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Tipps von der Tierärztin: Erste Hilfe für den Hund

Passt das, was jeder Führerscheinbesitzer für den Notfall lernen musste, auch für den Hund? "Jein", meint die Notzinger Tierärztin Ingrid Märkle-Rutz. Zwar sei der Hund ein Säugetier, doch gebe es Unterschiede. Im Hundesalon in Wernau vermittelte sie einem Dutzend Hundefreunden in einem "Erste-Hilfe-Kurs für Hunde" das nötige Fachwissen.

PETER DIETRICH

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"Fahren sie einmal tagsüber bei der Tierklinik vorbei", riet die Tierärztin. Das sei besser, als im Notfall mit einem verletzten Hund im Auto nach dem Weg suchen zu müssen. Der größte Fehler bei einem Notfall sei, aus Angst gar nichts zu tun. Ruhig bleiben, einmal tief durchatmen, konzentriert vorgehen und nicht den Selbstschutz vergessen: Wenn der Welpe das Lampenkabel durchgebissen habe, zuerst den Netzstecker ziehen. Wenn nötig, zum Schutz vor Bissen dem Hund eine Maulschlinge anbringen und hinter den Ohren verknoten.

Nach einem Unfall sollte zuerst die Atmung des Hundes geprüft werden, am besten sei sie am Brustkorb zu sehen. "Zehn bis 40 Atmungen pro Minute sind normal, je kleiner der Hund, desto häufiger", erläuterte die Tierärztin. Wer die Atmung seines Tieres schon zuvor beobachtet habe, erkenne vermehrtes Atmen sofort. Doch wo wird beim Hund der Puls gefühlt? "Am Hals", meinten die Gäste, und lagen damit falsch. Dies geschieht am besten an der Schenkelinnenseite des Hinterbeins. Um dies zu demonstrieren, musste Piccolino ran: Der auf den Tisch gehievte Jack-Russell-Terrier hielt vorbildlich still. Sein gelegentliches Winseln während des Kurses hatte weniger mit Unbehagen als mit regem Interesse an der Foxterrierdame Quillaja zu tun.

Wenn es einem Menschen schlecht geht, wird seine Haut blass. Beim Hund hilft der Blick aufs Zahnfleisch. "Drückt man darauf, sollte es in zwei Sekunden wieder rot sein", sagte die Expertin. Die Temperatur lasse sich zuverlässig im Po messen, wobei beim Hund 38 bis 39 Grad normal seien, bei Welpen noch mehr. Wie beschränkt das Lungenvolumen von Hunden ist, zeigte die Referentin mit Hilfe von Luftballons: Bei einer Beatmung, in Seitenlage, alle drei Sekunden ein Atemstoß in die Nase, dürfe sich der Brustkorb nur ganz normal heben und senken, alles andere wäre zu viel. Häufig unbegründet sei die Angst vor zu viel Blutverlust: Das T-Shirt, über dem die Tierärztin 100 Milliliter Rote-Beete-Saft ausleerte, sah schlimm aus. Dennoch würde ein zehn Kilo schwerer Hund so viel Blutverlust gut überstehen.

Wenn Herrchen oder Frauchen beim Waldspaziergang der Erste-Hilfe-Kasten fehlt, taugt für einen Verband ein sauberes Taschentuch, eine Krawatte, ein Gürtel, Socken oder der BH. Für den Stützverband kommen ein Stöckchen oder eine zusammengerollte Zeitung in Frage. Abgebunden werden sollte nur, wenn etwa mit dem Pulsschlag hellrotes Blut spritzt. Ob Erfrierungen oder Hitzestich, bei denen es auf langsames Erwärmen oder Abkühlen ankommt, ob Insektenstiche oder Krampfanfälle: Noch viele Stichworte hatte die Expertin in ihrem Erste-Hilfe-Abc, bis hin zum Zeckenbiss. Hier der dringende Rat: Die individuelle Vorbeugung in Absprache mit dem Tierarzt sei besser als der ungeprüfte Kauf giftiger Mittel auf dem freien Markt.

INFODie Vortragsreihe im Hundesalon am Katzenstein wird fortgesetzt: Der nächste Vortrag mit dem Thema "Homöopathie für Hunde" findet am Samstag, 24. Juni, statt. Anmeldung sind unter der Telefonnummer 0 71 53/89 78 39 möglich.