Lokales

Team und Fans im Schulterschluss

Zum letzten Auswärtsspiel der Aufstiegsrunde in die zweite Bundesliga fahren die Knights am Sonntag zusammen mit ihren Fans. Abfahrt des Weissinger-Busses ist um 12.30 Uhr an der Sporthalle Stadtmitte.

KIRCHHEIM Sportlich war die Aufstiegsrunde bisher ein Flop: drei Spiele, drei Niederlagen, wobei die dritte in Mainz ob ihrer Deutlichkeit (70:87) besonders deprimierend war. Das Besondere an diesem Basketball-Klub ist aber, dass offensichtlich ein riesiges Maß an Frustrationstoleranz in ihm steckt. Denn obwohl die Chancen auf den ersten Platz, der allein den Aufstieg garantiert, bei null liegen, lassen sich die Spieler weiter keineswegs hängen und die Fans auch nicht.

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Das Angebot des Teams wurde beim Training am Dienstag endgültig in trockene Tücher gebracht: Die Mannschaft bezahlt nicht nur einen Teil der Kosten für den Bus ins über 300 Kilometer entfernte Treis-Karden, sie fährt in diesem Bus auch selbst mit. Diese Nachricht, schon am Montag per Internet auf www.kirchheim-knights.de kommuniziert, elektrisierte die Fangemeinde entsprechend, der Bus, der am Sonntag pünktlich um 12.30 Uhr von der Sporthalle Stadtmitte abfährt, wird voll werden. Mit ein Grund dafür war auch die Heimfahrt aus Mainz am Sonntag, als von Trübsal trotz der Schlappe nichts zu spüren war. Die Anhänger der Knights, allen voran der Fanklub Squires, machen sich inzwischen selbst zum Ereignis.

Sportlich will das Team nun endlich den ersten Sieg einfahren. Im Training wurde die Intensität von Coach Pasko Tomic bewusst herunter gefahren, denn die Müdigkeit nach der harten Saison spielte zuletzt doch eine entscheidende Rolle. Am Mittwoch wurde sogar richtig entspannt, das Team traf sich im Thermalbad in Beuren und ließ einmal so richtig die Seele baumeln. Nicht dabei war allerdings James Hayden, dessen Hüftprobleme ihm schwer zu schaffen machen, und Jorgo Tsouknidis, der auf eine Prüfung lernen musste. Auf den griechischen Flügelspieler kommt wohl eine deutlich größere Aufgabe als bisher zu, denn der Einsatz von Tomi Martinovic ist eher unwahrscheinlich. Sein Bruch des kleinen Fingers ist zwar bei weitem nicht so dramatisch wie der bei Chuks Neboh, doch die Chance, dass er noch einmal in dieser Aufstiegsrunde aufläuft, sind doch eher gering.

"Wir wissen alle, dass man nicht mehr Pech haben kann", fasste Pasko Tomic die Einschätzung des Teams zusammen. Bisher wurde dieses Pech, das sich ja nicht nur in den Ausfällen von Spielern, sondern auch bei den ersten zwei knappen Niederlagen auswirkte, noch nicht als Entschuldigung benutzt. Objektiv lässt sich jedoch schon fest halten, dass die Verletzungsseuche noch kein VfL-Team in der bald 50-jährigen Geschichte so dauerhaft im Würgegriff hatte, wie dieses.

Ob es in dieser Aufstiegsrunde trotzdem noch einen Sieg gibt? Gegner Treis-Karden will dies natürlich nicht zulassen. Zwei Auswärtssiege und eine Heimniederlage war bisher die Ausbeute. Das Team um Routinier Josip Bosnjak und die doch recht große Fangemeinde (in Treis-Karden kommen regelmäßig über 500 Zuschauer) schnuppert weiter am Aufstieg. In Rastatt gelang der Sieg sogar ohne den Anführer, der den Strapazen mit einer Rückenverletzung Tribut zollen musste. Nach acht Tagen Pause dürfte er am Sonntag aber wieder rechtzeitig fit sein. Ihn und den Amerikaner Mansah Taylor besser in den Griff zu kriegen, das haben sich die Knights fest vorgenommen. Noch einmal will man sich nicht 52 Punkte von den beiden einschenken lassen. Taylor liegt mit 21,7 Punkten pro Spiel übrigens auf Platz zwei der Korbjägerliste der Runde hinter Knights-Scharfschütze Kai-Uwe Kranz (23,3).

Ganz wichtig wird auch, wie man Colin Stein kontrolliert: Das Sprungwunder hat bisher regelmäßig in jedem Spiel 18 Punkte markiert (Platz vier) und ist für die eher kleine Centerriege des VfL womöglich wieder das Hauptproblem. Die Devise für die Busreise wurde übrigens auch schon ausgegeben: kontrollierte Stimmung auf dem Hinweg, um die Mannschaft nicht zu stören dafür null Kontrolle auf dem Heimweg. Es könnte ein 300 Kilometer langes Fest geben ein Erfolgserlebnis vorausgesetzt.

mad