Big Band gesungen oder der "Basin Street Blues". Diese Soli wurden nur teilweise gleichzeitig aufgenommen und später einzeln eingespielt und in die Gesamtaufnahmen gemischt. Sehr viel Arbeit wurde auch in das Booklet investiert. Corinna Slany und Johannes Schott entwarfen in Zusammenarbeit mit Joachim Skielo das Cover.

Obwohl Walter Pech mit dem neuen Schuljahr und der anstehenden Konzertreise nach England ein komplett neues Repertoire auf die Beine stellt, werden manche Stücke von "Swing time", wie zum Beispiel "Happy Together" von Bonner und Gordon oder "New York, New York" von Kander weiterhin gespielt und aufgeführt. Sie gehören zu den absoluten Big Band-Lieblingsstücken.

Die große CD-Präsentation kam dann pünktlich zum Schuljahresende: Beim Abiball, dem letzten Konzert mit den letztjährigen Abiturienten, verkauften die Schüler die ersten Exemplare von "Swing time" an ehemalige Schüler und Eltern. Verkauft wurde die CD zudem während der ersten Wochen des neuen Schuljahres an viele Schüler.

Die CD ist als eine Art Visitenkarte gedacht, die die Band vor Konzerten oder in England als Andenken verkauft. Außerdem soll die CD dabei helfen, die Konzertreise im März für 40 Schüler des LUG zu finanzieren. Daher plant die Band nach Weihnachten einen Verkauf mit Glühwein, Kuchen und CDs auf dem Kirchheimer Marktplatz. Interessierte können die CD zudem im Ludwig-Uhland-Gymnasium bei Walter Pech erwerben.

A. Dittinger, C. Slany, C. Haberstroh