Lokales

Therapeutische Malgruppe im Frauenhaus neu eingerichtet

Nach Turbulenzen und dem Bezug des neuen Hauses konnte sich der Verein Frauen helfen Frauen 2005 nach eigenen Angaben wieder der eigentlichen Arbeit mit Frauen und Kindern widmen. Der Jahresbericht weist eine Zunahme an Zusatzangeboten aus, ermöglicht durch das Engagement von Ehrenamtlichen.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Das Frauenhaus in Kirchheim bietet Frauen und Kindern, die von Gewalt betroffen sind, Unterkunft, Schutz und Hilfe. Zwölf Plätze stehen zur Verfügung. Dort können die Frauen in einer Art Wohngemeinschaft leben und sich und ihre Kinder selbst versorgen. Die Aufnahme erfolgt unbürokratisch. Zur ganzheitlichen Unterstützung gehört neben Information und praktischer Hilfe ein langfristiges Beratungsangebot. Um die betroffenen Kinder kümmert sich eine Sozialpädagogin, die auch für Erziehungsfragen zur Verfügung steht. Auf Wunsch werden Frauen auch noch nach ihrem Auszug beratend begleitet. Telefonische Hilfestellung und Rat für Frauen, die nicht im Frauenhaus untergebracht sind, bietet das Team im Büro am Kirchheimer Markplatz an.

Laut Jahresbericht war das Haus auch 2005 meist voll belegt. Als großes Problem erwies sich wieder einmal die Wohnungssuche im Anschluss an den Frauenhaus-Aufenthalt. Dadurch verlängert sich die Dauer des Aufenthalts. Viel Zeit für die Beratungskräfte erforderte die Einarbeitung in die Hartz-IV-Gesetzgebung, die für viele Frauenhaus-Bewohnerinnen von Bedeutung ist.

"Kooperation und Vernetzung sind für die sozialpädagogische Arbeit im Frauenhaus von zentraler Bedeutung, um wirksame Hilfen und längerfristige Unterstützung für die Frauen und Kinder zu gewährleisten", lautet eine wichtige, im Jahresbericht formulierte Erkenntnis. So fanden etliche Kooperationstreffen statt mit Job-Centern, Pro Familia, Kompass, der Polizei oder anderen Frauenhäusern. Gremien- und Öffentlichkeitsarbeit stellen ebenfalls ein wichtiges Standbein dar.

Im Rahmen eines Projektes, für das auch Zuschüsse des Regierungspräsidiums Stuttgart fließen, werden Informationsveranstaltungen an Schulen durchgeführt. Neu ist auch eine Frauengruppe im Frauenhaus. Sie findet seit knapp einem Jahr 14-tägig statt. Themen wie Selbstwertgefühl, innere Stabilität und Sicherheit sowie Vertrauen in eigene Möglichkeiten stehen im Mittelpunkt.

Dank dem Engagement der Willi-Buhlmann-Stiftung der Deutschen Bank AG Frankfurt ist auch für ein Jahr Unterstützung für eine therapeutische Malgruppe für die Frauen und Kinder im Frauenhaus gesichert. Sie besteht seit September. Eine Maltherapeutin und Körperpsychotherapeutin leitet die Gruppe.

Die Frauen, die im Kirchheimer Frauenhaus Unterschlupf fanden, sind überwiegend zwischen 31 und 40 Jahren alt, wie ein Blick in die Statistik zeigt. Viele von ihnen haben Kinder. Zum großen Teil haben die Kinder die Misshandlung der Mutter miterlebt. Annähernd die Hälfte von ihnen wurden selbst körperlich misshandelt. Meist haben die Frauen zunächst kein eigenes Einkommen, da sie Hausfrau sind oder als Arbeitslose im Frauenhaus aufgenommen werden.

Die meisten aufgenommenen Frauen sind Deutsche, die nächstgrößte Gruppe ist türkischer Nationalität. Mit manchen der aufgenommenen Frauen war eine Verständigung nur mit Hilfe einer Dolmetscherin möglich.

Alles in allem hat sich das Miteinander im neuen Frauenhaus eingespielt. Der Betrieb funktioniert nun "wie erhofft reibungslos", wie Eva Vogelmann von Frauen helfen Frauen aus der Vereinsarbeit berichtet. Wichtigstes Gremium des Vereins ist der "Aktivenkreis", der Haupt- und Ehrenamt vernetzt. Dort wurde neu besprochen, dass auch ehrenamtlich tätige Frauen direkt Angebote im Haus für Frauen und Kinder machen können. So fanden und finden beispielsweise Ausflüge statt. Insgesamt haben die aktiven Vereinsfrauen im vergangenen Jahr 2160 Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet. Ein Einsatz, ohne den das Frauenhaus nicht existieren könnte.

Sorgen bereitet dem Verein die Aussage aus dem Landratsamt, die finanzielle Grundlage der Frauenhäuser über Einführung eines Tagessatzes auf eine andere Basis stellen zu wollen. "Abzusehen sind also erneut große Kämpfe und Unsicherheiten umso schöner erscheint im Rückblick dieses Jahr des Atemholens", heißt es dazu im Jahresbericht.