Lokales

Teilweise war totaler Stillstand angesagt

Über Nacht haben sich die Diskussionen schnell erledigt: Kommt noch ein Winter oder gibt es keinen mehr. Sozusagen mit geballter Faust hat er zugeschlagen und am gestrigen Morgen für ein Chaos auf den Straßen gesorgt. Berufspendler kamen zu spät an ihren Arbeitsplatz. Auf den Straßen im Kreis und vor allem auch auf den Autobahnen lief nahezu nichts mehr Stillstand war angesagt.

RUDOLF STÄBLER

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KREIS ESSLINGEN Über übervolle Salzlager wurde in den letzten Wochen berichtet, über Bauhofarbeiter, die Bäume schnitten und über Kommunen, die keine winterdienstlich bedingten Überstunden bezahlen mussten. Über Nacht hat sich alles ganz schnell geändert und wieder einmal ist das "Schneechaos" eingetroffen. Fast jeder hatte damit gerechnet und trotzdem kam es auch diesmal teilweise wieder zum Zusammenbruch des Verkehrs. Polizei, Feuerwehr, DRK und das Technische Hilfswerk rückten mit Mann und Maus aus um zu helfen, standen doch vor allem auf den Autobahnen zahlreiche Menschen stundenlang im Stau. Warme Decken, heißer Tee und manchmal auch Benzin waren gefragt, denn ohne den nötigen Sprit an Bord läuft auch die beste Heizung nicht mehr.

"Die Autobahnmeistereien sind mit allen verfügbaren Geräten und dem gesamten verfügbaren Personal pausenlos im Einsatz, um die Autobahnen vom Schnee zu räumen", teilte Regierungspräsident Dr. Udo Andriof anlässlich der chaotischen Verhältnisse auf den Autobahnen des Regierungsbezirks mit.

Die anhaltenden Schneefälle führten in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch sowie in den Vormittagsstunden des gestrigen Tages zu kilometerlangen Staus auf den Autobahnen des Regierungsbezirks Stuttgart. Insbesondere auf der A 8 zwischen Stuttgarter Kreuz und Heimsheim kam der Verkehr vollständig zum Erliegen. Die Autobahnmeistereien im Regierungsbezirk sind seit Dienstagabend mit 40 Streufahrzeugen ständig im Einsatz. Allerdings machte es der feststeckende Verkehr unmöglich, die Fahrbahn zu räumen. Wegen fehlender Gassen für die Räumfahrzeuge und querstehender Lastwagen sowie liegen gebliebener Fahrzeuge war ein Durchkommen kaum möglich. So wurde versucht, die festsitzenden Streufahrzeuge durch Abbau von Schutzplanken aus den Staus zu befreien. Um die Situation auf den Autobahnen zu entspannen, wurde für alle Lastwagen über 7,5 Tonnen ein Fahrverbot angeordnet. Zahlreiche Autobahnauffahrten sind für Lkw gesperrt worden. Hierdurch sollte erreicht werden, dass die Räumfahrzeuge der Autobahnmeistereien schneller die Fahrbahnen räumen können.

Um weiterhelfen zu können, wurden die Autobahnmeistereien durch Räumfahrzeuge des THW und der Feuerwehr unterstützt. Dies war insbesondere erforderlich, da ein Fahrzeug der Autobahnmeisterei Kirchheim wegen technischen Schadens ausfiel. Der Appell der Polizei an die Verkehrsteilnehmer war, für diese Fahrzeuge eine Gasse in der Mitte der Fahrbahn freizuhalten, damit die Räumfahrzeuge durchkommen.

Laut einer ersten Zusammenfassung der Polizeidirektion Esslingen kam es auch im Landkreis zu erheblichen Behinderungen, kilometerlangen Staus und auch zu einigen Verkehrsunfällen. Besonders auf den stark frequentierten Bundesstraßen kam es zu Staus und teilweise stehendem Verkehr. Die Polizei im Landkreis hat von Dienstagabend bis Mittwochnachmittag insgesamt 44 Verkehrsunfälle mit einem Sachschaden von rund 153 000 Euro aufgenommen. Glücklicherweise blieb es in fast allen Fällen bei Blechschäden. Lediglich bei einem Unfall hatte ein Autofahrer leichte Verletzungen erlitten. Am frühen Mittwochmorgen musste die Kreisstraße 1217 zwischen der Landesstraße 1192 und Kemnat wegen Schnee- und Eisglätte voll gesperrt werden. Auch die Beurener Steige musste wegen quer stehender Fahrzeuge kurzfristig dicht gemacht werden. Im morgendlichen Berufsverkehr kam es nach Angaben der LPD Esslingen überall zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Insbesondere auf den Bundesstraßen 10 und 27 hatten sich Staus mit einer Länge von bis zu 15 Kilometer gebildet.

Die Polizei im Kreis Göppingen und das Autobahnpolizeirevier Mühlhausen sind am Mittwoch zwischen 0 und 12 Uhr zu insgesamt 31 witterungsbedingten Verkehrsunfällen gerufen worden. Dabei ist Sachschaden von rund 95 000 Euro entstanden. Bis zum Mittag kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen auf den Straßen im gesamten Landkreis Göppingen. Insbesondere an den Steilstrecken blieben viele Fahrzeuge auf den schneeglatten Straßen stecken, obwohl sie mit Winterreifen unterwegs waren. Insgesamt hatten mangelhafte Winterausrüstung und "ungeeignete Bereifung" der Fahrzeuge eher keine Schuld an den vielen Staus. Auf der A8 musste ein Lastwagenfahrer aus Griechenland abgeschleppt werden. Er hatte völlig ungeeignete Bereifung aufgezogen. Jetzt muss er die happigen Bergungskosten an die Abschleppfirma bezahlen. Schlimm sah es zunächst gegen 1 Uhr auf der A8 am Aichelberg und Albaufstieg aus. 15 Lastwagen kamen nicht mehr weiter, stellten sich quer und blockierten die Autobahn. Einzelne Trucker stellten ihre Gespanne einfach auf den Standstreifen und legten sich schlafen.

Probleme hatten auch die Busfahrer im Bereich. "Wir sind halt gefahren", erzählt ein Unternehmer, mit einem geregelten Fahrplan hatte das allerdings nichts zu tun. "Wir wären durchgekommen, aber die Pkws . . .", so sein Stoßseufzer.

Auschwitz-Reise verschobenVom Schneechaos beeinträchtigt war auch eine 30-köpfige Reisegruppe der beiden allgemeinbildenden Gymnasien Kirchheims: Um den Holocaust-Gedenktag am Samstag, 27. Januar, in Auschwitz begehen zu können, wollten sie gestern Morgen nach Krakau fliegen. Aber nachdem sie sich in Privatautos auf unterschiedlichsten Straßen durch den Schnee bis zum Stuttgarter Flughafen durchgeschlagen hatten, mussten sie nach stundenlangem Warten wieder die Heimfahrt antreten dieses Mal im Zug. Der Flug war abgesagt worden. Als neuer Reisetermin für die 25 Schülerinnen und Schüler des Ludwig-Uhland- und des Schlossgymnasiums sowie die fünf Begleitpersonen ist nun der morgige Freitag vorgesehen.

Fotos: Sascha Baumann, Oskar Eyb, Jean-Luc Jacques