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Terminstress zwingt zu Abschied vom Schuldienst

Seit 17 Jahren übt sich Christa Vossschulte im terminlichen und auch wenn sie es dementiert manchmal auch inhaltlichen Spagat zwischen Politik und Klassenzimmer. Zum 1. Februar wird sich die CDU-Landtagsabgeordnete und Landtagsvizepräsidentin nur noch der Politik widmen.

CLAUDIA BITZER

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ESSLINGEN Zum 1. Februar beendet die Leiterin des Esslinger Theodor-Heuss-Gymnasiums (THG) ihre Schulkarriere. 1989 rückte sie für Martin Herzog in den Landtag nach. Im gleichen Jahr wurde sie Schulleiterin am THG. In ein paar Tagen, exakt am 23. Juni, feiert Christa Vossschulte ihren 62. Geburtstag.

Noch vor der Landtagswahl im Frühjahr war vom Abschied aus dem Rektorat keine Rede. Im Gegenteil. Die von manchen kritisch beäugte Personalunion von CDU-Landespolitikerin und Schulleiterin, zugleich auch noch der geschäftsführenden Chefin aller Esslinger Gymnasien, hat Vossschulte immer positiv zu vermarkten gesucht auch noch im Wahlkampf vor rund drei Monaten.

Wenn sie jetzt doch im Winter dem Theodor-Heuss-Gymnasium Servus sagt, beruht das nicht zuletzt auf der Erkenntnis, dass die Jahre auch an ihr nicht ganz unbemerkt vorübergezogen sind. "Mir wird das jetzt alles ein bisschen viel", will sie sich nicht länger dem Terminstress aussetzen. Doch: "Ich gebe nur die Schule ab." Mitentscheidend für den jetzt offenbar gewordenen Zeitpunkt dürfte sein, dass ihre bewährte Stellvertreterin Felicitas Müller das THG verlässt und zwar bereits zum Ende dieses Schuljahres. Um die Schulleitung nicht übergangslos den Nachfolgern zu präsentieren, wird Vossschulte noch ein halbes Jahr länger in Oberesslingen anzutreffen sein als ihre Konrektorin. Dass auch inhaltlich etwa mit den Themen Ganztagesbetreuung oder Evaluation langwierige Aufgaben auf die Schule zurollen, sieht sie als weitere Gründe für die Zäsur. Nicht, dass sie sich "aus der Verantwortung stehlen" wolle, doch der oder die Nachfolger(in) müsse die Chance zur Neugestaltung haben.

"Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge", sagt die Germanistin und Anglistin. Jetzt erhofft sie sich neben ihrer Landtagsarbeit "ein bisschen mehr Zeit für mich". Dass das THG nach langen Zeiten des Darbens ausgerechnet im Jahr der G-8-Diskussionen und ihrer exponierten Position als Fürsprecherin des verordneten Turbotempos zum Abi in der Elterngunst so zugelegt hat, freut sie selbstredend. Kein schlechter Zeitpunkt, um zu gehen findet sie.