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Thema Elektrosmog: "Ein Schlafzimmer sollte stromlos sein"

OWEN

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Der 71-jährige Owener Kurt Ollhäuser hat sich im Rentenalter eine neue Herausforderung als baubiologischer Gesundheitsberater gesucht. Dabei hat er es mit Spannungen unterschiedlichster Art zu

ANDREAS VOLZ

tun: Einmal mit der elektrischen Spannung, dann bei Gesteinsbrüchen und -verwerfungen, die er auf tektonische Spannungen im Erdinnern zurückführt und schließlich steht sein Betätigungsfeld in einem starken Spannungsverhältnis zur Wissenschaft, die zwar die möglichen schädlichen Auswirkungen des Elektrosmogs anerkennt, die Erdstrahlen und deren Einfluss auf Mensch und Gesundheit aber als kompletten Humbug abtut.

Das war nicht immer so, versichert Ollhäuser. So habe Max Planck exakte Untersuchungen der Erdstrahlen gefordert, um herauszufinden, welche Substanz hinter der umstrittenen Theorie der Radiästhesie steckt. "Aber da hat sich die Wissenschaft dagegen gesträubt", sagt der überzeugte Rutengänger Kurt Ollhäuser. Als Hauptgrund für die ablehnende Haltung der Wissenschaft seinem Metier gegenüber sieht der Owener die mangelnde Nachhaltigkeit des Messens: "Was wir messen, lässt sich nicht reproduzieren, es gibt immer wieder unterschiedliche Werte."

An diesem Punkt ist Ollhäuser von der herrschenden Lehrmeinung gar nicht allzu weit entfernt. Nichts würde er sich sehnlicher wünschen als ein objektives, geprüftes und geeichtes Messgerät für Erdstrahlung. Die bisherigen Geräte haben sich im Lauf der Zeit immer mehr verfeinert. Längst sind die "professionellen Rutengänger" nicht mehr mit dubiosen Astgabeln unterwegs, sondern mit Winkelruten aus Metall oder auch mit Kunststoffruten. Weil diese jedoch allen Skeptikern immer noch reichlich dubios erscheinen dürften, schwört Ollhäuser vor allem auf die so genannte "H 3-Antenne", von der er regelrecht begeistert ist. "Die wird einmal in ein echtes Messgerät eingehen", ist er überzeugt.

Bislang sind die Rutengänger von einer objektiven Messbarkeit für Erdstrahlen noch weit entfernt, auch wenn sie über ein eigenes Maß verfügen die Reizeinheiten. Werte bis zu 600 Reizeinheiten bezeichnet Ollhäuser als "natürliche Erdstrahlung", die alle Lebewesen bräuchten. Was er und seine Kollegen vor allem ermitteln wollen, ist die "erhöhte Erdstrahlung", von der ihrer Ansicht nach potenzielle Gefahren ausgehen. Ausgangspunkte dieser Strahlung sind den Radiästheten zufolge Wasseradern (unterirdische Wasserläufe), Gesteinsbrüche (unterirdische Hohlräume und deren Einbrüche) oder Gesteinsverwerfungen, eine Folge der Plattentektonik. Hinzu kommen das "Global- oder Hartmanngitter", das sich an den Himmelsrichtungen ausrichten und über gefährliche Kreuzungspunkte verfügen soll, sowie das "Diagonal- oder Currygitter", das als quer zum "Globalgitter", aber variabler in seinen Formen angesehen wird, und bei dem die Radiästheten von einer starken Beeinflussung durch die Mondphasen ausgehen.

Das "Globalgitter" ist für die Rutengänger besonders wichtig. "Es ist sehr stabil und hat immer 700 Reizeinheiten. Das braucht man zum Kalibrieren", erklärt Kurt Ollhäuser. Die Stärke einer anderen Strahlungsquelle vergleicht der Radiästhet mit den Reizeinheiten des "Globalgitters". Dazu dient aber bislang kein genaues Messgerät, sondern die "mentale Vorbereitung" des Rutengängers, der bei seiner "Messung" die abweichenden Reizeinheiten im Kopf "mitzählt". Das führt dazu, dass ein anderer Rutengänger an gleicher Stelle um 200 bis 300 Reizeinheiten von Kurt Ollhäusers Ergebnis abweichen könne, wie der Owener bekennt. Die Problematik dieser "Messung" ist dem 71-Jährigen durchaus bewusst, weshalb er auch einräumt: "Ein Wissenschaftler zerlegt das."

Ihn selbst ficht das indessen nur wenig an: "Wenn ich Leuten helfen kann, sage ich: ,Wer heilt, hat recht.'" Deshalb arbeitet er eng mit Heilpraktikern zusammen, die auch nicht unbedingt im Mittelpunkt schulischer Lehrmeinungen stehen. Nach einer Hausuntersuchung erstellt Kurt Ollhäuser ein Protokoll, in dem Globalgitterpunkte, Elektrosmog und sonstige Felder genau beschrieben sind. Auch Sendemasten schlüsselt er exakt auf. Er möchte mit seiner Arbeit beraten und empfehlen. Anhand seines Raumprotokolls lassen sich eventuell notwendige Sanierungsmaßnahmen durchführen, und für den behandelnden Heilpraktiker sei das Protokoll ebenfalls wichtiges Datenmaterial, um geeignete Therapiemaßnahmen zu ergreifen.

