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"Tandem" die etwas andere Art zu helfen

"Tandem" ist eines der drei Projekte, die von der Teckboten-Weihnachtsaktion unterstützt werden. Die Kirchheimer Paulinenpflege will darin Jugendlichen einen "Tandem-Partner" an die Seite stellen, der ihnen die Integration in Jugendgruppen, Vereine oder die Arbeitswelt erleichtert.

ANJA WEISSINGER

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KIRCHHEIM Kinder und Jugendliche, die in der Paulinenpflege be

O:STERN.TI_treut werden, haben im Alltag immer wieder mit Situationen zu kämpfen, die für "normal" entwickelte junge Menschen keine große Schwierigkeit darstellen. Neben Problemen im schulischen Bereich haben sie oft keinen Rückhalt durch Freundschaften oder ein funktionierendes Familienleben häufig fehlen die Menschen, die sie auf ihrem Weg zur Selbstständigkeit begleiten und unterstützen sollten. Sie ziehen sich zurück, gehen nicht mehr auf andere zu und haben dann auch Schwierigkeiten, neue Kontakte zu knüpfen, sich einen Freundeskreis aufzubauen oder sich Jugendgruppen anzuschließen.

Das Projekt "Tandem" setzt an diesem Integrationsproblem an und versucht der drohenen Isolation entgegenzuwirken. Das Mitarbeiter-Team will sozial engagierte Menschen finden, die den Jugendlichen der Paulinenpflege auf ganz individuelle Weise Wegbegleiter sein sollen.

"Die Idee der Integration ist eigentlich schon uralt", sagt Manfred Sigel, Gesamtleiter der Stiftung Paulinenpflege: In der Vergangenheit seien Versuche, Einzelne in Gruppen außerhalb der Paulinenpflege einzubinden, jedoch oft gescheitert. "Sie können sich nicht so leicht integrieren und haben Schwierigkeiten, sich an soziale Regeln und Gruppenabläufe zu halten", berichtet er. Doch gerade diese Einbindung ins alltägliche Leben ist wichtig auf dem Weg zur Selbstständigkeit.

"Tandem" sieht vor, die Integrationslast in Zukunft von den Schultern der Jugendlichen zu nehmen, denn "das Interesse soll auch von außen kommen", wünscht sich Manfred Sigel. Das Projekt will Menschen gewinnen, die sich für die Probleme der Jugendlichen interessieren und auf sie zugehen. In welchem Bereich sich eine solche Bezugsperson dann engagieren will, bleibt ihr selbst überlassen.

Freizeitbegleitung wird im Teilprojekt "Komm mit" angestrebt. Die Jugendlichen der Paulinenpflege leben oft in einer völlig eigenen Welt, abgegrenzt von "normalen" Jugendlichen. "Komm mit" sucht für junge Menschen "Tandem-Partner", die sie einfach mal ins Kino, Freibad oder auf eine Feier mitnehmen.

Im zweiten Teilprojekt "Mach mit" werden gezielt soziale Gruppen angesprochen: Sportvereine, Jugendfeuerwehren oder auch kirchliche Einrichtungen. Nach vorheriger Abstimmung nimmt ein Mitglied der Gruppe Kontakt zu einem Jugendlichen aus der Paulinenpflege auf, lässt ihn an den Gruppenaktivitäten teilhaben, und begleitet ihn auch außerhalb der Gruppe.

"Schaff mit" ist das dritte Standbein des Projekts: Obwohl die Schüler in der Janusz-Korczak-Schule der Paulinenpflege mit wöchentlichen Praxistagen auf die nachschulische Phase vorbereitet werden, ist es für sie äußerst schwierig, sich auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zurechtzufinden. Auch im Arbeitsalltag soll ihnen deshalb ein "Tandem-Partner" an die Seite gestellt werden. Die Berufserfahrungen der Jugendlichen der Paulinenpflege sind oft negativ und von Misserfolgen durchzogen. Der Tandem-Partner soll in der Arbeitswelt deshalb Verständnis zeigen und als eine Art Mentor fungieren, der sich mit möglichen Problemen auseinandersetzt und bei dem es nicht nur auf "funktionieren müssen" ankommt.

Diejenigen, die einen Jugendlichen der Paulinenpflege begleiten wollen, sind aber nicht auf sich allein gestellt. Die Paten stehen in regelmäßigem Kontakt mit den Fachkräften der Paulinenpflege. Auch durch Vorträge, Gruppenabende und Fortbildungen werden die Tandem-Partner bei ihrer Mentoren-Tätigkeit betreut und unterstützt.

Die Pisa-Studie, aus der hervorgeht, dass der Zugang zu Bildung für sozial Schwächere schwieriger ist, stimmt Manfred Sigel bedenklich: "Dieser Abgrenzung müssen wir entgegenwirken", betont er. Mit "neuen Wegen" dem "Tandem-Projekt" sollen die Schützlinge der Paulinenpflege lernen, sich im "normalen" Leben zurechtzufindem. Das Projekt stellt ihnen eine Bezugsperson zur Seite, die sie nicht gleich im Stich lässt, wenn sie einmal an einer Sache scheitern sollten. Bei allen drei Teilprojekten ist es deshalb wichtig, gemeinsam auch "Täler zu durchwandern", findet Manfred Sigel.

Die Tandem-Partnerschaft muss allerdings auf Gegenseitigkeit beruhen. Sozial engagierte Menschen, die als Tandem-Partner einem jungen Menschen helfen wollen, sich in verschiedene Lebensbereiche zu integrieren, müssen Spaß an der Sache haben. "Wir fahren nicht auf der Mitleidsschiene", betont Margret Huber, die das neue Projekt fachlich begleiten wird.

"Tandem-Partner" sollen Erfüllung und Anerkennung finden, denn "es muss eine ehrliche Sache sein". Beim "Tandem-Projekt" soll den Betroffenen weder im Freizeit- oder Arbeitsbereich irgendetwas vorgeschrieben werden, noch sollen sie zwanghaft in soziale Gruppen integriert werden. Sigel betont, es sei wichtig, "an den Interessen der Jugendlichen anzusetzen". Hier gilt es diese zu erkennen und sie in den verschiedenen Bereichen umzusetzen, denn "es geht nicht um Kontrolle, sondern um Kontakt". Den Jugendlichen soll mit dem Projekt auch ein Stück Normalität gegeben werden.

Mit Hilfe der Spendengelder der Teckboten-Weihnachtsaktion wird der Projektstart im neuen Jahr möglich sein. "Die Arbeit mit Randgruppen wird immer schwieriger", bedauert Manfred Sigel. Deshalb freut er sich umso mehr, dass so viele Teckboten-Leser bereit sind, das Projekt mit ihrer Spende zu unterstützen: "Für unser Projekt kann man aber nicht nur Geld, sondern auch Zeit und Engagement spenden", denn es soll kein Strohfeuer sein, sondern ein Qualitätsmerkmal der pädagogischen Arbeit in der Paulinenpflege. Ansprechpartnerin für das Projekt ist Margret Huber. Interessierte erreichen sie in der Paulinenpflege unter der Telefonnummer 0 70 21 / 50 08 70.