Lokales

Synergieeffekte nicht erkennbar

Sehr zufrieden mit der Entwicklung der Volkshochschule zeigten sich die Mitglieder des Kirchheimer Gemeinderats in ihrer jüngsten Sitzung. Einstimmig sprachen sie sich dafür aus, den Sperrvermerk über 32 000 Euro für das laufende Jahr freizugeben. Bei sechs Gegenstimmen votierten sie mehrheitlich auch dafür, einen Barzuschuss für das kommende Jahr in Höhe von 180 000 Euro festzuschreiben.

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Im Rahmen der Haushaltsberatungen 2005 hatte das Ratsgremium beschlossen, 32 000 Euro des insgesamt 180 000 Euro umfassenden Barzuschusses an die Volkshochschule mit einem Sperrvermerk zu versehen. Nach einem Bericht der Volkshochschule über ihre angestellten Bemühungen zur Haushaltskonsolidierung und vor allem auch über Kooperationsbemühungen mit der Kirchheimer Familienbildungsstätte sollte neu über das weitere Vorgehen beraten werden.

In intensiven ergebnisoffenen Gesprächen waren die Beteiligten nun zu dem Ergebnis gekommen, dass Hoffnungen auf große Synergieeffekte durch eine engere Zusammenarbeit kaum eingelöst werden können. Im Kursangebot gibt es schon jetzt sehr wenige Überschneidungen, was vor allem mit den starken Unterschieden der jeweils von der Volkshochschule und von der Familienbildungsstätte angesprochenen spezifischen Zielgruppen zusammenhängt.

Dennoch soll es künftig noch weitergehende Kooperationen etwa beim Ferienprogramm geben. Weitere Synergieeffekte können sich aus einem Zusammenlegen der Volkshochschule und Familienbildungsstätte nicht ergeben. Festgestellt wurde, dass beide Verwaltungen schon jetzt mit einem äußerst knapp bemessenen Personalschlüssel arbeiten. Darüber hinaus würde bei der Familienbildungsstätte bei Aufgabe der Eigenständigkeit Geldgeber wie der Landkreis und die Kirchen wegfallen.

Die Verwaltung sieht aus diesen Überlegungen heraus keine Alternative zu dem nun zunächst für das kommende Jahr gewährten Barzuschuss für die Volkshochschule.

Hingewiesen wird in der Sitzungsvorlage auch darauf, dass auf Kurse, die auch von anderen Anbietern durchgeführt werden, dennoch nicht verzichtet werden kann, da sie nicht defizitär sind, sondern vielmehr dazu beitragen, andere Angebote mitzufinanzieren. Durch ein Streichen solcher möglicherweise von der Familienbildungsstätte und der Volkshochshchule parallel angebotenen Kurse würde sich daher der Zuschussbedarf noch erhöhen.

Für die SPD-Fraktion bestätigte Stadtrat Andreas Kenner dem ehemaligen Fraktionskollegen Ludwig Kirchner, die verfahrene Situation bereinigt und dafür gesorgt zu haben, dass die finanzielle Förderung auf einer soliden Basis steht. Er warnte dringend davor, die Zahl der Kurse zu reduzieren, da die Volkshochschule schließlich nicht nur ein wichtiger Marketingfaktor ist, sondern auch eine Bildungseinrichtung mit einem sehr guten Ruf.

Dass die gestellte Aufgabe gut erfüllt wurde, bestätigte auch Stadtrat Michael Holz für die Grüne Alternative. Auch er zeigte sich von der Zukunftsfähigkeit der Einrichtung überzeugt uind sprach sich dafür aus, das Engagement auch wegen der Außenwirkung der Einrichtung entsprechend zu unterstützen.

CDU-Stadträtin Melanie Kübler äußerte sich ebenfalls überzeugt von den Konsolidierungsbemühungen und davon, dass die Balance zwischen Wirtschaftsbetrieb und Bildungseinrichtung gelingt.

Dass der finanzielle Sinkflug gestoppt werden konnte, stellte Ralf Gerber erleichtert für die Freien Wähler fest und forderte dazu auf, weiter am Ball zu bleiben. Dass Familienbildungsstätte und Volkshochschule erhalten bleiben sollen stehe fest. Seiner Meinung nach führt an einer Fusion aber kein Weg vorbei. Aus Gründen der Gleichbehandlung sprach er sich aber dagegen aus, schon jetzt Zuschüsse für das kommende Jahr zu verteilen.

Mit der Festlegung schon vor den Haushaltsberatungen konnte sich Bernhard Most (FDP / KiBü) durchaus einverstanden erklären, doch warnte er davor, dass die Bezuschussung zum Automatismus werde. Auch er lobte die geleistete Arbeit und freute sich besonders darüber, dass die Kirchheimer Volkshochschule mit einem Deckungsgrad von über 75 Prozent auf einem Spitzenrang liegt.

Auch Dr. Silvia Oberhauser bestätigte für die Frauenliste, dass die Voraussetzungen für ein Aufheben des Sperrvermerks vorliegen. Eine Kooperation sei aber etwas anderes als eine Zwangsfusion.

Bevor sich die Gremiumsmitglieder einstimmig für das Aufheben des Sperrvermerks aussprachen und bei sechs Gegenstimmen auch mehrheitlich für die Festschreibung des Barzuschusses für das kommende Jahr votierten, betonte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker, dass eine Fusion derzeit nicht vorstellbar wäre, da damit die Familienbildungsstätte bestraft würde, doch zeigte sie sich abschließend überzeugt: "Wir sind auf dem richtigen Weg".