Lokales

Teure Zeiten für Gaskunden

Auch rund um die Teck steigen die Gaspreise – Experten geben Ratschläge für Verbraucher

Die EnBW hat angekündigt, die Gaspreise im November um 20 Prozent zu erhöhen. Davon betroffen sind auch zahlreiche Haushalte in den Gemeinden und Städten rund um die Teck. Wer nicht tatenlos zuschauen, sondern aktiv werden möchte, bekommt von Experten die unterschiedlichsten Tipps – angefangen von besserer Wärmedämmung über den Anbieterwechsel bis hin zum Protest.

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BIANCA LÜTZ

Kirchheim. Besitzer von Gasheizungen müssen sich kommenden Winter im wahrsten Sinne des Wortes warm anziehen: Heizen wird teurer. „Wir erhöhen unsere Gaspreise am 1. November um 19,7 Prozent“, sagt EnBW-Pressesprecherin Friederike Eggstein. Zum zweiten Mal in diesem Jahr zieht die EnBW die Preise an. Eine erste Erhöhung um 6,9 Prozent hatte es zum 1. Januar gegeben. Im April 2007 dagegen habe das Unternehmen sogar einmal seine Preise gesenkt, sagt Eggstein. Ursache für die kommende Verteuerung sind Friederike Eggstein zufolge in erster Linie gestiegene Erdölpreise: „Der Gaspreis ist nach wie vor an den Ölpreis gebunden.“ Die EnBW gebe aber nur die gestiegenen Bezugskosten verzögert an die Kunden weiter, beteuert die Pressesprecherin. Von den Preissteigerungen der EnBW betroffen sind viele Verbraucher rund um die Teck, da die meisten Kommunen im Raum Kirchheim ans Versorgungsnetz der EnBW angeschlossen sind.

Nicht ganz so hart trifft es Verbraucher in Nachbarkommunen. Zwar stehen auch in Schlierbach Gaspreiserhöhungen an, diese werden aber milder ausfallen: „Ich gehe davon aus, dass im Laufe des Herbstes unsere Preise um 10 bis 15 Prozent hochgehen“, sagt Wolfgang Berge, Geschäftsführer der Energieversorgung Filstal (EVF). Zudem habe die EVF ihre Gaspreise in den vergangenen eineinhalb Jahren lediglich um vier Prozent erhöht und gelte derzeit als besonders günstiger Anbieter. Dafür gibt es Berge zufolge gute Gründe: „Wir haben uns vor zwei Jahren von den alten Bezugswegen gelöst und die Chance des Wettbewerbs genutzt.“ Seither kaufe die EVF auf dem freien Markt ein. Galt die EVF bislang als regionaler Versorger, baut sie ihren Wirkungskreis nun aus: Ab Januar 2009 können Verbraucher aus ganz Baden-Württemberg von dem Göppinger Unternehmen Gas beziehen.

Auch in der benachbarten Großen Kreisstadt Nürtingen, wo sich die Stadtwerke um die Gasversorgung kümmern, sieht es etwas anders aus als in Kirchheim. Zwar wird dort das Gas ebenfalls teurer, die Preiserhöhung soll nach Angaben von Stadtwerke-Chef Volkmar Klaußer jedoch deutlich unter zehn Prozent liegen. Allerdings gab es in Nürtingen dieses Jahr schon zwei Preiserhöhungen um 4,4 Prozent und um 8,5 Prozent. Auch die Nürtinger Stadtwerke haben beim Bezug vom Gas unlängst neue Wege beschritten: Seit dem vergangenen Jahr erhalten sie ihr Gas vom österreichischen Unternehmen Econ.

Egal wann und wie stark die Gaspreise steigen – für die Kunden bedeutet jede Form von Verteuerung, dass sie für die gleiche Leistung noch tiefer in die Tasche greifen müssen. Während die Energiekosten für die Privathaushalte zu einem immer größeren Brocken werden, haben viele Endverbraucher den Eindruck, sie selbst könnten nichts tun als hilflos zuzusehen. Ganz so ist es aber nicht, wie Energieexperten und Verbraucherschützer aufzeigen.

