Lokales

Täter in Psychiatrie eingewiesen

Das Stuttgarter Landgericht schickt einen 32-jährigen berufslosen Mann aus Oberensingen per Urteil in die geschlossene Psychiatrie, weil er im psychisch krankhaften Zustand seine eigene Mutter niederschlug, ihr drohte, mit einer Schere die Augen und Ohren abzuschneiden und sie um Bargeld und Scheckkarte beraubte. Der Mann ist in diesem Zustand eine Gefahr für die Allgemeinheit.

NÜRTINGEN Bereits im Kindergarten schlug er sich mit Gleichaltrigen, wie er vor der 17. Großen Strafkammer berichtete. Mit zehn Jahren dann sein erster Suizidversuch. Er warf sich damals mit dem Kopf voraus in eine Sandgrube. Nach dem Hauptschulabschluss will er Kletterprofi werden. Der Vater wirft ihn aber hinaus, weil der Junge sich weigerte, eine Gärtnerlehre anzutreten. Mit Jobs hält er sich dann über Wasser, wohnt in einem Wohnwagen, den ihm die Mutter kauft und verbringt doch zwei Winter in der Nähe einer Nürtinger Kirche. Dabei wird er von der Mutter mit Essen versorgt.

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Schon in frühen Jahren machte sich bei ihm eine psychische Krankheit bemerkbar. Er sei nie in der Lage gewesen, zu Arbeiten, sagt er den Richtern. Er halte die Belastung einfach nicht aus, was ihm sehr kritische Bemerkungen der Juristen einbringt. Mit 22 Jahren heiratet er, zwei Jahre später die Scheidung. Beim Zivildienst fliegt er wegen der psychischen Auffälligkeiten raus, unternimmt Reisen nach Italien und Norwegen, landet dort in psychiatrischen Anstalten. In Genua wird er festgenommen, nachdem er auf offener Straße Passanten angepöbelt hatte.

Man setzt ihn dort unter starke Medikamente "Ich verlor dabei alles Zeitgefühl", kommentiert er dies jetzt vor Gericht. Wieder zurück in Nürtingen beantragt er bei verschiedenen Ämtern, in eine stationäre Behandlung zu kommen. Als ihm die Prozedur zu kompliziert wird, wirft er einen bestückten Blumentopf auf den Schreibtisch der Sachbearbeiterin und landet dann wieder in der Psychiatrie: "Erst wenn man ausrastet, kommt man schnell ins Krankenhaus", sagt er jetzt hierzu.

Und ausgerastet sei er an jenem 1. Dezember letzten Jahres, als er aus Norddeutschland die Mutter in Nürtingen anruft und um finanzielle Hilfe für die Heimfahrt bittet. Die 65-Jährige verweigert diese Hilfe zum ersten Mal, schickt ihm nur eine Fahrkarte. Dann kommt er wutentbrannt und krankheitshalber wieder mal erregt zurück nach Nürtingen und habe sie nur auf den Boden geschubst, wie er sagt. Mit einer Schere habe er gedroht, sie aber nicht berührt. Danach haben er und die Mutter Beruhigungstabletten eingenommen und beide schliefen ein. Er selbst wurde später von der Polizei geweckt und festgenommen. Ja, er sei ausgerastet, weil die Mutter ihm in seinem ganzen bisherigen Leben immer beigestanden habe, jetzt aber plötzlich die Hilfe verweigerte. Dies könne er nicht verstehen.

Der Sachverständige meint, dass der Angeklagte in seinem psychischen Krankheitszustand zwar rechtlich nicht schuldfähig ist, aber immer wieder Gewalttaten verüben könnte und damit eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle. Statt Haft gibt es hierzu nur die eine juristische Möglichkeit: Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus, was das Gericht auch verfügt.

wic