Lokales

„The Great Mister Handel“

Händelsoirée im Kornhaus mit Bernhard Moosbauer und Jens Wollenschläger

Kirchheim. Auch Georg Friedrich Händel (1685–1759) gehört zum illustren Reigen derjenigen Jubilare, denen momentan reichlich gedacht wird. Folglich bildete „The Great Mister Handel“ im Kircheimer Korn-

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Florian stegmaier

haus den musikalischen Mittelpunkt der barocken Soirée mit Bernhard Moosbauer (Barockvioline und Viola) und Jens Wollenschläger (Cembalo).

Zwei Händel-Sonaten in d-Moll und g-Moll waren als affektgeladene, virtuose Eckpunkte des Programms gesetzt worden und fanden eine packende, klangfarbig-fein nuancierte Ausdeutung. Interpretatorische Qualitäten, denen auch Jens Wollenschlägers Darbietung einer Fantasie für Cembalo solo in nichts nachstand und den Hörern wieder einmal die ungebrochene Frische und Vielfalt „alter“ Musik vergegenwärtigte.

Passend dazu gesellte sich eine Sonate aus der Feder von Johann Christoph Pepusch (1667–1752). Gern wird kolportiert, dass Pepuschs erfolgreich inszenierte „Beggars Opera“ – eine Kooperation mit dem Dichter John Gay – dem Opernbetrieb des umtriebigen „Musikunternehmers“ Georg Friedrich Händel den wirtschaftlichen Todesstoß versetzt habe. Dies war freilich nur eine, wenn auch einschneidend herbe Facette des bewegten Lebenslaufes Händels, der von Bernhard Moosbauer dem Publikum in einer biografischen Skizze prägnant vor Augen geführt wurde.

Mit Auszügen aus Henry Fieldings Roman „Eine Reise von dieser Welt in die nächste“ gelang eine kontrastreiche Verquickung von Literatur und Musik. Henry Fielding (1707–1754), der zudem als Dramatiker und Journalist in Erscheinung trat, entrollt darin eine satirisch verpackte Gesellschaftskritik, die nicht nur Modeströmungen der damaligen Zeit humorvoll und pointiert aufs Korn nimmt, sondern in feinsinnigem, dennoch unmissverständlichem Duktus den allzu menschlichen Schwächen einen zeitlosen Spiegel vorhält.

Diese künstlerisch dezidierten Schlaglichter auf die barocke Trias Händel, Pepusch und Fielding hoben sich vom bereits spürbar gewordenen nivellierenden Sog des noch jungen, doch kulturell so prallen „Super-Gedenkjahres“ 2009 wohltuend ab.

Ihre literarisch-musikalische Soirée im Kornhaus erwies sich nicht nur als eine reizvolle Näherung an die Zeit des „Augustan Age“, Bernhard Moosbauer und Jens Wollenschläger glückte damit der keineswegs selbstverständliche Brückenschlag zwischen hohem Anspruch und seriöser, nämlich den Inhalten verpflichteter Unterhaltung.