Lokales

Täter vom Gericht noch nicht befragt

Wegen versuchten Totschlags an seiner ehemaligen 17-jährigen Freundin und wegen anderer Gewaltdelikte muss sich seit gestern ein 17-jähriger russischer Spätaussiedler aus Kirchheim vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten. Unter anderem soll der junge Mann im April dieses Jahres seine Freundin in Kirchheim so sehr misshandelt haben, dass das Mädchen bewusstlos wurde. Diese ist inzwischen verstorben.

KIRCHHEIM Ein mitangeklagter 19-Jähriger aus dem Kasachstan soll bei anderen Schlägereien im Januar und im Mai in Kirchheim mit von der Partie gewesen sein. Doch die Richter der 4. Großen Strafkammer des Landgerichts Stuttgart werden sich in dem Verfahren in erster Linie um den versuchten Totschlag-Vorwurf gegen den 17-Jährigen kümmern müssen. Er soll am Abend des 21. April auf einem Spielplatz beim Übergangswohnheim mit seiner Ex-Freundin Streit bekommen haben, in dessen Verlauf er ihr zuerst Fausthiebe auf den Kopf versetzte. Infolge der Schläge ging das Opfer zu Boden und soll von dem Angeklagten mit Fußtritten misshandelt worden sein, deren Tod billigend in Kauf nehmend. Die Bewusstlose kam zunächst ins Krankenhaus Kirchheim, wurde später jedoch ins Stuttgarter Katharinenhospital gebracht. Dort musste ein Blutgerinnsel im Kopf operiert werden. Überraschend verstarb das Mädchen am 24. Oktober, wobei noch nicht klar ist, ob ihr Tod ursächlich mit der dem Angeklagten vorgeworfenen Tat in Verbindung gebracht werden kann. Die Staatsanwaltschaft hat den Vorfall somit zunächst als einen "versuchten Totschlag" eingestuft.

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Doch dies soll nicht das einzige Vergehen des jungen Mannes sein: Laut der Anklage habe er auch mitgewirkt, als eine Gruppe junger Männer darunter der jetzt neben ihm sitzender 19-Jährige in der Nacht zum 26. Mai dieses Jahres in Ötlingen einen 39-jährigen Mann niedergeschlagen und um dessen Geldbörse mit 20 Euro beraubt hatte. Hierzu lautet die Anklage noch neben gefährlicher Körperverletzung auf ein Verbrechen des "gemeinschaftlichen Raubes." In dem Verfahren geht es auch um eine Schlägerei in der Nacht zum 30. Januar dieses Jahres vor dem Kirchheimer Jugendzentrum "Linde", bei dem ebenfalls ein Unbeteiligter durch einen Faustschlag auf die Nase eine Fraktur erlitt. Diesen Faustschlag hat am gestrigen ersten Verhandlungstag bereits der 19-jährige zweite Angeklagte vor den Richtern eingeräumt. Der Beschuldigte, dessen Haftbefehl außer Vollzug gesetzt wurde, wird daher zu dieser Sache mit einer zur Bewährung aussetzbaren Jugendstrafe glimpflich davon kommen, wobei der Hauptangeklagte, der erst seit kurzer Zeit in der Bundesrepublik ist, mit einer weitaus höheren Strafe zu rechnen hat, wenn die Vorwürfe erwiesen sind.

Sollte die 17-Jährige an den Folgen der Schläge verstorben sein, die ihr laut Anklage der Beschuldigte zugefügt hat, dann könnte die Staatsanwaltschaft die Anklage abändern auf ein Verbrechen des vollendeten Totschlags. Hierfür könnte er zu der Höchststrafe von zehn Jahren verurteilt werden. Dazu allerdings wollen ihn die Richter erst am 22. November vernehmen.

wic