Lokales

"Tak, tak, tak" in der Kirchheimer Linde

Eine Premiere in der Jugendarbeit gibt es im September: Das Kirchheimer Jugendhaus Linde wird zum ersten Mal das gesamte Programm für die jugendliche Besuchergruppe aus Polen organisieren. Dabei stehen menschliche Begegnungen im Vordergrund des Programms.

KIRCHHEIM Vor fast 40 Jahren reiste zum ersten Mal eine Delegation des Kreisjugendrings, an ihrer Spitze Wolfgang Drexler, nach Polen, um Kontakte mit einem polnischen Jugendverband herzustellen. Was sich heute wenig aufregend liest, war damals eine sehr spektakuläre Sache, beinahe eine politische Sensation. Nachdem sich der Jugendaustausch mit den westlichen Nachbarländern, vor allem mit Frankreich, Italien, England und Skandinavien etabliert hatte, kam es dem damaligen Vorstand der Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände darauf an, die Kooperationen auch mit Polen zu erweitern. Das gelang auch auf beispiellose Weise. Die erste Studienreise nach Polen konnte im Jahre 1967 durchgeführt werden und von da an rissen die Kontakte auch nie mehr ab.

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Waren es anfangs noch Praktikanten und Seminare, kam später ein vielfältiger kultureller Austausch zustande. 1980 gipfelten die beiderseitigen Bemühungen in den "Polnischen Tagen": 34 Veranstaltungen in acht Tagen, verteilt über den gesamten Landkreis, konnten damals auf die Beine gestellt werden.

Dass das seinerzeit nicht zur Freude aller geschah, wurde durch zwei Bombenanschläge in erschreckender Weise deutlich gemacht. Rechtsex-tremisten legten einen Sprengsatz im Landratsamt und eine an die Wohnung des damaligen Landrats Dr. Hans Peter Braun. Zum Glück wurde niemand verletzt.

Diese Tat konnte den überragenden Erfolg der Veranstaltungen nicht verhindern. Nach dem Fall der Grenzen intensivierte der Kreisjugendring vor allem den Kontakt mit der polnischen Stadt Pruskow. Seit zehn Jahren restaurieren dort deutsche und polnische Berufsschüler zusammen einen jüdischen Friedhof. In jedem Jahr findet immer eine Rückbegegnung im Landkreis Esslingen statt.

Im kommenden September wird es eine absolute Premiere geben. Das Jugendhaus Linde in Kirchheim wird zum ersten Mal das gesamte Programm für die Besuchergruppe organisieren und durchführen. Auf der Liste stehen zum Beispiel ein Stadtspiel, Erlebnisbad in Ulm, Aufenthalt am Bodensee, eine Höhlentour, verschiedene Stadtrundgänge und vieles andere mehr. Selbstverständlich ist auch ein offizieller Empfang bei der Stadtverwaltung vorgesehen. Nicht zuletzt sollen die Besuche an den Berufsschulen in Nürtingen und Esslingen die Kontakte und Freundschaften festigen, die beim Besuch im Mai in Polen entstanden sind.

Dafür strengen sich hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit dem Ziel an, vor allem Begegnungen zu ermöglichen. Für den KJR ist allemal klar, dass auch bei Jugendlichen gerade über den polnischen Nachbarn noch jede Menge Vorurteile abzubauen sind.

Für nächstes Jahr, wenn der Kontakt 40-jähriges Jubiläum feiern wird, möchte der Kreisjugendring zusammen mit der Linde noch einen Schritt weiter gehen. Dann werden in Kirchheim Gastfamilien für junge Polen gesucht, weil vor allem die Unterbringung in deutschen Familien dem Austausch sehr förderlich ist. Damit würde in der langen Geschichte des deutsch-polnischen Jugendaustausches durchaus wieder ein neues Kapitel aufgeschlagen werden. Auch ein Jugendhaus kann sich einmal von einer völlig anderen Seite zeigen. "Tak" heißt übrigens "ja".

tb