Weit oben auf der Liste steht der Ratschlag, Energie einzusparen. Wie das gelingen kann, dazu geben unterschiedliche Einrichtungen und Institutionen Auskunft. In Kirchheim stehen die Lokale Agendagruppe Energie, die Architektenkammer und an speziellen Sprechtagen auch Berater der Energieagentur des Landkreises Esslingen als Ansprechpartner zur Verfügung. Der Kirchheimer Architekt Jürgen Rieschl beispielsweise arbeitet in allen drei Gruppen mit. Interessierte bekommen Tipps zum Hausbau, zu Energieträgern und Dämmung. Ganzheitliche Beratungstipps rund um Sanierung und Bau gibt auch Harald Rothfuß, Energieberater bei der Energieagentur.

Der beste Ratgeber für alle, die den Gasanbieter wechseln möchten, ist Experten zufolge das Internet: Dort gibt es verschiedene Gaspreisrechner, die die günstigsten Angebote ausfindig machen. „Man sollte aber immer mehrere Rechner ausprobieren“, empfiehlt Evelyn Keßler, Pressesprecherin der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Bei einem Wechsel rät sie dazu, direkt mit dem Energieversorger Kontakt aufzunehmen und keine Verträge im Internet abzuschließen. Was sich langfristig lohne, sei jedoch unklar: „Derzeit erhöhen sehr viele Gasversorger die Preise.“

Für einen guten Weg hält die Verbraucherschützerin zudem den Protest. „Wir finden es wichtig, die Preise nicht einfach nur hinzunehmen“, sagt Keßler. Schließlich sei die Rechtmäßigkeit der Gaspreise noch nicht abschließend geklärt. So lange es kein verbindliches Gerichtsurteil gebe, könnten Verbraucher auch Widerspruch einlegen und einfach weiterhin die alten Preise zahlen. Ein langer Atem und starke Nerven können dabei jedoch nicht schaden. „Vonseiten der Gasversorger wird immer wieder gedroht“, weiß Keßler. Aber: „Wir haben für alles die passende Antwort.“ Vorgefertigte Schreiben können sich Interessierte auf der Homepage der Verbraucherzentrale herunterladen.

Diesen Weg des Protests geht beispielsweise eine Bürgergruppierung in Leonberg, wo ebenfalls die EnBW als Gasversorger zuständig ist. Einige Mitglieder machen die Erhöhungszahlungen schon seit Jahren nicht mehr mit. Zu ihnen gehört Ingo Scherzberg, Mitinitiator der Gruppe. „Ich persönlich verweigere die Verteuerung der Gaspreise seit 2004“, sagt er. Lediglich im vergangenen Jahr habe er freiwillig um 10 Prozent erhöht. Im gleichen Zeitraum jedoch habe der normale Verbraucher einen Anstieg der Preise von 70 oder 80 Prozent erlebt. Ganz ohne Ärger und Aufwand gehe ein solcher Protest jedoch nicht ab, so Scherzberg. Immer wieder erhielten die Leonberger Verweigerer Drohbriefe des Gasversorgers. Er selbst hat nun auch einen Anwalt eingeschaltet, um auf Nummer sicher zu gehen. „Bisher ist aber noch niemandem das Gas abgedreht worden“, sagt Ingo Scherzberg.

Was auf jeden Fall passieren kann: Sollte die Rechtmäßigkeit der Gaspreise gerichtlich bestätigt werden, dann müssen die Verweigerer die Differenz nachzahlen. Evelyn Keßler rät deshalb dringend dazu, den entsprechenden Betrag auf keinen Fall auszugeben, sondern zur Seite zu legen, damit im Ernstfall kein Loch in der Haushaltskasse entsteht.

Infos und Materialien rund ums Thema Energie und Gaspreise gibt es auf der Homepage der Verbraucherzentrale, www.vz-bawue.de. Für die Kirchheimer Agendagruppe Energie und die Architektenkammer gibt Jürgen Rieschl unter 0 70 21/7 18 68 Auskunft. Das Planungsamt der Stadt Kirchheim, 0 70 21/50 24 38, vergibt Termine für die nächsten Beratungstage, die die Energieagentur des Landkreises am 4. und 18. September sowie am 2. und 16. Oktober von 16 bis 18 Uhr in Kirchheim anbietet. Direkt ist die Energieagentur unter 0 70 22/21 34 00 erreichbar. Ingo Scherzberg gibt Auskünfte rund ums Thema Protest unter der Telefonnummer 0 71 52/4 17 24.