Lokales

Szenen eines leidenschaftlichen Lebens

Janne Wagler erinnerte im Kirchheimer club bastion an die Bildhauerin Camille Claudel

Kirchheim. Lange Zeit saß die Frau schweigend auf der kleinen Bühne des Bastionskellers. Schließlich ließ

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USCHI NEROLADAKIS

Camille Claudel, von Beruf Bildhauerin, die wichtigsten Szenen ihres Lebens an sich vorüberziehen.

Die große Nähe zwischen Publikum und Künstlern ist charakteristisch für Veranstaltungen im Kirchheimer club bastion. Bei diesem Theaterabend war Camille Claudel den Zuschauern tatsächlich zum Greifen nah und dennoch zugeich auch der Welt entrückt. Janne Wagler spielte die Gefährtin von Auguste Rodin mit großer Intensität und starker Präsenz.

Man konnte den Ehrgeiz des begabten jungen Mädchens spüren, das der Welt sein künstlerisches Talent beweisen will und dem vor allem der Bruder Paul Modell sitzen muss. Sie darf eine Kunstschule besuchen und teilt sich mit anderen jungen Künstlerinnen ein Atelier. Ihr sehnlichster Wunsch ist jedoch ein eigenes Atelier, in dem sie ohne Geldsorgen ihre Arbeiten ausführen kann.

Die Begegnung mit Auguste Rodin ist ihr Schicksal. Sie ist seine Schülerin und seine Geliebte, auf keinen Fall will sie aber nur sein Modell sein. Als er eine Ausstellung mit seinen Werken macht, die jedoch zum Teil von ihr geschaffen wurden, macht ihr das zunächst nichts aus. Doch allmählich werden aus ihrer Liebe und ihrem Vertrauen Enttäuschung und Bitterkeit.

Das Publikum beobachtete fast atemlos die Veränderungen der Camille Claudel. Im Brautkleid und mit Rosenblättern bestreut hofft sie, dass Auguste Rodin sie heiraten wird, doch als er ihren Heiratsantrag ablehnt, wird aus der strahlenden jungen Braut eine zornige, hasserfüllte Frau. Nur weil sie ihn so sehr liebte, konnte sie sich alles von ihm gefallen lassen, doch nun erscheint Camille Claudel zermürbt und verzweifelt.

Sie erkennt, dass er ihr mehr genommen als gegeben hat. Die Schauspielerin Janne Wagler spielte intensiv und ihre beeindruckende Konzentration, mit der sie im Verlauf des Abends auch eine Tonbüste schuf, zog die Zuschauer in den Bann. Dieser Tonfigur riss Camille Claudel in ihrem emotionalen Zusammenbruch das Herz heraus und zerstörte sie schließlich ganz – ein Symbol für ihre eigene Lebenswirklichkeit.

Camille Claudel wurde nach dem Tod ihres Vaters von ihrer Mutter und ihrem Bruder in eine Irrenanstalt eingewiesen, sie vereinsamte und litt unter der Stille und dem Scheitern ihres so hoffnungsvoll begonnenen Lebens. Sie fühlte sich wie gefangen im Stein, den sie früher so geliebt und zu künstlerischem Ausdruck verholfen hatte. Mehr als dreißig Jahre musste sie so verbringen, ohne dass sie noch mit Ton oder Marmor arbeiten konnte. Ausdrucksstark gestaltete die Schauspielerin Janne Wagler die Szenen eines tragischen Schicksals zu einem berührenden Theaterabend.