Lokales

Szenen einer Ehe

Die vielfachen Appelle an das Brautpaar, doch noch eine Vernunftehe einzugehen, oder zumindest deren Chance von unabhängigen "Familienberatern" beurteilen zu lassen, fruchteten bisher nicht.

RICHARD UMSTADT

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Die Braut zickt und der Bräutigam seinerseits beharrt auf seiner Haltung, zuerst müsse sich die Braut bewegen, damit er ihr in die Augen blicken könne. Er habe sich ja schon bewegt. "Genau", sagt die Braut, "Du hast ohne mein Einverständnis in Kirchheim den teuren Herzkathetermessplatz gebaut." "Und Du, Du hast Dir gar einen zweiten geleistet, obwohl Du genau wusstest, dass ich notwendigerweise auch einen brauche," kontert der Bräutigam. "Und Du bist fremdgegangen und hast in Ruit einen weiteren Herzkatheter für Dich arbeiten lassen", gibt die Braut zurück. "Außerdem stehe ich im zentralen Rampenlicht und nicht Du, und trotzdem tust Du so. Das find ich gemein."

Zugegeben, dieser Dialog ist etwas überspitzt und pointiert, orientierte sich aber am aktuellen Klinikstreit, dessen ernster Hintergrund nicht übersehen werden darf. Gesundheitsreform und Einsparungen im Krankenhausbereich zwingen die Klinikbetreiber, wirtschaftlich zu arbeiten. Aus diesem Grunde haben sich Krankenhäuser im Lande zu Verbünden und Holdings zusammengeschlossen. Mit Erfolg, denn dadurch konnte eine qualifizierte Versorgung der Patienten sichergestellt und auch den Gesundheitskassen Rechnung getragen werden.

Ein solcher Verbund könnte auch im Landkreis erfolgreich arbeiten, würde zum Beispiel die Stadt Esslingen ihre Haltung aufgeben und den Baubeschluss der Strahlentherapie aussetzen, damit endlich das gemeinsame unabhängige Gutachten in Auftrag gegeben werden kann. Was spricht denn wirklich gegen einen Klinikverbund Mittlerer Neckar, in dem die vier Kreiskliniken und das Städtische Klinikum Esslingen aufgehen und der wirtschaftlich gesund arbeiten könnte? Es müsste doch nach dem besagten Gutachten zur Krankenhauslandschaft im Landkreis möglich sein, die einzelnen Häuser so zu strukturieren, dass sie dann erst recht schwarze Zahlen schreiben und zum Wohle der Patienten arbeiten.

Natürlich ist dazu guter Wille und die Einsicht von allen Seiten gefordert, dass es in Zukunft nicht mehr um die Pole-Position eines einzelnen Klinikums geht, sondern um das Ganze. Warum also nicht um den Klinikverbund Mittlerer Neckar?