Als seine wesentliche Aufgabe sieht es Kurt Ollhäuser an, die Polarität von Strahlungen jedweder Art festzustellen. Ob etwas links- oder rechtsdrehend ist, sei von entscheidender Bedeutung. Wasser beispielsweise ist meistens linksdrehend, sagt der Owener Radiästhet, bei Heilwasser aber handle es sich immer um rechtsdrehende Quellen. Außerdem sei es wichtig, bei Wasseradern die Flussrichtung und deren genaue Zonen ebenso zu bestimmen wie die Tiefe und die Schüttung, also die Wassermenge pro Sekunde. "Das zeichnet einen guten Rutengänger aus. Alles andere ist Quatsch", meint Kurt Ollhäuser und fügt hinzu: "Es gibt viele Fehlinterpretationen, die unseren Ruf schädigen."

Gänzlich ablehnend steht der frühere Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens in Köngen den so genannten Magnetfeldmatten gegenüber, die irgendwelche "Hasardeure und Schnellgeldverdiener" vertreiben: "Das kann vielleicht am Anfang helfen. Aber auf Dauer ist das irdische Magnetfeld nicht zu harmonisieren, und künstliche Magneten arbeiten gegen den Körper."

Überhaupt würden zu viele schwarze Schafe das Rutengehen ausschlachten und behaupten, sie seien ausersehen, Strahlungen aufzuspüren. "Das kann aber jeder", ist Ollhäuser überzeugt. Allerdings sei die Fähigkeit häufig zurückgedrängt, während Kinder den Instinkt dafür meistens noch besäßen. Für den jüngsten Fall, als ein Zufallsgenerator mehr Treffer bei der Suche nach Wasser in verschiedenen Töpfen aufweisen konnte als ein Rutengänger, hat der gelernte Mechaniker und ausgebildete Betriebswirt eine plausibel klingende Erklärung: "Ein professioneller Radiästhet hätte sich darauf gar nicht eingelassen, weil von ruhendem Wasser keine Strahlung ausgeht. Das kann man mit der Rute überhaupt nicht finden."

Nach Ansicht der Radiästheten können Strahlungen je nachdem, ob sie links- oder rechtsdrehend sind ihre eigene Energie und die Energie von Lebewesen, die sie beeinflussen, verstärken oder reduzieren. In beiden Fällen kann es sich sowohl um erwünschte als auch um unerwünschte Wirkungen handeln. So versuchen die Rutengänger bei Fällen von hyperaktiven Kindern, für die Idealposition des Betts Strahlungen zu finden, die energieabweisend sind, und solche zu umgehen, die die überschüssige Energie des Kindes noch verstärken würden.

Ohnehin geht es Ollhäuser vor allem um die Nachtruhe seiner Kunden. An diesem Punkt kommt auch das Thema Elektrosmog verstärkt zum Tragen: "Ein Schlafzimmer sollte stromlos sein", fordert der baubiologische Gesundheitsberater. Ganz schlecht seien Halogenlampen, Dimmer und Elektroheizungen. Auch DECT-Telefone am Schlafplatz lehnt er strikt ab: "Das Telefon peilt regelmäßig einen Sender an. Durch den Impuls wird aber dem Gehirn gemeldet, dass Tag ist. Das verhindert, dass die Zirbeldrüse das wichtige Schlaf- oder Gesundheitshormon Melatonin produzieren kann." Wichtig für die Bildung dieses Hormons sei eine stromfreie Nacht: "Dann ist man dem Tag und seinen Strahlungen gewachsen wenn man nicht direkt unter einem Sendemasten arbeitet."

Die Mobilfunkstrahlen vergleicht Kurt Ollhäuser mit Mikrowellen. So wie diese in einem entsprechenden Herd durch ihre Schwingungen Lebensmittel zum Mitschwingen bringen, so dass sie sich schließlich erhitzen, habe auch das Handy eine thermische Wirkung auf den Benutzer: "Das ist wie eine Mikrowelle am Ohr, eine Schädigung des Gehirns. Ein Zwei-Minuten-Gespräch am Handy lässt sich mittels EEG noch 24 Stunden später nachweisen." Die genauen medizinischen Auswirkungen seien noch gar nicht festzustellen. Dazu brauche es noch etwa 20 Jahre, bevor erste Forschungsergebnisse vorliegen könnten.

Auch wenn die Wissenschaft die schädliche Wirkung des Elektrosmogs keinesfalls abstreite, seien die geltenden Grenzwerte viel zu hoch. "In Deutschland haben wir weltweit die höchsten Grenzwerte für Elektrosmog überhaupt, gemeinsam mit Kanada", beklagt Ollhäuser die Situation, gegen die er ankämpfen will.

Wie viele seiner Mitstreiter hat Kurt Ollhäuser beim Institut für baubiologische Gesundheitsberatung "Das gesunde Haus" mit Sitz in Münster seine Aus- und Weiterbildung absolviert. Als Lizenznehmer des Instituts bearbeitet er vorwiegend Fälle im Landkreis Esslingen. Aus Mangel an Kollegen ist er jedoch auch im Landkreis Reutlingen oder in Stuttgart tätig. Trotzdem teilt er sich seine Arbeit ein, zum einen, weil er als Rentner nicht auf das Geld angewiesen ist, und zum anderen, weil er es für falsch hält, Tag für Tag jeweils eine Hausuntersuchung durchzuführen: "Ich mache nur eine Hausuntersuchung in der Woche. Das lastet mich aus, weil ich ja auch die ganze Energie, die ich aufspüre, in mir aufnehme." Und energiegeladen wirkt der 71-Jährige allemal.