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"Tiere sind keine Überraschungsgeschenke"

"Tiere sind als Überraschungsgeschenke zu Weihnachten nicht geeignet. Auch beim Kauf von Tierzubehör sollten Tierfreunde aufpassen, weil nicht alles dem Liebling wirklich gut tut", warnt der Tierschutzverein Kirchheim.

KIRCHHEIM Immer wieder kommt es vor, dass ein Familienmitglied eine lebendige Überraschung unter den Weihnachtsbaum legt. Manchmal, ohne die anderen Familienmitglieder vorher um Rat zu fragen und leider auch oft, ohne zu realisieren, dass ein Haustier jahrelang zur Familie gehört und entsprechende Betreuung und Pflege braucht. Die Ernüchterung kommt oft nach der Bescherung.

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Davon kann der Tierschutzverein Kirchheim, Mitgliedsverein im Deutschen Tierschutzbund, ein Lied singen. Immer wieder werden kurz nach den Feiertagen "lästige" Tiere im Tierheim abgegeben. Ein Aspekt, der vielfach ganz außer Acht gelassen wird, ist die Lebenserwartung und die Haltungsgrundanforderungen. Ein Hund wird durchaus bis zu 15 Jahre alt, benötigt eine konsequente Erziehung und regelmäßige Impfungen. Freigängerkatzen kommen alleine klar, als reine Wohnungskatzen wollen sie aber auf jeden Fall einen Partner, der ihnen den Verlust der Natur erträglich macht. Auch hier sind regelmäßige Tierarztbesuche ein Muss.

"Das traurige Leben eines einzelnen Kaninchens ist ebenfalls nicht artgerecht. Kaninchen wollen einen Partner", sagt Ina Hegewald vim Tierschutzverein. Als ideal hat sich hier die Kombination Weibchen mit Kastrat erwiesen. Die handelsüblichen Käfige werden ihrer Ansicht nach dem anspruchsvollen Nager nicht gerecht Kaninchen wollen viel Bewegung und optimalerweise die Möglichkeit zu graben. Meerschweinchen wollen immer mindestens einen Partner, besser noch ist die Gruppenhaltung in einem geräumigen Käfig mit täglichem Freilauf.

"Einen Vogel alleine im zu kleinen Käfig zu halten ist Tierquälerei", stellt die Tierschützerin klar. Vögel sind Schwarmvögel und fühlen sich am wohlsten, wenn sie viel Gesellschaft von Artgenossen und optimalerweise täglichen Freiflug in einem gesichertem Raum haben.

Der Vorsitzende des Tierschutzvereins Joachim Blessing appelliert: "Wir raten allen, vor dem Kauf eines Tieres erst den Familienrat tagen zu lassen und ausführlich Verantwortungen, Pflichten, aber auch Kosten zu besprechen. Zudem ist es besser, das Tier erst nach der Hektik der Feiertage zu kaufen. Denn ein neues Familienmitglied sollte sich in Ruhe an das neue Zuhause gewöhnen können."

Vielfach ist auch zu beobachten, dass Tierzubehör unter den Weihnachtsbaum gelegt wird. Leider aber bereiten viele Zubehörteile den Tieren mehr Leid als Freude. Kunststofflaufrad und Kunststoffröhrensysteme, die zum Beispiel für den Hamster angeboten werden, können diesem gefährlich werden wegen scharfer Kanten und mangelnder Sauerstoffzufuhr, so die Tierschützer. In Rundkäfigen fehlt Ziervögeln die Orientierungsmöglichkeit genauso wie den Goldfischen in Rundgläsern.

In Sandpapier gehüllte Sitzstangen für die Vögel bereiten den Tieren Verletzungen an den Fußballen und auch am Schnabel und Ausgeh-Leinen für Meerschweinchen haben schon vielenTieren das Leben gekostet, so die Erfahrung der Tierschützer. Stachelwürgehalsbänder gehören ihrer Ansicht nach genauso wenig unter den Weihnachtsbaum wie Teletaktgeräte für den Hund. "Man glaubt gar nicht, was im Handel so alles angeboten wird. Viele kaufen solches Zubehör in gutem Glauben. Jeder, der sich mit solchen Gedanken trägt, sollte vor dem Kauf beim örtlichen Tierschutzverein nachfragen, was wirklich gut für den Liebling ist. Damit vermeidet man viel Leid für die Tiere und hat hinterher umso mehr Freude", bittet der Vorsitzende des Tierschutzvereins Blessing.

ina