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Teck-Athleten präsentieren sich als Macht im Glaspalast

Gelungener Saisonauftakt für die Kirchheimer Leichtathleten unter dem Hallendach: Bei den baden-württembergischen Hallenmeisterschaften in Sindelfingen hatten die Sprinter von der Teck allen Grund zum Strahlen. Ann-Kathrin Fischer, Katja Holder, Stephanie Lichtl, Tobias Unger, Lukas Erdmann sowie die 4 x 200-Meter-Staffel des VfL Kirchheim sicherten sich insgesamt sieben Titel.

STEFFEN ROMETSCH

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SINDELFINGEN Noch in der Woche vor den Landesmeisterschaften war Tobias Unger in seinem neuen Eigenheim die Heizung ausgefallen. "Nachts um elf", stöhnte er, um sogleich einzugestehen: "Weil ich dran rumgespielt habe." Ein freundlicher und technisch versierter Nachbar verhalf der Heizanlage wieder auf die Sprünge und Deutschlands Leichtathlet des Jahres zu einer warmen Wohnung. Ein Tobias Unger auf Betriebstemperatur verteidigte am Wochenende im Sindelfinger Glaspalast erwartungsgemäß seine beiden Titel über 60 und 200 Meter. Nach mühelosen 6,83 Sekunden im Vorlauf siegte der für das LAZ Salamander Kornwestheim/Ludwigsburg startende Kirchheimer im Finale über 60 Meter mit einer Zeit von 6,72 Sekunden vor seinem Freund und Tübinger Studienkollegen Marius Broening (6,78 Sekunden). Damit war Unger um sechs Hundertstelsekunden schneller als noch vor einer Woche beim Saisoneinstieg in Mannheim.

"Ich wollte eigentlich unter 6,70 laufen", bilanzierte er nach seinem Sieg. "Es ist kein überragendes Ergebnis, aber auch mit dieser Zeit kann ich zufrieden sein."Auch über seine Paradestrecke ließ Unger tags darauf nichts anbrennen und sicherte sich in 21,07 Sekunden den Titel über 200 Meter vor den beiden Sindelfinger Lokalmatadoren Tim Assenheimer (22,13) und Steffen Sattelmaier (22,15). Trainer Micky Corucle war denn auch vollauf zufrieden mit seinem Schützling. "Wir haben in diesem Winter bisher drei Wochen weniger trainiert. Im letzten Jahr ist Tobias hier 6,66 gelaufen, jetzt 6,72 angesichts des Trainingsrückstandes liegen wir voll im Plan", sagte Corucle, der nach der Hallensaison einen weiteren deutschen Top-Sprinter unter seine Fittiche nehmen wird. Marius Broening (LAV asics Tübingen) wird nach den deutschen Hallen-Meisterschaften in Karlsruhe Ende Februar in die Trainingsgruppe um den Hallen-Europameister Unger wechseln.

Broenings bisheriger Trainer Markus Fendt zieht zum 1. März aus beruflichen Gründen nach Basel. "Ich bin von Micky Corucles Qualitäten überzeugt und verstehe mich auch mit Tobias sehr gut", nennt Marius Broening Gründe für seine Entscheidung. Der 22 Jahre alte WM-Teilnehmer über 4 x 100 Meter hat bisher eine Bestleistung von 10,30 Sekunden zu Buche stehen. "Ich brenne darauf, dass das neue Training anschlägt und ich bald unter dieser Zeit laufen kann", sagt der Student an der Uni Tübingen.

Gute Nerven zeigte Ungers Team- und Trainingskamerad Lukas Erdmann. Der Hürdensprinter aus Weilheim unterbot gleich zwei Mal seine persönliche Bestzeit. Mit 7,96 Sekunden zog er als Vorlaufschnellster ins Finale ein, wo er sich jedoch zunächst einen Fehlstart leistete. Trotz des erhöhten Drucks kam er gut aus den Blöcken und blieb im Ziel mit 7,97 Sekunden hauchdünn vor dem Vizeeuropameister der Junioren im Zehnkampf, Arthur Abele, aus Ulm (8,00 Sekunden). Bestens in Form präsentierte sich auch Stephanie Lichtl nach ihrem Wechsel von der TG Nürtingen zum LAZ Salamander Kornwestheim/Ludwigsburg. Bei ihrem ersten Meisterschaftsstart im neuen Trikot holte sich die 20-Jährige auf Anhieb den Titel über 60 Meter Hürden. Dank eines starken Finishs hatte sie im Ziel mit 8,23 Sekunden knapp die Nase vor Tina Klein (VfL Sindelfingen/8,26).

Doch nicht nur die "alten Hasen" ließen bei den Landesmeisterschaften aufhorchen. Auch auf den Nachwuchs von der Teck war Verlass. Allen voran auf die VfL-Sprinterinnen, die auch ohne Anja Wackershauser, die mit einer Lungenentzündung das Bett hüten musste, die Konkurrenz klar beherrschten. Nach zwei verkorksten Jahren, in denen sie Verletzungen immer wieder zurückwarfen, ist Ann-Kathrin Fischer endlich auf dem Weg nach oben. "Das war der erste Winter seit langem, in dem ich wieder richtig durchtrainieren konnte, ohne Krankheiten und Verletzungen", freute sich die Nachwuchsprinterin.

Der Lohn ließ nicht lange auf sich warten: In neuer persönlicher Bestzeit von 7,59 Sekunden sicherte sich die 18-Jährige den Titel über die 60 Meter. Letzte Gewissheit brachte allerdings erst das Zielfoto, auf dem die für den VfL Kirchheim startende Sprinterin aus Möckmühl vor Nadine Hildebrand (LAZ Kornwestheim/7,60) die Linie überquerte. Zur Belohnung gab es neben Medaille und Urkunde auch noch ein Küsschen von Trainingspartner Tobias Unger. Mit einem Titel in der Tasche konnte Fischer tags darauf getrost auf einen Start über 200 Meter zu Gunsten der Staffel verzichten. Stattdessen sprangen ihre beiden Vereinskameradinnen in die Bresche und machten das Finale unter sich aus: Mit 25,33 Sekunden siegte Katja Holder am Ende souverän vor ihrer VfL-Kollegin Valerie Hess, die in 25,54 Sekunden Zweite wurde.

Angesichts dieser geballten Sprintkraft schien der Sieg des Kirchheimer Quartetts in der 4 x 200-Meter-Staffel nur noch reine Formsache zu sein. So galt das Hauptaugenmerk der Nachwuchsläuferinnen neben einer guten Zeit vor allem sicheren Wechseln. Dies demonstrierten die VfL-Schützlinge einmal mehr perfekt. Mit 1:42,93 Minuten hatten Ann-Kathrin Fischer, Katja Holder, Melanie Föll und Valerie Hess am Ende mehr als eineinhalb Sekunden Vorsprung auf die zweitplatzierte MTG Mannheim (1:44, 32 Minuten) und krönten damit das gute Abschneiden der Kirchheimer Starter.