Lokales

T-Com will finanziellen Beitrag der Gemeinde

Zahlreiche Betriebe in Schlierbach bräuchten dringend einen T-DSL-Anschluss und sehen im Fehlen dieser Technik einen Standortnachteil. Doch noch sind zu wenig Anmeldungen aus der Bürgerschaft eingegangen, damit die Telekom aktiv wird.

BORIS-MARC MÜNCH

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SCHLIERBACH "Ich brauche T-DSL ganz dringend", sagt Gerald Reinert, der mit Autoteilen und Zubehör handelt sowie Chip-Tuning anbietet. Er sei den ganzen Tag online und müsse viele E-Mails versenden. Da könne er keine Wählverbindung gebrauchen.

Aus der schieren Not heraus besorgte sich Reinert daher das so genannte "DSL Symmetrisch": Damit können Daten mit gleich großer Geschwindigkeit aus dem Netz herunter geladen und wieder ins Netz versendet werden. Reinert bearbeitet mit dieser Technik seine eigene Internetseite und kann so neue Daten hoch laden. Der Spaß kostet jedoch ganz schön viel Geld: 99 Euro zahlt Reinert im Monat. Das Angebot ist zudem begrenzt auf zwei Gigabyte. Überschreitet Reinert diese Kapazität, zahlt er drauf.

Es gibt in Schlierbach noch weitere kleinere und mittelständische Unternehmen, die nicht nur hohe Datenmengen empfangen, sondern auch versenden wollen und das High Speed Internet gerne hätten. Klaus Buchele, der Landmaschinen verkauft und repariert, bestellt seine Ersatzteile übers Internet. Wenn er um 16 Uhr noch schnell eine Bestellung aufgeben muss, vergeht mit der normalen Internetverbindung zu viel Zeit, bis er sich beim Hersteller eingeloggt hat, während die Bestellzeit schon wieder abläuft. Beim Herunterladen von umfangreichen Ersatzteilpreislisten und anderen Verzeichnissen steht er vor dem gleichen Problem: "Das dauert ewig". Die Nicht-Verfügbarkeit von T-DSL sei ein Standortnachteil in Schlierbach.

Seit Frühjahr 2004 befindet sich diesbezüglich die Verwaltung in einem intensiven Kontakt mit der Telekom. Bekanntlich liegt Schlierbach zu weit vom nächsten Knoten der Telekom entfernt, sodass die vorhandenen Impulse bei den wenigsten Anschlüssen in Schlierbach für eine annähernde DSL-Geschwindigkeit ausreichen. Letzter Stand im Frühjahr 2005 war die Mitteilung der T-Com, man würde den Anschluss herstellen, wenn sich die Gemeinde mit einer sechsstelligen Summe an der Finanzierung beteilige. "Dies ist für die Kommune schon aus finanziellen Gründen nicht akzeptabel," erklärt Bürgermeister Paul Schmid auf Nachfrage. Viele Schlierbacher haben daraufhin frustriert den Anbieter gewechselt, allerdings mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen, da nur für wenige Gebäude die technischen Voraussetzungen für einen DSL-Anschluss vorliegen. Konkret müssten rund 360 DSL-Anschlüsse gesichert werden. Bis jetzt interessieren sich aber nur 180 Bürger für diese Technik.

Bürgermeister Schmid hegt inzwischen Zweifel, ob die Telekom wirklich so eine hohe Summe investieren muss. "Ich kenne den Knotenpunkt," sagt der Schultes. In der Nähe liefen Glas- und Kupferkabel in den Ort hinein, die Telekom müsse nur wenige Meter aufgraben. Die hauptsächlichen Kosten entstünden durch das Aufstellen von drei Schaltkästen.

Obwohl die Telekommunikation keine unmittelbare Aufgabe der Gemeinde ist, sieht die Gemeinde mit den fehlenden DSL-Leitungen ebenfalls erhebliche Standortnachteile. So sind Heimarbeitsplätze nur unter erschwerten Bedingungen möglich und in der Zukunft werde das Datenmaterial noch deutlich ansteigen und bei den vorhandenen Leitungsgeschwindigkeiten ist das Internet dann nicht mehr vernünftig nutzbar. Dieser Umstand könnte sich sogar auf die Immobilienpreise auswirken. "Wir wollen das Thema noch einmal an den Telekom-Vorstand heran tragen", so Paul Schmid.