Lokales

Talabfahrt auf Teufel komm raus

Für drei mutige Alpinisten war's mal wieder so weit: Das 65. Inferno-Rennen rief. Die halsbrecherische Abfahrt im Berner Oberland endete nicht für alle mit einem Happyend.

MÜRREN "Ich bin das Inferno, der längste Abfahrtslauf der Welt. Sie sagen, keine Strecke sei so erbarmungslos und teuflisch wie ich. Und sie haben recht. Um mich zu bezwingen, brauchst du einen Pakt mit dem Teufel oder die absolute Kontrolle, musst um jeden Zentimeter kämpfen und schneller fahren als deine Angst . . . Hau di runter." So steht's beim Inferno-Rennen im Berner Oberland geschrieben und so mörderisch ist das Rennen auch: Wer oben steht und nachdenkt, kommt nie ins Tal.

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Doch wer die 15,8 Kilometer lange Strecke befährt und ankommt, darf sich als Sieger fühlen. Es ist kein Rennen für Angsthasen. Einst jagte hier James Bond im Schatten von Eiger, Mönch und Jungfrau "im Auftrag ihrer Majestät" nach den Zerstörern dieser Welt. Heute stürzen sich, auf der Suche nach dem besonderen Kick und der Gier nach Gefahr, die verrücktesten Amateur-Abfahrer den Hang hinunter.

Wie jene aus dem Lindachtal. Ununterbrochen seit dem Jahre 1992 macht sich eine Renngemeinschaft auf, um dem Teufel die Stirn zu bieten und sich mit der internationalen Konkurrenz aus über 20 Nationen zu messen. Für die Kombinierer begann bereits mittwochs mit einem Sprint-Langlauf der Wettkampf. Drei Mal galt es für die 380 Läufer, das Dorf Mürren zu durchqueren. Bernd Holl präsentierte sich topfit und erreichte einen ausgezeichneten 24. Rang. Pech hatte Michael Fauser: Am Ende einer gefährlichen Abfahrt teilte er das Schicksal vieler weiterer Läufer und stürzte in der spektakulären Kurvenausfahrt. Trotz des Zeitverlustes reichte es am Ende noch zu Platz 25. Reiner Dosch platzierte sich als 54. Einen Tag später, beim Riesentorlauf auf der Mürrener FIS-Strecke, trug sich Bernd Holl als 35. in die Siegerliste ein, Michael Fauser und Reiner Dosch landeten auf den Plätzen 59 und 62.

Viele Stürze im NebelEs folgte der Freitag nun, am Tag vor der Abfahrt, war die Anspannung der Schirgler aus dem Lindachtal noch größer, und die Toilettengänge häuften sich. Dann Samstag früh das Frühstück fiel recht spärlich aus. Um 8.45 Uhr starten die ersten Läufer die sogenannten Sternchenfahrer. Um 9 Uhr wird das Rennen unterbrochen es gibt zu viele Stürze im Nebel, und am Schilthorngipfel so manch besorgtes Gesicht zu sehen. Mehrfach wird jetzt die Startzeit verschoben. Endlich geht es weiter es ist 9.45 Uhr. Als erster aus dem Lindachtal muss Bernd Holl ran. Er stürzt sich aus dem Starthäuschen und wird am Ende 53. Kurze Zeit später folgen Reiner Dosch und Thomas Nußbaumer. Sie platzieren sich als 106. und 113. ebenfalls noch im vorderen Bereich des Läuferfeldes. Nur Michael "Quax" Fauser kann das Rennen nicht beenden. Nach schwerem Sturz mit einem Ski- und Bindungsbruch muss er aufgeben.

In der Kombinationswertung landete Reiner Dosch schließlich auf dem 48. und Bernd Holl auf dem 26. Rang. Zum Abschluss der Woche trafen sich die Rennläufer dann noch zum legendären Infernoball in der Mürrener Sporthalle. Hier bekamen sie ausgelassene Stimmung bei original Schweizer Guggenmusik geboten zu Recht: Wer den Teufel besiegt, hat eine Belohnung verdient.

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