Lokales

Täter fühlte sich verfolgt

Der 24-Jährige, der in Wernau mit einem Küchenmesser seinen 56-jährigen Vater lebensgefährlich verletzte, ist vom Stuttgarter Landgericht in eine geschlossene psychiatrische Anstalt eingewiesen worden. Wegen eines psychischen Wahns ist er nur bedingt schuldfähig, aber für die Allgemeinheit gefährlich, so die Richter. Die 30 Monate Haft wegen Körperverletzung verbüsst er in der Anstalt.

BERND S. WINCKLER

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Eigentlich lautete der Vorwurf gegen den Sohn auf ein versuchtes Tötungsdelikt. Da er aber unmittelbar nach der Tat eine Art Einsehen an den Tag legte und dem schwer verletzten Vater sofort einen Notarzt rief, wodurch dieser gerettet werden konnte, fand ein "strafbefreiender Rücktritt vom versuchten Totschlag" statt. Geblieben war rechtlich eine gefährliche Körperverletzung.

Und dies hatte der Angeklagte allerdings im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit begangen, da er an einer "paranoiden psychischen Erkrankung" leidet. Diese Krankheit artete in einen Wahn aus, bei dem der 24-Jährige davon ausging, dass man ihm einmal bei der Verabreichung einer Rauschgiftspritze heimlich eine Miniatur-Kamera in den Körper transferierte. Dadurch habe sein Vater nun im Internet den Sohn ständig überwachen können.

Die Folge sei, dass der Vater ihn habe umbringen lassen wollen. Dazu gehöre auch das Bereitlegen einer Zigarettenschachtel, auf der in großen Buchstaben stand: "Rauchen kann tödlich sein."

Die Körperverletzung sühnte das Gericht mit zweieinhalb Jahren Haft, ordnete aber gleich die Unterbringung in der Psychiatrie an. Den Messerstich in den Hals des Opfers bestritt der junge Mann vor der Stuttgarter Schwurgerichtskammer nicht. Bevor er zustach, habe er noch zum Vater gesagt: "Vater, ich töte dich jetzt." Auslöser war ein Streit um Geld, welches der Sohn für eine USA-Reise vom Vater haben wollte. Die bis zu 20 Zentimeter langen Stich- und Schnittwunden konnten im Krankenhaus genäht werden. Verletzt wurde nur eine der wichtigen Halsvenen. Einen weiten Stich erlitt der 56-jährige Mann zudem an der Hand.