Lokales

Teuflische Taufprozedur

Zahlreiche Hästräger und eine große Menge närrischen Volkes verfolgte am Dreikönigstag auf dem Kirchheimer Marktplatz die sechste Narrentaufe der "Kloster-Deifel". Der Fasnets-Auftakt der Kirchheimer Narrenzunft bildete gleichzeitig den Start ins Jubiläumsjahr. Die "Deifel" werden heuer elf Jahre alt.

RICHARD UMSTADT

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KIRCHHEIM Elf ist die magische Zahl der Narren, und dieses Jahr ist für die insgesamt 87 "Kloster-Deifel" ein Elfer-Jahr: Offiziell begann die Fasnet am 11. 11., die Kirchheimer Zunft wird heuer elf Jahre alt und elf Gastzünfte feierten ausgelassen den Start in die "fünfte Jahreszeit" auf dem Marktplatz der Teckstadt mit.

Doch nicht nur sie, auch Petrus muss ein Narr sein, denn er vermieste weder durch Schnee noch Regen die Fasnetsstimmung. So konnte die 1996 gegründete Zunft der "Kloster-Deifel" pünktlich zum Beginn der schwäbisch-alemannischen Fasnet zur Narrentaufe schreiten. Unterstützt von den Lenninger Hexen, den Reußensteindämonen, dem Notzinger Gesinde Schleichingen, Cäcilia Wernau, den Rewä Hexen Untergruppenbach, den Hainbach Fröschen Lichtental, den Vaihinger Nesbach Hexen, den Esslinger Zwiebelgoscha, den Spitzkrautteufeln aus Leinfelden-Echterdingen, den Nürtinger Strick- und Stechmücken sowie den Weisau Goischtr aus Metzingen eröffnete Vize-Zunftmeister Michael Gnilka für den verhinderten Ober-Klosterdeifel Oliver Thaler die Fasnet 2007.

Zum ersten Mal waren die "Lenningo Gugga" mit ihrem selbst entworfenen, nagelneuen blau-silbernen Häs dabei. Mit ihrer fetzigen Guggamusik sie ist aus der schwäbisch-alemannischen Fasnet nicht mehr wegzudenken heizte die 28-köpfige Truppe aus Lenningen dem närrischen Volk ein und sorgte für Gute-Laune-Stimmung. "So muss Fasnet klingen", freute sich Vize-Oberdeifel Michael Gnilka und brachte auf die Guggamusiker, da-runter der vierjährige Kilian und der siebenjährige Marius, ein dreifach donnerndes "Kloster-Deifel" aus.

Sodann gingen die schwäbischen Narren auf der Bühne zu Werke. "Häsabstauba" lautete das Motto. Mit Klosettbürste, Staubwedel, Kehrwisch und Besen reinigten sie ihr Teufelskostüm unter den strengen Blicken von Häswartin Ulrike Hofmeister: "Wehe, wenn Ihr gschlampert händ . . .". Sie hatten nicht.

Wurde früher vor allem im Oberland mit lautem Karbatschen-Knallen der Winter ausgetrieben, und versuchten sich Gesunde zu Zeiten der Pest durch die langen und aus Hanf geflochtenen Peitschen die von der Seuche Befallenen vom Leibe zu halten, so "schnellen" die Narren heute nur noch zum Spaß, wie Harald Müller, Leiter der Karbatschengruppe der "Kloster-Deifel", erzählte. Diese uralte Fasnets-Tradition pflegen auch die Deifel. Und nicht nur das. Sie sind sogar Vize-Weltmeister im "Schnellen". Diese Kunst demonstrierten sie eindrucksvoll und unüberhörbar auf dem Kirchheimer Marktplatz, bevor die Hauptpersonen der Veranstaltung, die Täuflinge, "eingefangen" und zur teuflischen Zeremonie auf die Bühne gebracht wurden.

In weiße Kunststoffoverals gekleidete "Vollstrecker" nahmen sich der Narren-Novizen an. Was dann auf der Bühne geschah, erinnerte an die moderne Version von "teeren und federn". Die sieben Täuflinge wurden, bevor sie in ein mit Hobelspänen, Federn und Asche gefülltes "Taufbecken" getaucht wurden, ausgiebig mit Senf und Ketchup beschmiert und sahen anschließend aus wie gerupfte Hühnchen. Dann durften sie aus einem Nachttopf ein teuflisch zubereitetes Menü kosten, wobei viele Zuschauer allein vom Hinsehen schmerzvoll ihr Gesicht verzogen. Doch bevor die Täuflinge endlich ihren Schwur auf die Zunft ableisten konnten und zu echten Kloster-Deifeln geschlagen wurden, mussten sie ihren Durst noch mit "braunem Le-bertran, rotem Hühnerblut, blauem Frostschutzmittel und grünem Froschlaich" stillen entsprechend eingefärbter Limonade.

Nach dem teuflischen Ritterschlag erhielten die sieben neuen "Kloster-Deifel" ihre Masken und folgten gerne dem Aufruf ihres Vize-Oberdeifels: "Nun feiert mit dem närrischen Volk ein wildes Fest". Es währte im Übrigen bis in die Nachtstunden, denn die "Kloster-Deifel" waren selbstverständlich auch anschließend bei der abendlichen Narrentaufe der Notzinger Zunft "Gesinde Schleichingen" mit von der Partie.

INFODie Jubiläumsveranstaltung der Kirchheimer "Kloster-Deifel" geht am 2. Februar vor dem TG-Heim über die Bühne. Am 15. Februar stürmen die Deifel das Kirchheimer Rathaus und am 16. Februar statten sie dem Ficker-Stift einen närrischen Besuch ab.